Da war die Familie noch vereint. Susanne R. (44) mit Lebenspartner Walter A. (55) und Sohn Manuel (9).
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Da war die Familie noch vereint. Susanne R. (44) mit Lebenspartner Walter A. (55) und Sohn Manuel (9).

Einreise-Regeln für Tirol verschärft

„Papa ich liebe dich“: Corona-Verordnung zerreißt bayerische Familie - Bitt-Brief an Söder bleibt ohne Antwort

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Wegen der verschärften Corona-Einreiseregeln sind derzeit viele Familien zwischen Österreich und Deutschland getrennt. Susanne R. aus Starnberg sucht verzweifelt nach einer Lösung.

Starnberg - Susanne R. ist verzweifelt. Während ganz Deutschland über Corona-Impfkampagnen und Öffnungsstrategien diskutiert, plagen die 44-Jährige aus Starnberg ganz andere Sorgen. Denn die neuen und zum 8. März noch einmal verschärften Quarantäneregeln, die im Freistaat bei Einreise aus einem sogenannten „Risikogebiet“ gelten, drohen die kleine Familie von Susanne R. zu zerstören.

Seit bereits 19 Jahren führt Susanne R. eine Wochenendbeziehung zu ihrem Lebenspartner Walter A. (55), der in Kitzbühel in Tirol wohnt. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, Manuel, er ist neun Jahre alt. „Unser gesamtes Familienleben findet eigentlich schon immer in Tirol statt“, sagt Susanne R.. Doch das ist seit Beginn der Corona-Pandemie nahezu unmöglich geworden. Seit einem Jahr ändern sich die Regelungen zur Einreise und Quarantänepflicht zwischen Tirol und Bayern ständig.

Corona-Einreiseregeln: Familie aus Starnberg von Vater getrennt - 14-tägige Quarantäne droht

Seit vergangenen Montag wurden die Regeln sogar noch einmal verschärft. Grund ist die Ausbreitung einer neuartigen Virusmutation im Bundesland Tirol. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Gefahrenstufe deshalb erhöht - und der Freistaat eine strikte 14-tägige Quarantäne für alle Personen angeordnet, die aus Tirol einreisen. Die vorhergehende Option, sich „freizutesten“ fällt somit weg. Da nutzt es auch nichts, dass das Land Tirol die Familie unter besonderen Schutz stellt und die Einreise zumindest aus österreichischer Sicht erlauben würde.

Für Susanne R. und ihren Sohn bedeutet das nun die vorerst endgültige Trennung vom Familienvater, mit einer 14-tägigen Quarantäne könnte Susanne R. ihrem Job als Hausverwalterin nicht nachgehen und Sohn Manuel die Schule nicht besuchen. Zwei Anträge auf Ausnahmegenehmigung hat Susanne R. bereits über ihren Anwalt aus München beim Landratsamt einreichen lassen. Bisher ohne Erfolg. Auch eine Nachfrage bei Landrat Stefan Frey persönlich brachte sie nicht weiter. „Mir wurde nur gesagt, eine Ausnahme sei nicht möglich“, sagt Susanne R..

Corona: Familie aus Bayern kann nicht nach Tirol reisen - Ausnahmeregelung muss Regierung erteilen

„Das Landratsamt selbst hat nicht die Befugnis, Ausnahmegenehmigungen von der Einreise-Quarantäne-Verordnung zu erteilen“, sagt Barbara Beck, Sprecherin des Landratsamts Starnberg auf Nachfrage der Redaktion. Man habe Frau R.s Anliegen deshalb an die Regierung von Oberbayern weitergeleitet. Dort werde der Antrag geprüft. Eine Rückmeldung habe allerdings auch das Landratsamt bislang nicht erhalten. Wie die Regierung letztlich entscheide, könne sie nicht voraussagen, jedoch „sind bislang unseres Wissens nach keine Ausnahmen bei der Verordnung vorgesehen, wenn es um Familienbesuche geht“, so Beck.

In ihrer Verzweiflung schrieb Susanne R. sogar eine Mail an oberste Stelle, nämlich an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). In ihr formulierte die 44-Jährige auch ihre persönlich größte Sorge: Dass die Beziehung zu ihrem Partner nach 19 Jahren an der Bürokratie der Corona-Politik zerbrechen könnte. Denn die Situation ist nach rund zwölf Monaten Pandemie mehr als angespannt. Der Lebenspartner von Susanne R. ist sowohl durch seinen Beruf als Pflasterarbeiter, als auch durch die Pflege seiner Mutter ebenfalls örtlich gebunden.

Corona-Quarantäneregeln: Tirol gilt als Mutationsgebiet - jetzt kann Manuel seinen Papa nicht sehen

Auch Sohn Manuel leidet sehr unter der Trennung von seinem Vater, den er schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 rund sechs Wochen nicht hatte sehen können. „Die letzten Male wenn sie sich gesehen haben, wollte er viel mehr kuscheln als sonst, hat immer wieder gesagt ‚Papa, ich liebe dich‘. Jetzt telefonieren sie täglich rund zehnmal miteinander und keiner weiß, wann wir uns alle wieder sehen können“, sagt Susanne R.

Was die 44-Jährige besonders wütend macht, ist die ihrer Meinung nach wahllose Einstufung Tirols als Mutationsgebiet. „Ich könnte in ganz Deutschland in alle Gebiete fahren, in denen es Mutationen und hohe Inzidenzen gibt, ohne hinterher in Quarantäne zu müssen. Aber wegen 58 Mutationsfällen in ganz Tirol darf mein Sohn seinen Vater jetzt nicht sehen. Das ist pure Willkür“, so die 44-Jährige.

Corona-Bitt-Brief an Markus Söder: Mutter aus Starnberg stößt auf taube Ohren

Eine Antwort von Markus Söder hat sie nicht erhalten. Und auch das Landratsamt hat trotz mehrfacher Nachfrage bislang keine Antwort auf den Ausnahmeantrag geben wollen. Würde Susanne R. in Tirol arbeiten, würde sie diesen wohl umgehend erhalten, denn die Arbeit gilt als triftiger Grund. Vor wenigen Tagen hat sie nun eine Petition unterschrieben, die den „Eisernen Vorhang zwischen Tirol und Bayern“ aufheben soll. Zudem hofft sie noch immer auf eine positive Antwort vom Landratsamt. „Es kann ja nicht sein, dass ich zum Arbeiten rüber darf, aber die Familie, die ja laut Grundgesetz geschützt werden soll, die wird außer Acht gelassen“, sagt die 44-Jährige. Es klingt verbittert. Susanne R. will weiter kämpfen, damit sie ihren Lebenspartner und Sohn Manuel seinen Papa bald wieder in die Arme schließen kann.

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