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Bewegte Zeiten als Chefhostess und Olympia-Choreografin

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Souvenirs: Dr. Gertrude Krombholz, 1972 Chefhostess bei der Olympiade in München, zeigt stolz eine Auswahl ihrer Erinnerungstücke wie Maskottchen „Waldi“.
Souvenirs: Dr. Gertrude Krombholz, 1972 Chefhostess bei der Olympiade in München, zeigt stolz eine Auswahl ihrer Erinnerungstücke wie Maskottchen „Waldi“. © Augustinum

Dr. Gertrude Krombolz (88) war als Chefhostess bei den Olympischen Spielen 1972 in München dabei und lernte dort die zukünftige Königin von Schweden Silvia Sommerlath kennen.

Dießen – In diesem Jahr jähren sich die Olympischen Sommerspiele in München zum 50. Mal. Eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen auf Organisationsebene lebt seit 2006 in der Dießener Seniorenresidenz Augustinum: Dr. Gertrude Krombholz. Hier ist die 88-jährige Sportwissenschaftlerin als beredte Zeitzeugin aktuell gefragte Interviewpartnerin.

Dr. Gertrude Krombholz war in München Chefhostess und außerdem Mitchoreografin der Eröffnungs- und Schlussfeier. Diese Aufgabe übernahm sie auch 1976 und 1980 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck und Lake Placid. Als Chefhostess in München hat sie 1650 fesche junge Damen betreut und ausgebildet – vom grazilen Schreiten im Gleichschritt bis zur stilvollen Assistenz bei der Medaillenüberreichung. Dabei hat sie auch mit Silvia Sommerlath von der Besucherbetreuung zusammengearbeitet, der späteren Königin von Schweden.

Der gute Kontakt zur Königin war es, der Gertrude Krombholz Jahre später direkt ins Schloss Drottningholm führte, dem privaten Wohnsitz der Königlichen Familie. Die Münchnerin trat dort mit der von ihr gegründeten Morisken-Tanzgruppe der Technischen Universität (TU) München auf.

Den mittelalterlichen maurischen Tanz mit Kapriolen und Luftsprüngen in historischen Gewändern präsentierte Krombholz in über 500 Aufführungen, vom Münchner Stadtgründungsfest bis zum Oktoberfestumzug. Die Tanzbegeisterung der aus Nordböhmen stammenden Gertrude Krombholz kommt nicht von ungefähr. Denn nach ihrem Sport-, Chemie- und Geografie-Studium für das Lehramt an Gymnasien absolvierte sie eine breite tänzerische Ausbildung im In- und Ausland und legte die Prüfung als Tanzlehrerin des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes (ADTV) ab.

Aus Amerika brachte sie den Jazztanz mit, den sie in der TU München unterrichtete. Später wurde sie an der Bayerischen Sportakademie Leiterin der Fachgebiete Gymnastik, Tanz und Bewegung und war danach bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1998 Akademische Direktorin der Sportlehrerausbildung.

1973 hat Dr. Gertrude Krombholz den Rollstuhl-Tanz ins Leben gerufen, der sich im In- und Ausland schnell verbreitete und von den internationalen Behindertenverbänden offiziell als Sport anerkannt wurde. 13 Jahre war sie in dieser Sache für das Paralympic Committee tätig und hat 42 Länder bereist, darunter Argentinien, Japan und Malaysia. Nach dem Rollstuhl-Tanz kam logischerweise noch der Rollator-Tanz dazu, den sie auch im Augustinum einführte.

Neben Sport und Tanzsport interessierte sich die Unermüdliche auch für Neuere Geschichte, die sie von 1978 bis 1981 studierte. Sie promovierte „summa cum laude“ und wurde vom Bund der Freunde der TU München mit dem Preis für eine der besten Doktorarbeiten ausgezeichnet. Im Ruhestand stiftete sie den nach ihr benannten „Preis der TUM für die besten wissenschaftlichen Arbeiten in der angewandten Sportwissenschaft“.

Ganz nebenbei hat Gertrude Krombholz noch eine Reihe Fachbücher geschrieben. Das Schreiben liegt ihr, hatte doch ihre Doktorarbeit ursprünglich 3854 Seiten umfasst, die sie dann auf 600 Seiten kürzte und als Buch herausbrachte. Ihre Wohnung im Dießener Augustinum ist voll von Erinnerungsstücken ihrer beruflichen Stationen und von Mitbringseln aus aller Welt. Gerne würde sie in der Seniorenresidenz eine Ausstellung zum Thema „50 Jahre Olympia in München“ organisieren, wenn Corona das zulässt. Dazu würde das „lebende Olympia-Lexikon“ die Dießener und vor allem Schulklassen herzlich gerne einladen.  roe

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