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Der Hubschrauber landet tatsächlich auf dem Ammersee bei Dießen - also zumindest auf dem Poton, den die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) vorher angelegt hatten.

Spektakuläre Aktion: Helfer bekämpfen einen fiktiven Waldbrand

120 Rettungskräfte und drei Helis im Einsatz: Großübung am Ammersee

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Etwa 120 Einsatzkräfte haben am Samstag an einer Großübung am Westufer des Ammersees bei Dießen teilgenommen. Dabei übten sie die Bekämpfung eines Waldbrands.

Dießen – Den Schilfbrand in Aidenried im März 2014 haben viele Feuerwehrleute im Fünfseenland noch vor Augen. Erst nach erfolglosen Versuchen, das Feuer am Boden zu löschen, brachte Unterstützung aus der Luft den Durchbruch. „Seitdem haben wir mit dem Gedanken gespielt, Einsätze wie diese zu proben“, sagt Florian König, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Dießen. Am Samstag war es so weit. Nach monatelanger akribischer Einsatzplanung wurde pünktlich um 11 Uhr Alarm für einen fiktiven Waldbrand in Romenthal gegeben.

Knapp 80 Einsatzkräfte versammelten sich auf dem Gelände des Ammerseegeymnasiums in Dießen. Weitere befanden sich schon am Waldrand, wieder andere, darunter Mitglieder von Wasserwacht und Technischem Hilfswerk (THW), sicherten auf dem Ammersee einen Korridor, auf dem die Helikopter ihre Behälter mit Wasser neu befüllen konnten.

Das „Feuer“ auf Dießener Flur war glücklicherweise nur eine rote Plastikplane im dicht bewachsenen Wald von Romenthal. Sie diente als Zielfläche für die Hubschrauberbesatzungen, die dort das Wasser abwerfen sollten. Auf Rauch- und Nebelkerzen wurde verzichtet. Spektakulär war die Übung trotzdem. Die Annahme war ein Bodenfeuer im trockenen Dickicht, das sich bei Ostwind schnell zu einem Wipfelfeuer ausbreitet. Die Forstwege waren zugewuchert und für Bodentrupps nicht zu durchdringen.

Der Wald in Romenthal sei schwieriges Gebiet, „eine echte Herausforderung“, sagt Andreas Schumann. Er war dabei, als vor fünf Jahren 230 Feuerwehrleute aus drei Landkreisen versuchten, den Schilfbrand am Ammerseeufer zu löschen. Seit Anfang der 1980er Jahre ist der 59-Jährige bei der Berufsfeuerwehr in München, war schon als 13-Jähriger der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten. Damals noch in Tutzing, seit 1996 lebt Schumann in Dießen. „Es gibt wohl kein Einsatzbild, das er noch nicht erlebt hat“, sagen die Kameraden voller Respekt. Zusammen mit Kommandant König ist er jetzt Übungsleiter.

„Bei einem Brand hier würde ich sofort Lufteinsatz anfordern“, sagt Schumann. Dieser ist bei der Großübung am Samstag natürlich schon vor Ort. Alles geht schnell, als die Piepser der Feuerwehrleute um 11 Uhr ihr Konzert geben. „Im Ernstfall würde es wohl einige Stunden dauern, bis die Unterstützung da ist und alles aufgebaut hat“, sagt Christoph Keil, Stadtbrandmeister und einsatztaktischer Vorstand der Flughelfer bei der Freiwilligen Feuerwehr München.

Nur 15 Minuten nach dem Alarm ist diesmal der erste von drei Hubschraubern in der Luft, eine Maschine der Fliegerstaffel der Bayerischen Polizei. An Bord Andreas Schumann, der zur Brandherd-Erkundung mitfliegt. Unten am Boden überlegt Einsatzleiter Benno Dierkes von der Ortswehr der Marktgemeinde das erste Mal, ob er seine Wagenburg-Zentrale nicht besser weiter entfernt vom Landeplatz der Hubschrauber aufgeschlagen hätte. Jedesmal, wenn ein Hubschrauber aufsteigt oder landet, werden er und die vier Einsatz-Abschnittsleiter geradezu weggeblasen. „Nie wieder werde ich mich in die Nähe des Towers stellen“, versichert er am Ende der Übung.

