Schauen, wie es läuft: Landrat Karl Roth (l.) und Bergs Bürgermeister Rupert Monn standen am Freitag bei der Zeltbesichtigung Rede und Antwort. Antworten auf wichtige Fragen zum Asyl hat der Kreis auf www.lk-starnberg.de/asyl zusammengestellt – auch zu den einzelnen Orten wie Berg. Foto: SvJ

Asylbewerber ziehen am Donnerstag ein

Berg - Werden die Zelte den Schnee aushalten? Reicht der Platz an den Waschbecken aus? Sind die Mülleimer ausreichend? Und wieso stehen da Miele-Waschmaschinen? Diese Fragen beschäftigten die Besucher des Zeltdorfs in Berg. Der Großteil war positiv gestimmt.

Acht Schlafzelte für je 14 Personen mit Stockbetten und einem Spind pro Kopf, zwei Waschzelte, zwei Aufenthaltszelte und ein Kochzelt mit Herdplatten und Abwaschmöglichkeit. Dazu ein Container mit Waschmaschinen und Trockner. Das ist das neue Zuhause für 112 Asylbewerber. Wenn am Donnerstag die ersten 38 nach Berg kommen, ist noch nicht alles fertig. Der Landkreis will noch einen U-förmigen Flur errichten, um Schlaf- und Waschzelte miteinander zu verbinden. „Damit es einen geschützten Weg zur Toilette gibt“, sagte Kreisbaumeister Christian Kühnel am Freitag vor der öffentlichen Besichtigung der Anlage am Huberfeld. Der Flur, der als Zimmermannskonstruktion aus Holz und Zeltbahnen bestehen wird, solle auch die Wärme in den Zelten besser halten. Nach einer Woche müssen die ersten Asylbewerber dann umziehen, damit auf der anderen Seite das U vollendet werden kann.

Das ist der große Unterschied zwischen dem Zelt in Tutzing und den Zelten in Berg: Berg ist ein ganzes Dorf, Tutzing dagegen aus einem Guss. Die Organisation ist sehr ähnlich: Die Sicherheitsfirma Jonas Better Place ist Tag und Nacht vor Ort, ein Reinigungsservice putzt zwölf Stunden am Tag Koch- und Waschzelte, und die Sozialpädagogen vom Landratsamt stehen auch als Ansprechpartner zur Verfügung. Bedenken wegen des bevorstehenden Winters gab es am Freitag nur bei den Bürgern, die das Zeltdorf besichtigten. Laut Kühnel haben Bundeswehrsoldaten in solchen Zelten monatelang in Nordnorwegen gewohnt und nicht gefroren. „Dann wird das in Berg auch klappen“, war er zuversichtlich. Geheizt wird mit Dieselaggregaten, deren Zuleitungen, so das Versprechen des Herstellers, nicht einfrieren.

Provisorium für zwei Jahre

Die Asylbewerber, die ab Donnerstag kommen, bleiben in Berg, bis ihr Antrag entschieden ist. Landrat Karl Roth versicherte auf Nachfrage von Rathauschef Rupert Monn noch einmal, dass das Berger Zeltdorf als Provisorium auf zwei Jahre gedacht ist. „Dann haben wir mit dem Areal andere Pläne“, sagte Monn. Roth hofft, dass die Container für Flüchtlinge bis dahin stehen.

Rund 300 Bürger kamen am Freitag, um die Zelte zu besichtigen. „Ob die Zeltdächer den Schnee aushalten?“, fragte sich Gabriele Butenfocke aus Berg. Ihr gefiel, dass die Flüchtlinge selber kochen können. Hildegard Fuhlbrügge aus Aufkirchen fiel sofort auf, dass Waschmaschinen und Trockner von Miele sind. „Das war im Paket enthalten“, erklärte Sabine Neumann von der Abteilung Asyl im Landratsamt. Irmhild von Söhnen versicherte, auf die Neuankömmlinge absolut positiv eingestellt zu sein. „Man muss ihnen klarmachen, dass bei uns das Grundgesetz über der Bibel und über dem Koran stehen“, regte sie an.

Für Käthe Bergmann vom Wohnzentrum Etztal gegenüber gibt es keine Alternative, als den Flüchtlingen zu helfen. „Da kann man nicht viel machen. Wir sind 1945 von Schlesien gekommen und waren froh um eine Unterkunft.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Alles auf Anfang im Seefelder Jugendhaus
Die Wände sind geweißelt, alles ist aufgeräumt: Das Seefelder Jugendhaus ist aus seinem fast zweijährigen Dornröschenschlaf erwacht. Alles auf Anfang, lautet die Devise. …
Alles auf Anfang im Seefelder Jugendhaus
Midgardhaus: Wirt Fritz Häring hört auf
Das Tutzinger Midgardhaus steht vor Veränderungen. Die Wirtsleute Marlies und Fritz Häring wollen sich in absehbarer Zeit zurückziehen. Verhandlungen über die Nachfolge …
Midgardhaus: Wirt Fritz Häring hört auf
Dießener Geräusche als Kunstwerke
Klingendes und Visuelles verbindet ein Klangprojekt in Dießen. 
Dießener Geräusche als Kunstwerke
„Ein bisserl mehr Pippi tut gut“
Beim Sommerkonzert des Starnberger Gymnasiums ist nicht nur der Filmmusik-Klassiker als bairische Tanzlmusi der Hit.  
„Ein bisserl mehr Pippi tut gut“

Kommentare