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„Anno Domini 1909“ steht auf der Fassade der historischen Villa de Osa, die den optischen Mittelpunkt der Schön Klinik in Kempfenhausen bildet. Im Jahr 1980 hatte Dr. Valentin Argirov die kleine Privatklinik erworben und zu einer internistischen Fachklinik ausgebaut. Seit 2003 ist sie in Besitz der Schön-Klinikgruppe.

Berg Kempfenhausen

Schön Klinik Kempfenhausen schließt: Mehr als 200 Mitarbeiter verlieren Job

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Die Schön Klinik Starnberger See schließt zum Jahresende. Gut 200 Arbeitsplätze gehen verloren, zudem eine wichtige Säule der medizinischen Versorgung am Ostufer des Starnberger Sees.

Kempfenhausen – Das waren extrem schlechte Nachrichten, die ein Mitglied der Familie Schön am Donnerstag den Mitarbeitern in einer außerordentlichen Versammlung in Kempfenhausen überbringen musste. Der geschichtsträchtige Standort sei nicht zu halten, die Schön Klinik Starnberger See müsse zum Jahresende schließen.

Am frühen Abend folgte dann die Erklärung für die Öffentlichkeit: „Trotz Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro in den vergangenen 15 Jahren konnte die Klinik nicht auf Erfolgskurs gebracht werden“, sagte Sprecherin Rieke Schües. Mit der geringen Größe von nur 60 Patientenzimmern gehöre sie zu den Einrichtungen, die von den Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und dem dadurch entstehenden Kostendruck besonders betroffen seien. Schües: „Die Geschäftsführung ist daher zu dem Schluss gekommen, dass ein nachhaltiger Klinikbetrieb aufgrund der geringen Bettenanzahl und der fehlenden Wachstumsoptionen nicht möglich ist.“

Die Schön Klinik ist ein wichtiger Baustein in der medizinischen Versorgung am Ostufer. Sie ist spezialisiert auf Herz- und Kreislauferkrankungen, Gefäßerkrankungen, Innere Medizin und Notfallmedizin. Im vergangenen Jahr hat das Krankenhaus das Zertifikat „Chest Pain Unit“ erhalten, das die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie für höchstes medizinisches Niveau bei der Behandlung von ungeklärtem Brustschmerz vergibt. Vor allem in der Kardiologie verfügt das Haus über einen exzellenten Ruf.

Das Klinikgelände am Ufer des Starnberger Sees ist wunderbar gelegen. Optischer Mittelpunkt ist die historische Villa de Osa aus dem Jahr 1909. Sie ist denkmalgeschützt – was letztlich mit ein Grund gewesen sein dürfte, warum die Klinik nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte. Um- und Anbauten waren immer von vielen Problemen und Kämpfen rund um den Denkmalschutz begleitet. Zuletzt wollte die Klinik ein weiteres Bettenhaus bauen. Es scheiterte am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof: Eine Nachbarin hatte gegen den Bebauungsplan geklagt.

Für Bergs Bürgermeister Rupert Monn kam die Nachricht von der Schließung völlig überraschend. „Das hat mich wie ein Blitz getroffen. Ich bedauere es außerordentlich“, sagte er gestern auf Anfrage. „Die Klinik hat einen guten Ruf und hinterlässt in der ärztlichen Notfallversorgung am Ostufer eine unersetzliche Lücke.“

Auch Landrat Karl Roth traf die Nachricht aus heiterem Himmel. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte er. Zumal in den Standort – „ein Aushängeschild am Starnberger See“ – ja so viel investiert worden sei. Gravierende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung sieht er trotzdem nicht. Der Landkreis Starnberg verfüge über eine der höchsten Krankenhausdichten in ganz Deutschland. Außerdem sei das Klinikum Starnberg breit aufgestellt und verfüge ebenfalls über beste Bedingungen bei der Behandlung von Herzerkrankungen.

Wie es mit den mehr als 200 Mitarbeitern in Kempfenhausen weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. Betroffen sei die gesamte Belegschaft, sagte Schön-Sprecherin Schües. Arbeitnehmervertretung und Klinikmanagement sprächen bereits über einen Sozialplan. Den Mitarbeitern stehe es offen, sich über das interne Jobportal an den anderen 17 Standorten der Klinik-Gruppe zu bewerben. Landrat Roth machte vielen von ihnen Hoffnung: „Pflegekräfte werden überall händeringend gesucht.“

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