"Bewährungsversager" wandert in den Knast

Seefeld - Als „gewalttätigen Überfall“ bezeichnete die Amtsrichterin das, was sich im Juni in Seefeld abgespielt hatte und einen 38-Jährigen für eineinhalb Jahre ins Gefängnis bringen wird.

Der seit April in offener Bewährung stehende, arbeitslose Mann hatte betrunken bei einem Freund an der Wohnungstür geklingelt und war mit dem gleichfalls alkoholisierten Hausherrn gleich an der Türschwelle in Streit geraten. Den „Freund“ (36) hatte er nach Aussage eines Besuch weilenden 16-Jährigen sofort derart geschubst, dass dieser rückwärts in die Wohnung taumelte. Nach kurzem Wortwechsel sei der Eindringling dann weiter auf den Lageristen los gegangen und habe ihm das Knie ins Gesicht gerammt: „Ich hatte große Angst und habe die Wohnung gleich verlassen“, berichtete der Zeuge. Der Attackierte habe sich „überhaupt nicht gewehrt“ - offenbar auch nicht gegen die immer brutaler werdenden Übergriffe, die die ebenfalls anwesenden Lebensgefährtin (31) des Opfers schilderte. Sie habe mit ansehen müssen wie der Angreifer ihrem Partner erst einen Fausthieb versetzte, ihn dann an den Haaren riss, eine Zigarette im Gesicht ausdrückte und ihm noch mit einem Gürtel androhte, ihn aufzuhängen. Das Gericht war fassungslos und gab den Hinweis, dass die Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung auf gefährliche Körperverletzung auszudehnen sei.

Der Angeklagte meinte zunächst damit durchzukommen, dass er sich nicht mehr erinnern könne. Doch nach den Zeugenaussagen und einer Unterredung mit seiner Anwältin räumte er alles ein, beharrte aber darauf, dass das Opfer sein „langjähriger Freund“ sei. „Er hat immer noch Angst vor dem“, bestätigte die Freundin des Lageristen. Der musste letztlich aussagen und versuchte, alles herunter zu spielen: „Ich war doch nur zum Entzug in der Klinik. Man schlägt sich, man verträgt sich - ich bin doch das blühende Leben!“, so das Opfer. Das Gericht, zog seine eigenen Schlüsse: Ein Jahr, sechs Monate ohne Bewährung für den 38-Jährigen, der nur zweieinhalb Monate nach seiner letzten Verurteilung straffällig geworden war: „Bei Ihnen ist kein Land in Sicht - Sie sind ein Bewährungsversager", bescheinigte ihm Richterin Conrad.

Auch interessant

Kommentare