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Der Schutz, die Jagd und die Mahd

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Von: Andrea Gräpel

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Die Schneise im Schilf hat nichts mit der Treibjagd vom vergangenen Sonntag zu tun. Laut Gebietsbetreuung wurden Mahdversuche mit einem bodenschonenden Mäher durchgeführt.
Die Schneise im Schilf hat nichts mit der Treibjagd vom vergangenen Sonntag zu tun. Laut Gebietsbetreuung wurden Mahdversuche mit einem bodenschonenden Mäher durchgeführt. © Iris Noerpel-Schneider

Gemähte Streifen im Naturschutzgebiet und Schilder, die kurz nach dem Ortsausgang von Dießen auf eine Treibjagd hinweisen, haben Iris Noerpel-Schneider am Sonntag aufgeschreckt, als sie die Birkenallee entlangfuhr. „Wo kann ein Tier noch ein Tier sein, wenn nicht in dieser geschützten Landschaft“, fragte sie sich in Sorge um den Naturschutz. Eine intensive Bejagung wie die Treibjagd ist sowohl von der Schutzgemeinschaft Ammersee-Süd als auch von der Gebietsbetreuung aber sogar erwünscht.

Dießen - Reinhard Grießmeyer, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft ist froh, dass der Jagdpächter die Initiative ergriff. „Wegen der vielen Wildschweine war sie sogar eine Notwendigkeit“, sagt er. Grießmeyer spricht von einer „guten Sache“, denn die Wiesenbrüter litten unter den Wildschweinen. „Die Kiebitze sind deswegen schon abgezogen.“ Die Schutzgemeinschaft habe den Jagdpächter sogar darum gebeten, den Bestand der Wildschweine zu dezimieren. „Wir haben das abgesprochen.“ Ökologisch sei dies unbedenklich, versichert er. „Wir sind froh, dass es jemanden gibt, der das Beutejagen noch so intensiv betreibt.“

Ähnlich sieht es Gebietsbetreuer Christian Niederbichler. Eine einmalige intensive Aktion sei sinnvoller als eine immer wiederkehrende Bejagung über einen längeren Zeitraum. „Die Störung ist viel geringer“, sagt er. Der abgemähte Streifen habe im Übrigen nichts mit der Treibjagd zu tun gehabt, so Niederbichler. Das sei für die Jagd gar nicht notwendig. Unabhängig davon hätten vielmehr Mahdversuche mit bodenschonenden Geräten stattgefunden, „mit speziellen Ein-Achs-Mähern“. Auch dies ein sinnvoller Eingriff, „denn ohne Mahd funktioniert Naturschutz hier nicht“. Um die Artenvielfalt der Pflanzenwelt zu erhalten, müsse einmal im Jahr gemäht werden. „Streifen, die stehen bleiben, dienen der Tierwelt zur Deckung.“ Dies sei nur ein Mahdversuch gewesen.

Iris Noerpel-Schneider lebt erst seit wenigen Monaten in Dießen. Sie nennt es ein „Paradies“. Am Sonntag empfand sie diese Idylle empfindlich gestört. „Ich will niemanden an den Pranger stellen“, sagt sie. Aber Tiere zu töten, um andere zu retten“, erscheint ihr widersinnig. Womit sie sich vermutlich in eine ganze Schlange von Kritikern einreiht. Die Neu-Dießenerin bedauert, dass der Natur nicht mehr Raum gegeben werde, damit sie sich selbst reguliere. Das wünschte sich auch Niederbichler, sieht die Möglichkeiten aber realistisch begrenzt. Es gebe durchaus Projekte – etwa im schwäbischen Donaumoos zwischen Ulm und Lauingen. Im Naturschutzgebiet wird auf 5000 Hektar Fläche durch Beweidung mit Exmoor-Ponys und Schottischen Hochland-Rindern aufgezeigt, dass Naturschutz und Landschaftspflege kein Widerspruch darstellten. Durch die Tiere werden natürliche Feinde zum Beispiel von Kiebitzen ferngehalten. „Aber 5000 Hektar bedeutet zehnmal so groß wie das Südufer des Ammersees“, rechnet Niederbichler vor, „solche Flächen haben wir gar nicht.“ Deshalb werde das Mögliche bestmöglich umgesetzt. Die Treibjagd sei dafür durchaus ein probates Mittel.

„Ich will nicht Frau Siebenschlau sein, die anklagen will“, versichert die Textildesignerin Iris Noerpel-Schneider, die auch Buchautorin ist. Die Schilder mit dem Verweis auf Treibjagd im Vogelschutzgebiet seien ihr gleichwohl durch Mark und Bein geschossen.

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