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Die Bridgefreunde weichen momentan von Inning in die Finanzhochschule nach Herrsching aus. An diesem Tisch spielen Helga Nowack (v.l.), Birgit Grobholz, Sigrid Berg und Vesta Christine Metzger. Im Idealfall sind insgesamt 15 Tische mit jeweils vier Spielern besetzt. 

Vereinsleben

Bridge Club sucht neue Bleibe

Es ist wie verhext. Im Haus der Vereine ist kein Platz mehr und im Gasthof Zur Post auch nicht, sagt Vesta Christine Metzger. Der Bridge Club Inning ist schon seit mehreren Wochen heimatlos und sucht vergeblich eine neue Bleibe. „Wenn wir nichts finden, droht uns das Aus“, befürchtet die Vorsitzende.

Inning/Herrsching – Den Club gibt es schon seit über 20 Jahren. Jeden Montag von 14 bis 18 Uhr kommen um die 40 bis 60 Damen und Herren, das sind etwa die Hälfte der Mitglieder, zusammen. „Bridge ist eine Ablenkung von schweren Zeiten, und man ist immer in Gemeinschaft“, schwärmt die 72-Jährige. „Und die Hirnzellen werden angeregt.“ Sie selbst spielt seit über 30 Jahren begeistert Bridge, das englische Kartenspiel, bei dem es nicht um Glück, sondern in erster Linie um taktisches Geschick und Wahrscheinlichkeiten geht. Als Managerin hat sie die Welt bereist und erzählt: „Bridge wird überall gespielt.“ Sogar 1912 auf der Titanic. Die Anekdote besagt, dass erst die eisigen Fluten das Turnier beendeten.

Bis 2010 trafen sich die Kartenspieler im Haus der Vereine in Inning. Dann wechselten die Pächter und dem neuen Wirt wurde die große Runde zu viel. „So ein kleiner Pächter für so ein großes Haus, das geht gar nicht“, findet sie. Aber die Gemeinde ist zufrieden mit dem neuen Wirt und könne in der Sache nicht einlenken, so Metzger.

Bis Anfang März versammelte sich der Bridge Club fortan im Gasthof zur Post. Aber auch dort musste er raus. Hier hatte es ebenfalls einen Pächterwechsel gegeben. Und die neuen Betreiber empfangen montags Bustouristen, die zum Mittagstisch dort einkehren. Das verstehe sie, gibt Vesta Christine Metzger zu. „Wir geben höchstens zehn Euro pro Person für Getränke und Kaffee aus“, schätzt die erste Vorsitzende. Das entlohnt nur bedingt für die Unkosten: Heizung, Servicekräfte, Auf- und Abbau. Außerdem wechseln die Bridge-Spieler Tische. Jeweils ein Paar wandert im Uhrzeigersinn weiter. So spielt jeder gegen jeden. „Das erschwert der Bedienung das Abkassieren der Getränke“, bedauert Anke Schönheit, seit Dezember Pächterin des Gasthofs zur Post. „Der Aufwand rechnet sich nicht“, fügt sie hinzu.

Die logische Folge ist, dass der Club immer wieder anderen, willkommeneren Gästen Platz machen muss – keine Optimallösung. „Wir brauchen einen Raum, in dem 15 Tische Platz haben. Am besten wäre eine Villa, die nicht mehr gebraucht wird. Mit kleiner Küche und Kaffeemaschine“, fasst Metzger zusammen.

Im Moment treffen sich die Inninger Kartenspieler in der Fachhochschule für Finanzen in Herrsching. Die Räumlichkeiten sind aber alles andere als ideal. „Es gibt keine Parkplätze, und der Raum ist unbeheizt“, beklagt Christian Tumpach (59), seit 2010 Finanzvorstand des Vereins. Auch die Anfahrt nach Herrsching schrecke einige Mitglieder ab. Diese kommen nicht nur aus dem Landkreis, sondern auch aus München, Fürstenfeldbruck oder Dießen. Manchmal sind sogar Urlaubsgäste dabei. Das ständige Hin und Her und jetzt die Übergangslösung Herrsching haben bereits dazu geführt, dass vier Mitglieder, also ein ganzer Bridge Tisch, ausgetreten sind. Dabei sei Bridge „wahnsinnig spannend“. Spielziel ist, anhand des eigenen Blatts vorherzusagen, wie viele Stiche man in der etwa zehnminütigen Runde machen wird – am besten möglichst viele. Dabei geht es in Inning um die Ehre und um Club-Punkte.

Dreimal im Jahr, an Weihnachten, im Sommer und zum Fasching, veranstaltet der Bridge Club Inning ein großes Fest. Es wird auf Kosten des Vereins gespeist, getrunken und gespielt – die Suche nach einem Gasthof sollte in dem Fall kein Problem sein. Immerhin ein kleiner Lichtblick.

Lena Grögor

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