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Jakob Seemüller in seinem Kuhstall.

Neujahrskonzert

Die Kühe, die Böller und die Bläser

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Pöcking - Seit einem halben Jahrhundert Tradition, bekommt das Neujahrsanspielen der Pöckinger Blaskapelle seit vergangenem Jahr lautstarke Unterstützung. Das gefällt nicht jedem.

Jakob Seemüller ist Bauer aus Leidenschaft. „Schon immer“ habe er Tiere gehalten, sagt er. Mitten in Pöcking, direkt an der Hauptstraße, liegt sein Gehöft. In Hörweite der Gemeindebücherei. Und genau das ist das Problem. Denn dort plant die Blaskapelle Pöcking am Neujahrstag um 11 Uhr ihr traditionelles Neujahrsblasen. Auch wenn die 55 Musiker dabei ordentlich auf die Pauke hauen – für die Kühe sei das kein Problem, sagt Seemüller. Aber dass sich seit vergangenem Jahr die Böllerschützen zu den Blasmusikanten gesellen, das stört Bauer Seemüller gewaltig. „Der Krach macht die Tiere verrückt. Und nicht nur meine“, schimpft er.

Auch die anderen Tierhalter in der Nachbarschaft würden sich beklagen. Rudolf Eberl zum Beispiel hat fünf Stück Jungvieh im Stall und stimmt Seemüller zu: „Das war wirklich laut letztes Jahr“, erinnert er sich. Und fragt: „Warum kann die Veranstaltung nicht an einem anderen Ort – etwa dem Kriegerdenkmal am Friedhof – stattfinden? Da stört es doch keinen.“ Auch Seemüller plädiert für eine räumliche Verlegung des Konzerts: „Der Sportplatz wäre geeignet.“ Doch da wohnen in direkter Nachbarschaft die Flüchtlinge. 

Die beiden anderen betroffenen Viehhalter mochten sich nicht öffentlich dazu äußern, meinten aber, dass die Knallerei an Silvester wohl stressiger für die Tiere sei. Martin Engesser, Chef der Blaskapelle, kommt selbst aus der Landwirtschaft und hat Verständnis für den Unmut Seemüllers: „Die Böllerschüsse sind schon laut.“ Eine Verlegung der Traditionsveranstaltung kann er sich allerdings nicht vorstellen. Zudem sieht er die Gemeinde in der Verantwortung: „Wir haben die Böllerschützen im vergangenen Jahr nicht eingeladen – die waren auf einmal da.“ Darum müsse sich die Verwaltung gekümmert haben, vermutet Engesser.

 Ursprünglich habe das Neujahrskonzert der Blaskapelle, das „mindestens seit 50 Jahren“ stattfindet, vor dem Haus des Bürgermeisters seinen Platz gehabt. Erst später sei die Idee aufgekommen, auf den Platz vor der Bibliothek zu ziehen, damit „der ganze Ort etwas davon hat.“ Und dabei wird es auch bleiben, sagte gestern Bürgermeister Rainer Schnitzler, der eigentlich im Urlaub ist: „Viele Pöckinger haben sich in den vergangenen Jahren an der Veranstaltung erfreut – daher werden wir sie nicht aus dem Zentrum an den Ortsrand verbannen.“

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