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Obstbaumwart Ralf Maier zeigt einen blühenden Apfelbaum: Nicht nur er macht sich aufgrund des Frosts derzeit Sorgen um die Ernte. Schon im vorigen Jahr war der Ertrag regelrecht eingebrochen.

Wetter

Äpfel und Birnen in Gefahr

Bange verfolgen die Obst- und Gartenbauvereine im Landkreis Starnberg in diesen Tagen den Wetterbericht. Er sagt für die Nächte Frost voraus. Wird er streng, sind vor allem Apfel- und Birnenernten der Streuobstwiesen bedroht.

Landkreis– Obstbaumwart Ralf Maier (71) aus Berg erinnert sich mit Grausen an den späten Wintereinbruch des vergangenen Jahres. Wie anderen Gartenbauvereinen auch, bescherte der Frost den Bergern einen massiven Ernteausfall. Minusgrade Ende April/Anfang Mai rafften damals die Obstblüten dahin, das traurige Ergebnis konnten Maier und seine Kollegen im Herbst an der Obstpresse ablesen: „Normalerweise machen wir 16 000 bis 18 000 Liter Saft, vergangenes Jahr waren es nur 6600“, beschreibt er den massiven Verlust.

Ähnliches Unheil könnte in dieser Woche seinen Lauf nehmen. Bei den für Donnerstag und Freitag angekündigten Nachttemperaturen von minus 4 bis minus 6 Grad seien vor allem Äpfel und Birnen in Gefahr, weiß Maier, der im Kreisverband für Gartenbau und Landespflege dem Arbeitskreis Obst vorsteht und sich um die Streuobstwiesen in Farchach und Machtfling kümmert.

Die Obstbäume seien heuer aufgrund des schönen März mit der Blüte 14 Tage früher dran als gewöhnlich, sagt Maier. Für Zwetschgen und Kirschen kann er deshalb auch Entwarnung geben. Sie seien schon am verblühen. „Und die Bienen haben sie auch schon bestäubt“, erklärt Maier. Diesem Obst kann der Frost somit nichts mehr anhaben. Äpfel und Birnen könnten dagegen erhebliche Probleme bekommen. „40 Prozent der Apfelbäume blühen“, berichtet der 71-jährige Experte. Bei den übrigen seien die Knospen noch nicht aufgegangen, auch sie sind somit etwas besser vor dem Frost geschützt.

„Ab minus fünf Grad wird es kritisch“

Ursula Lechner, Geschäftsführerin des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege, sorgt sich derweil ebenfalls ums Obst. „Ab minus 5 bis minus 6 Grad wird es kritisch, dann haben wir eine Missernte“, warnt sie. Lechner selbst hat schon überlegt, ihren Apfelbaum im Garten einzupacken. Doch dann könnte sich wiederum auf der Verpackung Schnee anhäufen und Äste abbrechen. Letztlich bleibe auch ihr nichts anderes übrig als abzuwarten, bedauert sie. Gleiches gelte für die Streuobstwiesen der Vereine in Farchach, Machtlfing, Wörthsee, Gilching und Breitbrunn.

So sieht es auch Obstexperte Maier. Einen Aufwand, wie ihn große Betriebe am Bodensee oder in Südtirol bei Frosteinbrüchen betreiben, hält er im Landkreis für nicht umsetzbar. Die ganze Nacht über müssten die Blüten mit Wasser besprüht werden. Der Eispanzer, der sich dann um sie bildet, schützt vor der Kälte. Entsprechende Anlagen gibt es im Landkreis aber nicht, und die Feuerwehren will Maier dafür auch nicht bemühen.

So bleibt den insgesamt 4430 Mitgliedern der landkreisweit 25 Gartenbauvereine nichts anderes übrig, als weiter zu bangen und zu hoffen. „Man muss sich auf die Natur verlassen“, macht ihnen Maier Mut.

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