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Idyll in Leoni: Das Grundstück mit dem Steg wechselt nun den Eigentümer. Für 12 Millionen Euro verkauft es eine Erbengemeinschaft an einen Interessenten – der Freistaat will zu diesem Preis von seinem Vorkaufsrecht zurücktreten. 

Urteil ist rechtskräftig

Streit um 12-Millionen-Grundstück am Starnberger See: Freistaat kauft es nicht als Erholungsgelände 

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Der Freistaat Bayern nimmt Abstand von seinem Vorhaben, sein Vorkaufsrecht für ein Seegrundstück in Leoni auszuüben. Der Eigentümer, eine Erbengemeinschaft, veräußert das Areal nun wie geplant an eine Privatperson – zwei Jahre später als geplant.

Leoni – Der Freistaat Bayern kauft nicht für 12 Millionen Euro ein baureifes, 1463 Quadratmeter großes Seegrundstück in Leoni, um der Öffentlichkeit Zugang zum Starnberger See zu verschaffen. Er akzeptiert das Urteil des Verwaltungsgerichts München, das der Erbengemeinschaft des Grundstücks Recht gibt. Die hatte geklagt, weil der Freistaat zwar von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen wollte, aber nicht einmal die Hälfte des im ursprünglichen Kaufvertrag genannten Betrags bezahlen wollte. Jetzt ist die Sache endgültig geklärt. „Nach eingehender Prüfung des Urteils des Verwaltungsgerichtes München vom 23. Oktober 2019 hat der Freistaat Bayern auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet“, teilt eine Sprecherin der Schlösserverwaltung mit.

Das Verwaltungsgericht München hatte dem Freistaat in seinem Urteil bestätigt, dass er das Vorkaufsrecht ausüben darf. Allerdings müsse er dann in den Kaufvertrag einsteigen und 12 Millionen Euro zahlen. Der Freistaat wollte nur 5,3 Millionen Euro ausgeben, wie es ein vom ihm bestelltes Gutachten empfahl. Ein Gutachten im Auftrag der Erbengemeinschaft kam dagegen auf 10,5 Millionen, ein vom Gericht beauftragter Experte auf 9,8 Millionen. Die Gutachterpreise bestätigte der Markt: Im Rahmen des Bieterverfahrens seien Angebote von 10,5 Millionen, 10,9 Millionen und eben 12 Millionen Euro abgegeben worden, heißt es im Urteil. Nun liegen 12 Millionen zwar deutlich über dem gerichtlich bestellten Gutachten, doch dies ist laut Urteil vertretbar.

Erben gewinnen Prozess - wollen aber nicht von Sieg sprechen

Das bedeutet: Die Erbengemeinschaft kann nun verkaufen. Endlich, nach zwei Jahren. Von einem Sieg zu sprechen, sei unangebracht, sagt der Sprecher der Erben. „Ich fühle mich nicht als Gewinner“, sagt er. „Ich lebe auch in diesem Staat“ und es sei bedauerlich, dass die Sache erst vor Gericht entschieden worden sei. „Es hätte nicht dazu kommen müssen.“ Doch letztlich sei den Erben nichts anderes übrig geblieben, als zu klagen. Denn für 5,3 Millionen habe man nicht verkaufen wollen.

Was die Erbengemeinschaft immer noch verstört: Der Freistaat habe sich gar nicht erst auf Verhandlungen einlassen wollen, sagt ihr Sprecher. „Wir hätten das Ganze vor zwei Jahren regulär und ohne großes Aufsehen zu einem glücklichen Ende führen können.“ So blieben der Zeitverlust und die Kosten, auf denen der Freistaat sitzen bleibe.

Wie hoch die Prozesskosten sind, ist unklar. Vermutlich liegen sie im sechsstelligen Bereich.

Nicht nachvollziehen kann der Sprecher der Erbengemeinschaft die Argumentation des Gerichts, dass das Areal durchaus als freie Natur zu werten sei. „Es handelt sich um eine eingezäunte Wiese mit Baurecht.“

Das Grundstück ist aktuell nur mit einer Hütte und einem Steg ins Wasser bebaut. Der Käufer kann dank des dort gültigen Bebauungsplans „Leoni – Seeufer König Ludwig“ ein Gebäude mit 200 Quadratmeter Grundfläche und mindestens zwei Vollgeschossen errichten.

Eine Visualisierung zeigt erstmals, wie der neue Dampfer für die Starnberger-See-Flotte aussehen wird.  Für Fahrgäste bringt das neue Schiff einige Neuerungen.

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