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Ein Tier aus Fleisch und Blut, viele Kunsttiere und vier Künstlerinnen: Ilka Leukefeld mit Lucie Plaschka, Petruschka Thomas und Marlies Beth (v.l.) vom Kunstverein Berg. 

Bergennale

Gegenpol mit pinkem Mops

Die Bergennale bringt internationale und einheimische Künstler zusammen. 46 Kunstschaffende nehmen an der Ausstellung teil, die bis 22. April im Berger Marstall läuft.

Berg – Eine Axt. Das älteste Werkzeug der Menschheit. Diese hier aber, so wie sie griffbereit neben der Eingangstür liegt, taugt weder zum Spalten noch zum Schnitzen. Ihr Griff ist aus Stahl, die Klinge aus Holz. Sebastian Wanke hat den simplen Umkehrschluss zum herausfordernden Motto der diesjährigen Bergennale gewagt. Das lautete „Gegenpol“ und sollte wohl anregen, eine Position zu beziehen, wozu auch immer.

Die Idee, in Berg internationale und einheimische Künstler zusammenzubringen, stammt von dem inzwischen verstorbenen Künstler Andreas Rumland. Zur Realisierung gab es eine Ausschreibung, es wurde eine Jury berufen, die mit dem Präsidenten der Akademie der bildenden Künste, Professor Dieter Rehm, der Kunsthistorikerin Anna Wondrak und Susanne Flesche, Direktorin des Institutes for Exhibition Partnership sehr prominent besetzt war. 200 Bewerbungen gingen ein, 46 Künstler konnten an der Ausstellung teilnehmen.

Ein Jahr lang waren Marlies Beth, Lucie Plaschka und Petruschka Thomas vom Berger Kulturverein mit den Vorbereitungen dieses Kunstereignisses beschäftigt. Sie planten minutiös anhand eines Modells des Berger Marstalls, das noch Andreas Rumland maßstabgetreu nachgebaut hatte, die Hängung. Es wurden neue Lampen angeschafft, die alles ins rechte Licht rücken.

Die Schau ist eröffnet, das kunstbegeisterte Publikum gefordert. Die Vielfalt wird es der unabhängigen Jury schwer machen, einen Preisträger zu bestimmen. Vergeben wird der mit 1000 Euro dotierte Jurypreis zur Finissage am Sonntag, 22. April, um 19 Uhr. Der Publikumspreis ist ein pinker Mops.

Ins Auge sticht die Installation „Normalitätsbias“ von Ilka Leukefeld aus London. Die Gesellschaft stehe in einer Art Schockstarre, findet die Künstlerin, sie könne nicht mehr auf Weltereignisse reagieren. Ihr Beitrag sind acht Tierfiguren, aus Mülltüten zusammengebunden. Sie hängen wie schwarze Wolken unter der Decke, sind bestückt mit neonfarbigen Leinen, an denen ein Gummihandschuh oder eine Klopapierrolle auf menschliche Wesen als Tierhalter hinweisen.

Bei den Fotos überzeugt Katja Gehrung mit ihrer Bildsprache. Zum Thema „Massentierhaltung“ setzt sie einen Frauenakt mit Tiermaske in Szene, der in freier Natur aufgenommen wurde, die Lastwagenspuren im Hintergrund führen in Aussichtslosigkeit.

Schafskulpturen in Originalgröße von Nelly Schmücking hinterfragen die Gültigkeit der ländliche Idylle, Hong Yun He zeichnet Schafporträts mit blödem Schafblick auf Sperrholzplatten.

Man kann aber auch Gegenpole künstlerischer Positionen zum Thema machen wie Monika Buchen. Sie bringt Konstruktivismus und gestische Malerei zusammen. Hedwig Katzenberger oder Ulla Ströhmann zeigen dazu Monochromes. Fotos, Objekte, Malerei, Skulpturen aus Holz, Glas, Metall, dazu auch Handarbeiten. Es wird gehäkelt und gestrickt, mal mit Draht, mal mit Wolle oder aber mit dem Stift, wie bei John Schmitz, der Linien auf Papier kringelt.

Ob man den Gegenpol erreicht, wenn man kopfüber ins Wasser taucht? Bei Ina Kohlschowski steckt ein seilspringendes Mädchen kopfüber im Wasser. Ein schönes Bild für die Aufforderung, in die Bergennale einzutauchen.

Die Ausstellung läuft bis 22. April im Marstall, Mühlgasse 7, in Berg. Geöffnet ist sie von Donnerstag bis Samstag, 14 bis 19 Uhr, und Sonntag, 11 bis 19 Uhr.

Astrid Amelungse-Kurth

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