Insgesamt sind drei Hubschrauber unterwegs, zwei von der Fliegerstaffel der Polizei, einer des Privatunternehmens Heliseven. Weil die Augsburger Piloten nicht nur zum Spaß in den Himmel steigen, sondern auch Spezialeinsätze wie diese mitfliegen, hatte Florian Kinner Schumann vorgeschlagen, eine gemeinsame Großübung durchzuführen.

Das Szenario war schnell erdacht, Polizei mit Wasserschutzpolizei, THW, Flughelfer und Wasserwachten waren auch gerne mit im Boot. Letztere hatten sogar zwei Taucher in Neopren und mit Geräten an Bord für den schlimmsten Fall vorgesorgt, dass ein Hubschrauber beim Wasserschöpfen selber ins Wasser stürzt. Immerhin fassen die Behältnisse, so genannte Bambi-Buckets, um die 800 Liter Wasser, mehr als drei Badewannen voll.

Wie gut ausgebildet die Piloten sind, beweisen sie, als einer der Polizeihubschrauber auf dem nur 60 Quadratmeter kleinen Ponton mitten im See landet, den das THW aufgebaut hat. Eine Premiere, über die sich auch Pilot Manfred Salcher freut. „Es sind viele kleine Zahnräder, die bei der Übung ineinandergreifen“, sagt er. Das habe funktioniert. Auch Florian Kinner von Heliseven ist froh zu wissen: „Wenn das Ganze ernst gewesen wäre, hätten wir das gut hinbekommen.“

Dr. Martin Schmid ist Teil der freiwilligen Flughelfer-Staffel. Er war am Waldrand, wo die Hubschrauber auch Material hinflogen. Schläuche, Wasserbehältnis, Patschen und dergleichen. „Insgesamt hat es gut funktioniert“, sagt er. Aber er betont, dass seine Staffel als eine Art Dienstleister für die örtlichen Kräfte zu betrachten sei. „Material bringen wir, arbeiten müsst ihr.“ Die Einsatzkräfte der anderen kleinen Ortswehren, die am Waldrand standen, wissen das ganz sicher beim nächsten Mal.

Natürlich gab es auch zahlreiche Schaulustige. An Land und auf dem Wasser. Auf dem See mussten die Einsatzkräfte, die auch von einem Boot der Feuerwehr Herrsching unterstützt wurden, einen Korridor freihalten. Die Segler einer Regatta ließen sich ohne Murren weiter nach Norden schieben. Sportler, die im Strandbad St. Alban ins Wasser gingen, schwammen dagegen eher unbeeindruckt weit raus. Das eine oder andere Ruderboot, in dem ein mit einer Kamera „bewaffneter“ Kapitän saß, blieb brav am Rand des Korridors. Hätte allerdings jemand eine Drohne steigen lassen, hätte dies das Aus der Übung bedeutet. Drohnen sind auch in temporären Flugschneisen strengstens verboten, weil sie zur Gefahr werden können.

So verlief die Übung ohne Zwischenfälle. Alle Einsatz-und Einsatzabschnittsleiter schauten zufrieden. Genauso die rund 120 Einsatzkräfte, für die diese Übung Neuland war. Alle Beteiligten wünschen sich, dass solche Großübungen regelmäßig stattfinden. „Es läuft noch besser, wenn man die Gesichter kennt“, weiß Dierkes.

Nur kurzzeitig stieg die Nervosität. Als Doppeldecker gegen die Sonne über Riederau flogen. Wenn die das Auf-und Absteigen der Hubschrauber zu spät bemerkt hätten, hätte das ein echtes Problem werden können. War es aber nicht. „Man muss immer die Augen offen halten“, sagt Schumann. „Ich bin äußerst zufrieden. Es war spannend. Ich gehe noch eine Kerze stiften im Marienmünster.“

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