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Nach dem Knall und den Hilfeschreien startete eine groß angelegte Suchaktion am Ammersee.

Bootsunfall auf dem Ammersee - Großeinsatz mit Hubschrauber und Taucher

Mit Karacho durchs Bojenfeld: 21-Jähriger hatte Genehmigung zum Fahren

Ein lauter Knall auf dem Ammersee und Hilfeschreie kurz darauf haben in der Nacht zum Donnerstag eine groß angelegte Suchaktion ausgelöst. Ein Motorboot ragte nur noch mit dem Bug aus dem Wasser.

  • Ein 21-Jähriger aus Riederau war in der Nacht auf Donnerstag (21. Mai) mit einem Motorboot vermutlich viel zu schnell im Bojenfeld vor Riederau im Ammersee auf ein Segelschiff gefahren. 
  • Das Boot zerschellte und kenterte, der junge Mann konnte sich an Land retten. 
  • Bis er gefunden wurde und es als sicher galt, dass es keine weiteren Verunglückten gab, dauerte es aber seine Zeit. Mehr als 100 Rettungskräfte waren im Einsatz.
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Update von Freitag, 22. Mai, 18.30 Uhr: 

Der 21-jährige Riederauer, der in der Nacht auf Donnerstag das Motorboot seines Vaters geschrottet und versenkt und ein Segelboot beschädigt hatte, dürfte diesen Vorfall lange nicht vergessen. Wie durch ein Wunder wurde er selbst nur leicht verletzt. „Aber auf dem Wasser gelten in Bezug auf Alkohol dieselben Regeln wie auf der Straße“, sagt Boris Netschajew, stellvertretender Inspektionsleiter der Dießener Polizei. Der Riederauer hatte einen Atemalkoholwert von 1,2 Promille. Immerhin war er berechtigt zu fahren. Ein Motorbootführerschein sei nicht nötig gewesen, lediglich eine Genehmigung für das Boot vom Landratsamt Landsberg, auf der alle Fahrer eingetragen sind. „Das war der Fall“, so Netschajew. Es sei aber davon auszugehen, dass sich der Unfall auf die Kfz-Fahrerlaubnis auswirke.

Ammersee: Lauter Knall und Hilferuf vom Wasser in der Nacht

Der Artikel vom 21. Mai: 

Riederau – Es war eine der ersten mehr oder weniger lauen Frühsommernächte, in denen die Menschen draußen blieben und die Stimmung am Seeufer genossen. Glücklicherweise. Denn sie sahen gegen 1.30 Uhr das Motorboot am Riederauer Dampfersteg vorbeifahren, hörten den Knall und dann den Hilferuf. 

21-Jähriger jagt Motorboot gegen Segelboot und sinkt am Ammersee - Bilder der Bergung

Als wenig später die Nachricht kam, dass ein junger Mann beim Riederauer Segelclub aus dem Wasser gekommen sei, waren bereits nahezu alle Wasserwachten alarmiert, die es rund um den Ammersee gibt.

Großeinsatz in der Nacht am Ammersee: Hubschrauber, Feuerwehr, Rettungsdienst - Taucher und Wasserwacht alarmiert

„Allein wir waren mit 40 Mann im Einsatz“, berichtet Einsatzleiter Christoph Ruml von der Kreiswasserwacht Landsberg im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Dazu kamen Kräfte von Polizei samt Hubschrauber, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Taucher. Schließlich war davon auszugehen, dass Menschen in Seenot waren.

Die Wasserwacht Herrsching war mit sieben Einsatzkräften auf dem Wasser. Dabei war auch der stellvertretende Technische Leiter der Kreiswasserwacht Starnberg, Stefan Schiller. „Wir sind zunächst einmal an der gelben Wasser-Messboje zwischen Herrsching und Riederau vorbei“, erzählt er. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sich da jemand drangehängt hätte. Diesmal aber nicht.

Großeinsatz am Ammersee: Bug von Motorboot ragt aus dem dunklen Wasser

Kurz bevor die Herrschinger Riederau erreichten, habe er schon den Bug des havarierten Motorbootes aus dem Wasser ragen sehen, berichtet Schiller. „Der muss mit relativ hoher Geschwindigkeit durch das Bojenfeld gefahren sein“, sagt er angesichts der Wrackteile, die die Wasserwachten später auf dem See treibend gefunden haben. „Viel konnten wir ja nicht sehen. Es war saudunkel.“

Großeinsatz am Ammersee: Motorboot jagt in Segelboot und wird komplett zerstört

Als es heller wurde, erkannten die Einsatzkräfte auch das Segelboot, gegen das das Motorboot gekracht war – ebenfalls stark beschädigt. Wie die Polizei mitteilt, konnten die Wasserwachtler auf dem Segelboot sogar eine Holzplanke mit Teilkennzeichen des unfallverursachenden Motorbootes finden.

Motorboot rammt Segelboot und sinkt am Ammersee: 21-jähriger Fahrer hatte 1,2 Promille

Da lange nicht feststand, ob weitere Personen auf dem Motorboot waren, waren zahlreiche Taucher und Rettungskräfte auf dem See und an Land im Einsatz. Stand Donnerstagmittag geht die Polizei davon aus, dass der 21-Jährige zum Zeitpunkt des Unfalls allein an Bord war. Dessen Aussagen waren nach Angaben der Dießener Polizei zunächst nicht eindeutig, sein Atemalkoholwert betrug 1,2 Promille.

Bislang geht die Polizei davon aus, dass der 21-Jährige mit zwei Freunden eine nächtliche Spritztour auf dem See unternommen hat. Die Freunde setzte er kurz vor dem Unfall ab und fuhr dann zu seiner Boje. Die Polizei vermutet, dass es für den Unfall vor allem zwei Gründe gab: Alkohol und Dunkelheit.

Während der 21-Jährige in der Nacht zur Sicherheit ins Krankenhaus gebracht wurde, wurde auch die Wasserwacht Buch gerufen, um mithilfe ihrer Hebekissen sowie mit Tauchern das gesunkene Motorboot aus 16 Meter Tiefe zu bergen. Es dauerte bis 8 Uhr morgens, ehe die Wasserretter das zerstörte Boot an Land ziehen konnten. Der Sachschaden wird mit 20.000 Euro beziffert, der am Segelboot mit 5000 Euro. Den jungen Riederauer erwartet nun ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Schiffverkehrs.

„Solche Einzeleinsätze sind doch eher selten“, sagt Einsatzleiter Ruml. Natürlich gebe es etwa bei Sturm längere Einsätze, aber nie nur für eine einzige Alarmierung. Auch die Herrschinger haben solch nächtlichen Einsätze nicht jedes Jahr. Sie hatten zwischendurch noch mal zu ihrer Station zurückmüssen, um ihre Taucher überzusetzen. An viel Schlaf war nicht zu denken. „Eine halbe Stunde vielleicht“, sagt Schiller. Für Ruml war zumindest dies nicht ungewöhnlich, da er als hauptberuflicher Rettungssanitäter häufiger nachts unterwegs und im Kurzschlaf geübter ist.

Im Einsatz waren außer Polizei und Rettungsdiensten aus Landsberg, Dießen, Seefeld und Türkenfeld die ehrenamtlichen Kräfte der Wasserwachten Dießen, Utting, Schondorf, Herrsching, Tutzing und Buch sowie der Kreiswasserwacht, die Feuerwehr Dießen, Vertreter der integrierten Leitstelle sowie Taucher aus Grafrath und Fürstenfeldbruck.

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