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Dreimal um Mörlbach: Gemeindepfarrer Albert Zott segnete Tiere und Menschen. 

Alter Brauch

Stefaniritt in Mörlbach: Pfarrer Zott segnet 98 Pferde

Sonnenschein und knapp unter null Grad Außentemperatur: Bei herrlichem Winterwetter zogen am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Stefanitag, 98 Pferde mit ihren Reitern beziehungsweise vor eine Kutsche gespannt dreimal um Mörlbach, um den Stefanisegen für das neue Jahr zu erbitten.

Mörlbach Das Dörfchen zwischen Icking und Bachhausen gehört zu den wenigen Orten in Oberbayern, an denen sich die Tradition der Pferdesegnung am Stefanitag bis auf den Tag erhalten hat.

Nach dem Gottesdienst im prächtig geschmückten Stefanikirchlein schritt Gemeindepfarrer Albert Zott zur Ortsmitte, wo an der Ickinger Straße ein Podest für ihn und die Ministranten errichtet worden war. Dreimal umrundeten die Pferde den Ort. Beim ersten Mal segnete der Geistliche Tiere und Menschen mit Weihwasser, beim zweiten Umritt mit Weihrauch und bei der dritten Runde war Gelegenheit für ein paar Worte mit den Reitern. So erfuhr Pfarrer Zott, dass ein vier Jahre alter Schecke erst seit kurzer Zeit einen Sattel trägt und heuer zum ersten Mal beim Stefaniritt dabei war. Der älteste Vierbeiner, ein 34 Lenze zählender Schimmel, wurde dagegen von seiner Besitzerin nicht geritten – sie führte ihn um Mörlbach herum.

Im Anschluss gab’s für die Teilnehmer Erinnerungsschleifchen, Glühwein, Punsch, Schmalzbrote und Plätzchen, gestiftet von einer örtlichen Firma. Danach ging’s zurück in die heimischen Ställe, die vor allem in den Gemeinden Berg, Icking und Schäftlarn stehen.

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Die Nicht-Autofahrer durften ein Stamperl des legendären „Stefani-Schnapserls“ genießen. In früheren Zeiten zogen die Burschen zu Stefani von Haus zu Haus und wurden mit Schnaps bewirtet. Es war auch der Stefanitag, an dem einstmals am frühen Morgen eine nachts von den Burschen ausgebrachte Spur aus Sägemehl zwischen zwei Häusern eines Dorfes so manche heimliche Liebschaft öffentlich machte.

Übrig geblieben ist in Mörlbach davon lediglich der Stefaniritt, der in den 1960er-Jahren einen Aufschwung erlebte. Und so mancher Dorfbewohner ist stolz darauf, dass der Brauch vor seiner Haustür noch lebendig ist.

Wolfgang Tutsch

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