Dr. Werner Siegert mit seinem neuen Buch und der Original-Angostura-Flasche von 1880 – samt Goldmedaillen-Etikett mit dem Portrait von Kaiser Franz Joseph I. bei der Weltausstellung in Wien.
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Dr. Werner Siegert mit seinem neuen Buch und der Original-Angostura-Flasche von 1880 – samt Goldmedaillen-Etikett mit dem Portrait von Kaiser Franz Joseph I. bei der Weltausstellung in Wien.

Dr. Werner Siegert erforscht die Geschichte seines Ururur-Onkels und dessen großer Erfindung

Das Angostura-Geheimnis: Stockdorfer geht Cocktail-Geschichte auf den Grund

Sie darf in keiner gut geführten Cocktail-Bar fehlen: eine Flasche Angosturabitter. Dr. Werner Siegert (90) aus Stockdorf hat die Geschichte des Erfinders des Likörs recherchiert - nämlich die seines Ururur-Onkels Johann Gottlieb Benjamin Siegert.

Stockdorf - Der Schatz ruht sicher im Safe. Eine grüne, noch verschlossene Flasche von 1880 mit der eingeprägten Schrift „J. G. B. SIEGERT & SONS“. Inhalt: Angosturabitter, ein Likör, den eben jener Johann Gottlieb Benjamin Siegert im 19. Jahrhundert in der venezolanischen Stadt Angostura, dem heutigen Ciudad Bolivar, erfunden hat und der bis heut in keiner Cocktail-Bar fehlen darf. Dr. Werner Siegert (90) aus Stockdorf hat nun die Geschichte des Arztes, Freiheitskämpfers und Likör-Erfinders recherchiert – und damit auch einen Teil seiner Familiengeschichte offen gelegt. Denn Johann Siegert (1796-1870) war sein Ururur-Onkel.

Ausgangspunkt war Siegerts Schulfreund Willi. Der entdeckte in den Wirren des Balkankrieges in den 1990er-Jahren in einem Schutthaufen in Dubrovnik eben jene grüne Flasche und schenkte sie Siegert zum Geburtstag. Der bewahrte sie fortan zu Hause in einer Glasvitrine auf, bis ihn eine Freundin vor einem knappen Jahr dazu motivierte, über das „Angostura Geheimnis“ ein Buch zu schreiben. Siegert hat sich bereits als (Mit)-Autor von Büchern wie „Der kleine, aber absolut unentbehrliche Weißwurst-Knigge“ oder „Supermacht Frau“ einen Namen gemacht.

Das 176 Seiten starke Buch erscheint im Verlag Shaker Media

Zunächst habe er sich dafür zu alt gefühlt, bekennt der verheiratete Betriebswirt. „Aber zwei Tage nach meinem 90. Geburtstag habe ich mit der Recherche und dem Schreiben angefangen.“ Nun liegt das Ergebnis vor: „Das Angostura Geheimnis: Leben und Wirken des Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert“ ist 176 Seiten stark und erscheint kommende Woche im Verlag Shaker Media. Über den Schöpfer des weltberühmten Magenbitters sei „bisher kaum etwas bekannt“, sagt der Nachfahr. Was trieb „diesen Medicus und Chirurgus“ aus Schlesien ausgerechnet in die Seuchenhölle an den Orinoco? Der Ururur-Onkel „war ein Verwandter, an den man sich nicht gerne erinnert“, sagt Siegert. Er habe Geld seines älteren Bruders unterschlagen und deswegen fliehen müssen, weiß der Autor aus Familienbriefen.

Johann Gottlieb Siegert, der als Militärarzt in der Preußischen Armee bei der Schlacht von Waterloo Verwundete versorgt hatte, floh also mit dem Segelschiff auf einer abenteuerlichen Reise nach Südamerika. „Ohne Sprachkenntnisse“ sei der damals 24-jährige Mediziner gelandet – und habe dann beim Freiheitshelden Simon Bolivar in den venezolanischen Freiheitskriegen als Militär- und Hospital-Arzt Karriere gemacht. In Briefen berichtete er über seine „verzweifelte Suche“ nach Heilmitteln gegen Tropenkrankheiten. Schließlich gelang ihm ein Absud gegen Magen- und Darmerkrankungen. „In kleinen Fläschchen gab Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert Soldaten, Matrosen und Kaufleuten sein Angostura Aromatic Bitter mit.“ Der „Angostura“, nur echt mit Siegerts Unterschrift, „fand schnell Gefallen in der damaligen Welt, an Königshöfen, und errang Goldmedaillen bei sämtlichen Weltausstellungen“, schreibt der Autor.

Das Rezept? „Ist streng geheim“

Heute wird „Angostura Bitter“ in Trinidad hergestellt. Dort gebe es auch Siegert-Straßen, ein Siegert-Hotel nebst Siegert-Museum, das man als „House of Angostura“ auch digital besuchen kann. „Nachkommen gibt es in aller Welt“, sagt Siegert. Und das Rezept? „Das ist streng geheim.“

Von Christine Cless-Wesle

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