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„Wegen einer Backfischsemmel zur Brotzeit brauche ich keinen Kassenbon“, meint auch Marie-Christin Pieper (r.) im Fischgeschäft von Barbara Mastaller-Gastl in Dießen. Ihre Bon-Sammelbox vom Bund der Selbständigen wird fleißig von Kunden gefüllt. 

Kassenbon-Pflicht

Laster voller Bons für Berlin

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Dießener Gewerbeverband beteiligt sich an bayerischer Protestaktion gegen Kassenbonpflicht.

Dießen – Für Uschi Wacke ist die Bon-Pflicht ein rotes Tuch. Nur zu gern hat sie sich als Vorsitzende des Dießener Gewerbeverbandes der Aktion des Bund der Selbständigen in Bayern angeschlossen, die nun zur Pflicht gewordenen, giftigen Kassenzettel zu sammeln, um sie nach Berlin zu fahren. Außer in ihrem Kopierzentrum gibt es in Dießen drei weitere Boxen in Dießen, in denen die Bons seit einigen Tagen und noch bis Mitte März gesammelt werden.

Die Kassenbon-Pflicht gilt seit diesem Jahr und sorgt seitdem für großen Ärger. Deshalb hat der Landesverband im Bund der Selbständigen seine Mitgliedsunternehmen zum koordinierten Protest aufgefordert. Mehrere Bäckereien, Metzger und Supermärkte sind bayernweit dabei. „Wir sammeln die Kassenzettel ein und fahren sie dann nach Berlin“, so die bayerische Präsidentin Gabriele Sehorz. Im Navigationsgerät der Transporter, die Sehorz anführen wird, steht die Adresse des Bundesfinanzministeriums.

„Es ist ein Unding, den kleinen Gewerbetreibenden so etwas zuzumuten. Erst wird jeder gezwungen, eine neue Kasse für viel Geld zu kaufen, die den neuen Vorschriften (speicher-  und internetfähig) entspricht. Dann wird er gezwungen, Umsätze nur mit Kassenbon zu registrieren, auch wenn viele Bons nicht benötigt werden“, schimpft die Dießener Gewerbetreibende Uschi Wacke. In ihrem Kopierzentrum hatten viele Kunden schon immer eine von Hand geschriebene Quittung gebraucht. An der alten Kasse konnte sie die Bonfunktion ausstellen. Das geht nun nicht mehr, „und wenn die Kunden den Bon brauchen, müssen sie ihn kopieren, weil das Thermopapier schon bald verblasst“. Uschi Wacke nennt die „großen Käse“. Auch weil das Thermopapier besonders umweltschädlich sei.

Bislang seien erst vier Sammelboxen in Dießen aufgestellt – bei ihr im Kopierzentrum an der Schützenstraße, im Café Vogel an der Johannisstraße, bei „Michihochzwei“ an der Mühlstraße und in der Fischerei Gastl in der Fischerei, bei denen am gestrigen Aschermittwoch natürlich Hochbetrieb herrschte. Zunächst habe Uschi Wacke nur Verbandsmitglieder eingeladen, sich der Protestaktion anzuschließen. Jeder andere Ladenbetreiber dürfe seinen Papier-Bon-Müll aber gern in ihrer Sammelbox abladen, natürlich nur solange sie aufgestellt ist – bis Mitte März. Bayerische Ladenbetreiber können ihre gesammelten Kassenzettel auch direkt in die Hauptgeschäftsstelle des BDS Bayern in der Schwanthalerstraße 110 in München senden oder dort eine Sammelbox bestellen.

„Weder möchte der Verbraucher für seine Butterbreze beim Bäcker einen Beleg, noch ist dies mit den heute zugelassenen Kassen aus überwachungstechnischen Gründen notwendig. Ganz zu schweigen von der großen Umweltbelastung durch dieses giftige Papier“, meint auch Präsidentin Sehorz. In einer Pressemitteilung zur Protestaktion fordert sie die Bundesregierung auf, „nehmen wir uns ein Beispiel an Frankreich, hier wurde gehandelt und die Bon-Pflicht für Kleinbeträge abgeschafft“. Denn wenn in Deutschland nicht bald ein Umdenken erfolge, dann werde es in Zukunft nur noch „tote Innenstädte“ geben, ohne die Infrastruktur mit vielen kleinen, liebenswerten Geschäften und Betrieben, meint auch Uschi Wacke.

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