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Familie S. mit ihrer zweijährigen Tochter hatte mit Job und Kinderbetreuung während des Lockdowns organisatorisch zu kämpfen. 

Debatte um Kita-Gebühren

FortSchritt bittet um Hilfe für Corona-Helden

  • vonSandra Sedlmaier
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Die Kinder-Notbetreuung in Corona-Zeiten bringt Eltern finanziell in Bedrängnis und auch die Träger von Kindertagesstätten. FortSchritt ruft deshalb zu Spenden auf.

Niederpöcking – Familie S. aus dem Landkreis hatte sich darauf verlassen, dass der Freistaat für die Kita-Gebühren während des Lockdowns aufkommt. „So hatte es Ministerpräsident Markus Söder am 20. April in seiner Regierungserklärung verkündet“, unterstreicht Verena Fahrion vom Kita-Träger FortSchritt in Niederpöcking. Familie S. war auf die Notbetreuung für ihre zweijährige Tochter angewiesen – der Vater ist Bäcker, die Mutter arbeitet im Lebensmittelverkauf, beides sind systemrelevante Berufe. Für den Vater sei es sehr anstrengend gewesen, nachts zu arbeiten und tagsüber auf die quirlige Tochter aufzupassen, berichtet Fahrion. Entsprechend froh seien alle gewesen, als die Tochter zumindest einen Tag in der Woche in die FortSchritt-Krippe gehen konnte, wenn Mutter Claudia S. in der Arbeit war. Vor Corona war die Kleine vier Tage in der Kita.

Nun müssen Eltern die Notbetreuung aber doch bezahlen, wie das Kabinett laut FortSchritt am 28. April beschloss. Für Familie S. wird das schwierig. Der Träger FortSchritt kann laut Fahrion auch nicht anders, als die vollen Gebühren zu verlangen. „Wir bekommen zwar für die Kinder, die während des Lockdowns gar nicht gekommen sind, eine Pauschale von der Staatsregierung“, erklärt Fahrion. Doch die decke nur die Personalkosten, nicht mehr. Als gemeinnützige GmbH habe FortSchritt keine Rücklagen. „Wir können gut verstehen, dass sich die systemrelevanten Eltern im Stich gelassen fühlen“, sagt FortSchritt-Geschäftsführerin Tatijana von Quadt, aber: „Wenn wir aber den Eltern die Beiträge erließen, kämen wir in eine sehr prekäre wirtschaftliche Lage.“

Auf ihrer Internetseite bestätigt das Bayerische Sozialministerium diese Praxis. „Für Eltern von Kindern, die im Rahmen der Notbetreuung betreut werden, erfolgt von Seiten des Freistaats Bayern kein Beitragsersatz, da diese die mit den Elternbeiträgen vergütete Leistung auch tatsächlich in Anspruch genommen haben“, steht dort. Wie Eltern und Kita die Vergütung regeln, sei ihnen überlassen. „Wir können nicht bei jedem Kind auf die Stunde abrechnen“, sagt FortSchritt-Sprecherin Fahrion. „Ein Defizit ist durch die vom Staat bezahlte Pauschale ohnehin schon vorhanden.“

Die Mitarbeiter von FortSchritt bedauern, dass für die systemrelevanten Eltern nun dieses dicke Ende kommt. „Sie haben wochenlang für uns alle geschuftet“, teilt FortSchritt mit. „Sie waren täglich der Gefahr ausgesetzt, sich selbst und ihre Liebsten mit dem Coronavirus zu infizieren. Als Eltern vollbrachten sie organisatorische Höchstleistungen, um in Krankenhäusern, Pflegeheimen, beim Bäcker oder im Supermarkt unseren Alltag zu sichern. Wir applaudierten ihnen schon mal als Vorschuss und zeigten uns solidarisch. Und: Jetzt sollen diese Corona-Helden dennoch den vollen Monatsbeitrag für die Kita ihrer Kinder bezahlen, selbst wenn sie ihre Kinder nur stunden- oder tageweise in die Kita brachten.“

Dieser Gedankengang ist Grundlage für eine Spendenaktion von FortSchritt, um die systemrelevanten Eltern zu unterstützen. „Falls genug Geld zusammenkommt, könnten diese Eltern nicht nur entlastet, sondern sogar von den Kosten rückwirkend befreit werden“, sagt von Quadt. „Das wäre ein großartiges Zeichen an unsere Corona-Helden und unsere Gesellschaft insgesamt.“ Das Spendenkonto von FortSchritt lautet: IBAN DE04 7025 0150 0009 7948 43 bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg. Betreff: Spendenaktion Corona-Hilfe.

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