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Mathias Lottes in seiner kleinen Kellerbrauerei. Mit diesem kleinen kupfernen Braukessel fing alles an. Er fasst gerade mal 20 Liter und wird heute noch zum Experimentieren verwendet.

Brauereien im Landkreis (1)

Braukraft Geisenbrunn: Mit Hopfen, Malz und Leidenschaft

Landkreis - Bayern ist ein Bierland. Und natürlich gibt es auch im Lesebereich unserer Heimatzeitung eine Reihe von größeren und kleinen Brauereien. Was liegt da näher, als Ihnen anlässlich der 500 Jahrfeier des Bayerischen Reinheitsgebots von 1516 die ambitionierten Menschen vorzustellen, die hier in der Region Bier aus Leidenschaft brauen.

Geisenbrunn – Klein ist sie, die Brauerei Braukraft in Geisenbrunn bei Gilching. Klein, aber fein. Untergebracht im Keller des Privathauses von Mathias Lottes, seines Zeichen zunächst hobbymäßiger Brauer, seit 2013 nebenberuflicher Bierproduzent mit großer Leidenschaft für gutes Bier. Lottes setzt bei seinen „Craft-Beers“ auf handwerkliches Können, Erfindungsreichtum, beste Zutaten – teilweise biozertifiziert – und vor allem auf seinen Spaß am Brauen.

Dabei bedient er sich – mit einer Ausnahme (Choco-Lata) – lediglich Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, den Zutaten für klassisch-reine Biere. Inspiriert, eigenes Bier zu brauen, wurde Mathias Lottes durch seine Erfahrung, dass die deutsche Biervielfalt sehr klein im Vergleich zum Ausland ist. „Irgendwie schmeckte alles gleich“, sagt er. Und brachte von seinen Reisen aus den USA und der ganzen Welt Bierproben mit. „Das können wir doch auch“, dachte er sich und fing an auszuprobieren.

Zunächst in einem 20 Liter-Kupferkessel, der noch heute im Keller steht und für experimentelle Sude auch weiterhin im Einsatz ist. So wurde die Grundidee für Braukraft geboren, „und das Ganze hat sich dann irgendwie verselbstständigt“, berichtet er stolz. Tester und Kritiker seiner Bierkreationen sind anfangs seine Frau, Freunde und Bekannte, inzwischen helfen ihm bei Entscheidungen auch die sozialen Medien und Verkostungen auf Veranstaltungen. Das Feedback hilft ihm weiter, „ich rede gerne über die Rezepte meiner Biere“.

Gebraut wird derzeit noch im Keller, schon unten an der Treppe liegt der typische Brauereiduft nach Hefe in der Luft. Pro Sudgang braut Lottes jeweils 150 bis 200 Liter und macht das etwa zweimal pro Woche. „Möglich wäre es, jeden Tag zu brauen, verkaufen ließe sich das Bier problemlos, aber dazu habe ich keine Lust“, so sein Kommentar. Man merkt Mathias Lottes an, dass er das Brauen nicht unbedingt „bier-ernst“ nimmt, dass es ihm einfach Spaß macht und die regelmäßige Produktion größerer Mengen (noch) nicht im Vordergrund steht. „Wir sind sehr privilegiert und haben viel Glück. Ich kann mir durch meinen Hauptberuf erlauben, nur zu brauen, wenn ich Lust dazu habe. Wenn ich lieber mit meinen Kindern spielen will, gehe ich halt nicht in den Keller, um zu brauen. Das ist ein großer Luxus“, sagt er.

Sieben Sorten mit kreativen Namen

So kommt es, dass nicht immer alle seine sieben Biersorten zur Verfügung stehen. Das wird sich aber wohl ändern, wenn Braukraft in wenigen Monaten in die alte Brennerei im nahegelegenen Argelsried umzieht und sich entsprechend vergrößert (wir berichteten). „Dann können sich im Sommer die Radler und Wanderer auch direkt vor Ort an einer frischen Halben laben“, verrät er.

Der große handwerkliche Einsatz soll jedoch erhalten bleiben, ein Industriebier wird‘s nicht. Den Spaßfaktor merkt man auch den Biernamen und Etiketten an. So gibt es beispielsweise Wai-Zen, P.Orter oder Max-Q, dahinter verbergen sich Weißbier, Ale und ein sehr kräftiges India Pale Ale. Das sind nur drei der insgesamt sieben derzeitig auf dem Markt befindlichen Bierkreationen von Mathias Lottes. Und eine augenzwinkernde Geschichte gibt es natürlich auch zu jedem Bier, abgedruckt auf der Etikettenrückseite und als Gesprächs-anregung gedacht.

„Ich möchte, dass die Leute über das Bier reden, das sie trinken“, erläutert Lottes schmunzelnd. Der ehemalige Hobbybrauer, zwischenzeitlich zum Bier-Sommelier ausgebildet, experimentiert immer noch gerne, spielt mit Bitter- und Aromahopfen sowie Hefen, um seinen Bieren einen ganz eigenen Charakter zu geben.

Rezepte für neue Biere entwickelt er gerne zusammen mit seiner Frau. „Von acht Probebieren bleibt vielleicht eine neue Bierkreation übrig“, beschreibt er sein Tun. „Spannend wird es durch den Hopfen. Will ich ein Zitronenaroma oder ein Bier, das nach Banane schmeckt, oder ein kräftiges und bitteres Aroma, das lässt sich alles steuern“. Und richtig stolz ist er auch auf sein „Choco-Lata“, eine cremig-weiche Bierkreation, der Kakaobohnen aus Ghana den runden Geschmack verleihen. Das steht zwar so nicht im Reinheitsgebot, aber Kreativität kennt ja bekanntlich keine Grenzen.

Von Eva-Maria Schröder

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