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Die Albers-Villa im ganz großen Kontext

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Stellten das neue Buch über die Albers-Villa und die Parklandschaft am Westufer vor: Stefanie Knittl, Lucie Vorlickova und Autorin Doris Fuchsberger (v.l.).
Stellten das neue Buch über die Albers-Villa und die Parklandschaft am Westufer vor: Stefanie Knittl, Lucie Vorlickova und Autorin Doris Fuchsberger (v.l.). © Dadmar Rutt

Mit einem Sonderdruck des neuen Buchs „Große Freiheit am Starnberger See? Die Hans-Albers-Villa in historischer Parklandschaft“ machen die Drahtzieher der Petition „Albers für alle“ nun Druck.

Garatshausen – Das Buch „Große Freiheit am Starnberger See?“, das die Petentinnen Lucie Vorlíçková und Stefanie Knittl zusammen mit der Autorin Doris Fuchsberger am Samstag in Garatshausen vorstellten, könnte das beste Argument für die Petitionsziele sein, die Albers-Villa und das Grundstück in Garatshausen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Buch erklärt den Charme des ganzen Westufers des Starnberger Sees, fokussiert dabei die Rolle des Anwesens und lässt auch schwierige politische Jahre nicht aus.

Parallel dazu ist auf der Internetseite www.albersfueralle.de nun eine „Chronologie der unerfüllten Willenserklärungen seit 1975“ online: Dort wird die lange Geschichte des Ringens um eine öffentliche Nutzung des Areals anhand von Dokumenten aus dem Archiv des Bayerischen Landtags aufbereitet, die auch zurückblickt auf die vorausgehenden Petitionen und Wünsche anderer Vereine. Ebenso ist ein „Tagebuch zur Petition“ einzusehen, das das Bestreben von Vorlickova und Knittl bündelt. Sie argumentieren, die Öffnung des Anwesens für Erholungszwecke gemäß der Bayerischen Verfassung (Artikel 141,3) sei 1971 beim Ankauf durch den Freistaat bestätigt worden und habe zum Erlass der Grunderwerbsteuer geführt (wir berichteten). Die zweite Petition zweifelt den Eigenbedarf an, den die Staatsregierung anmeldete, um ein Elitehaus der Technischen Universität München (TUM) zu verwirklichen. Im Gegensatz zur TUM schwebt den Tutzingerinnen eine komplett öffentliche Nutzung des Areals für Tagescafé, Konzerte und Ausstellungen samt frei zugänglichem Park vor.

Unter dem Buchtitel „Große Freiheit am Starnberger See? Die Hans-Albers-Villa in historischer Parklandschaft“ wird das so hart umkämpfte Anwesen in den ganz großen Kontext einbettet. Die Publikation von Doris Fuchsberger ist eine 88-seitige, ehrenamtliche Fleißarbeit (Gastbeitrag: Arne Schacht), die zwei Jahre dauerte. Basierend auf der Zusammenarbeit mit den Forschern des Denkmalnetzes Bayern skizziert sie kurz die Einmaligkeit des Westufers. Angefangen bei den ersten Siedlungsspuren über mittelalterliche Entwicklungen bis hin zu den adligen Anlagen wirft der kompakte Abriss auch eine neue Sicht auf das Albers-Grundstück.

Im 16. Jahrhundert war genau dort ein Kalvarienberg, der im Zuge des Baus von Schloss Garatshausen entstand. Rund 200 Jahre später wurde der Uferstrich bis nach Possenhofen unter dem Reichsgrafen Kaspar Basselet von La Rosée zusammenhängend teils als Nutzgärten für Spargel, Wein und Seidenzucht gestaltet. Im 19. Jahrhundert residierte, spazierte und ritt dann die weit verzweigte Wittelsbacher Königsfamilie an den Ufern ihrer benachbarten Schlösser.

Die „historische Parklandschaft“ von Starnberg bis Bernried ist aktuell noch teilweise erhalten. Als Hans Albers 1935 sein Areal erwirbt, ist er als Schauspieler und Sänger ein Megastar. Fuchsbergers intensive Recherchen rund um den „blonden Hans“ fokussieren gerade auch die NS-Zeit. Sie arbeitet die Positionen des Ufa-Filmunternehmens Berlin und der Bavaria Film in München heraus und das Image des ganzen, heldenhaften Kerls, das Albers auch während der Dritten Reichs verkörperte. Der Schauspieler wusste sich trotz seiner Erfolge als Filmstar von den Nationalsozialisten zu distanzieren. Seine jüdische Lebensgefährtin Hansi Burg flüchtete ins Exil, beide hatten mit den Folgen der NS-Diktatur zu kämpfen. Das Fragezeichen hinter der „großen Freiheit“ im Buchtitel zielt auch genau hierauf ab.

Ein weiteres Kapitel bezieht sich auf die exakte Baugeschichte der Villa samt Bootshaus, die 2020 in die Landesdenkmalliste aufgrund der historischen Parklandschaft, der Biografie von Hans Albers und Hansi Burg sowie der Bausubstanz eingetragen wurde. Den Umschlag der bebilderten Publikation ziert ein Gemälde von Edward Cucuel, das 1937 eine spätimpressionistische Picknickgesellschaft mit Hans Albers, seiner Mutter und Hansi Burg zeigt.

Als Hardcover ist der limitierte Sonderdruck mit Hilfe des Allitera Verlags (100 Stück) mit Appellen zur Unterstützung der Petition mehrfach verschickt worden. Die restlichen Exemplare können in den Buchhandlungen Held in Tutzing und Bücherjolle in Starnberg erworben werden (29,80 Euro Druckkostenpreis). Eine günstigere, broschierte Ausgabe wird bald für voraussichtlich 10 Euro über „Books on demand“ auf den Markt kommen. Weitere Infos unter www.albersfueralle.de.

Freia Oliv

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