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An der Wanderung durch Breitbrunner Fluren nahmen heuer rund 60 Menschen teil, um an Marterln, Kreuzen und wie hier am Grenzstein von Hans-Ulrich Greimel (im Vordergrund) Hintergründe zu erfahren. 

Wanderung

Zuhören, erinnern und innehalten

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Kapellenbauverein Breitbrunn unterwegs mit Breitbrunner durch Wald und Flur und mit vielen Geschichten.

Breitbrunn – Nachdem die erste Wanderung durch Wald und Flur Breitbrunns im Sommer vergangenen Jahres eine hohe Beteiligung erfahren hatte und sich der Kapellenbauverein um noch viel mehr Wegekreuze sorgt, als erreicht wurden, hatte Vorsitzender Hans-Ulrich Greimel schon nach dem ersten Spaziergang eine Fortsetzung im Kopf. Diese fand am Sonntag statt. Und wieder waren es viele Breitbrunner, aber auch Herrschinger, die sich ihm anschlossen, zuhörten, innehielten, sangen und unterwegs auch gemeinsam in Erinnerungen kramten.

Diesmal ging es über Ellwang nach Wasach und wieder zurück. Vorbei an Feldkreuzen, Marterln und Grenzsteinen, die – jedes für sich – viel erzählen. Angefangen am Mitzhof, dem ersten Aussiedlerhof in Breitbrunn. Und immer noch lebe eine Mitz in dem Haus, Barbara Hübler, sagte Greimel. Sie hatte sich damals nicht lange von Hermann Breitenberger überreden lassen müssen, das Marterl auf ihrem Hof aufzustellen, als dieser den Korpus des Feldkreuzes vor einigen Jahren am Wegesrand liegend fand. „Wir haben ’nen Zettel rein“, erzählte er gestern. Als sich keiner rührte, suchte er nach einem neuen Platz und fand ihn am Mitzhof.

Am nächsten Kreuz, auf dem Weg nach Ellwang, hatte Greimel schon im Vorjahr Halt gemacht. Es ist nur eines von mehreren Kreuzen, das der Arzt Dr. Hugo Kroth stiftete. Sein Sohn Erich war gestern dabei.

Als Greimel weiter auf dem Weg, vorbei an Zeitlosen, im Dickicht eines abgeholzten Teil des Waldes auf einen alten Grenzstein aufmerksam machte, hörte Bürgermeister Christian Schiller aufmerksam zu: „Den kannte ich nicht. Super interessant.“ Dass ist eine Markierung aus der Zeit Ende des 18. Jahrhunderts, als Ellwang und Breitbrunn noch Siedlungen waren ohne gemeindliche Rechte, erklärte Greimel. Um diesen Stein zu finden, muss man jedoch genau wissen, wo er aus dem Boden sticht.

Am Feld-Hof-Kreuz von Ellwang stießen weitere Wanderer wie Franz Jäger aus Rausch zur Wandergruppe. Jäger und Schiller – beide im Besitz eines Kutscherscheins – erinnerten sich daran, als Schiller genau auf diesem Weg die Pferde durchgegangen waren. Das ist lange her, beide saßen schon ewig nicht mehr auf einem Kutschbock. Aber wie den beiden, geht es auch den anderen Teilnehmern: Es kommen Erinnerungen hoch. Zum Beispiel daran, wie die Älteren als Kind auf dem Ellwanger Weiher Schlittschuh gelaufen wurde. „Er war immer der erste, der Eis hatte. Wahrscheinlich heute noch“, vermutete Greimel.

So einige Wanderer waren auch dabei, als 1962 in Wasach der Priester Adolf Schill Primiz feierte. Die Einöde nahe bei Hechendorf hat für viele Breitbrunner eine besondere Geschichte. Zwei Töchter der Lachners heirateten nach Breitbrunn. Eine ist Großmutter sowohl von Herbert und Hermann Breitenberger als auch Hans-Ulrich Greimel sowie von Jakob Schrafstetter. Alle vier sind bis heute eng verbunden. Und wenn der „Burschi“, wie sie Greimel bis heute nennen, ruft, dann sind sie gerne dabei. Dessen Einladung gefolgt sind in diesem Jahr auch wieder Professor Georg Denzler und der Breitbrunner Chor. Der 89-jährige Theologe sprach jeweils begleitende Worte an den Stationen, die wiederum jeweils stimmungsvoll ausklangen mit einem Chor-Beitrag. „Und weil’s den Fonsi nicht mehr gibt und die Wirtschaft noch nicht offen hat“, so Greimel, hatte er diesmal in Wasach Tische und Bänke organisiert, an denen vor dem Rückweg am Mittag Zeit blieb für eine Brotzeit. Dort, wo es vor mehr als 100 Jahren auch schon eine „Brotzeitstelle“ gab.

Das Waldkreuz von Ellwang:

Das Waldkreuz zwischen Ellwang und Schlagenhofen wurde erst spät an den Weg versetzt. Möglicherweise ist es ein Sühnekreuz, so Greimel, denn im Wald wurde im 18. Jahrhundert ein Hechendorfer Pfarrer von Bauern erschlagen. Bis sich der Kapellenbauverein des Kreuzes annahm, wurde es auch von Hechendorfern geschmückt. Heimatforscher Robert Volkmann kennt Überlieferungen, nach denen die Tat am Vormittag eines Heiligabends geschah. Aktenbestände, die einen Prozess belegten, sind aber bislang nicht aufgetaucht.

Menschenauflauf im Wald:

„Wohl noch nie hat das einsame Forsthaus Wasach ... so viele Menschen gesehen, wie am Sonntag zur Primiz des spätberufenen Neupriesters Adolf Schill. Die einst so stillen Waldwege waren voll von Fußgängern, Radfahrern und Autos. Eine Sonderverkehrsregelung hielt den Ansturm unter Kontrolle ... Schätzungsweise waren es viertausend Menschen“, heißt es 1962 im Lokalteil des Münchner Merkur. Das Forsthaus gibt es nicht mehr, heute stehen dort Wirtschaftsgebäude des Grafen Toerring Jettenbach, dem der Grund gehört.

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