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Ein Teich wie zu Baron Schackys Zeiten

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Baustellenbesuch am Ententeich: Christine Reichert, Projektleiter Bernd Hönig (r.) und Schacky-Park-Mitarbeiter Abdulaye Diaw freuen sich über die Fortschritte bei der Sanierung des Teichs. Demnächst soll er geflutet werden. Sanierter Weiher soll demnächst geflutet werden – mit 100 Kubikmeter Wasser
Baustellenbesuch am Ententeich: Christine Reichert, Projektleiter Bernd Hönig (r.) und Schacky-Park-Mitarbeiter Abdulaye Diaw freuen sich über die Fortschritte bei der Sanierung des Teichs. Demnächst soll er geflutet werden. Sanierter Weiher soll demnächst geflutet werden – mit 100 Kubikmeter Wasser © nagl

Eine spektakuläre Baustelle im ansonsten so beschaulichen Schacky-Park in Dießen soll in der kommenden Woche abgeschlossen werden.

Dießen – An Werktagen rumpelten Lastwagen, beladen mit Kies oder Aushubmaterial, am Monopteros vorbei, Bagger arbeiteten lautstark in einer tiefen Grube. Der Grund: Der sogenannte Ententeich im nördlichen Park wird saniert und soll bald wieder geflutet werden.

Angelegt wurde der seit Jahren trockene Teich vor mehr als 110 Jahren. In der Wasseroberfläche, so die Idee des damaligen Parkbesitzers und königlichen Kämmerers Ludwig Freiherr von Schacky auf Schönfeld, sollte sich der romantische Park spiegeln. „Das Ganze war eingebettet in ein ziemlich exotisch ausgestattetes Areal“, berichtet Christine Reichert, Vorsitzende des Fördervereins Schacky-Park. Für romantisches Flair sorgte eine kleine Grotte aus Tuffstein, malerisch unter der alten Adlerschwingeneibe südlich des Weihers gelegen, aus der Wasser wie aus einer Quelle sprudelte. Ein Zufluss, der längst versiegt ist. Künstlerisch war der Bereich mit „antikisierenden Staffagen“, wie zum Beispiel neoromanischen Säulenkapitellen, ausgestattet. Während damals exotische Wasservögel auf dem Teich schwammen, zogen heimische Enten erst später mit der Klosterlandwirtschaft der Vinzentinerinnen ein. Das sogenannte Entenhaus wurde 1933 erbaut.

Rund 70 000 Euro werden für die Sanierung veranschlagt. Der Verein konnte das Projekt dank einer Spende einer regelmäßigen Parkbesucherin, die jedoch ungenannt bleiben will, in Angriff nehmen. Mit der Spende kann der Verein etwa ein Drittel der Kosten bestreiten, ein weiteres Drittel gibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dazu, den Rest muss der Förderverein selbst aufbringen. Die Sanierung sei anspruchsvoll, erklärt Bernd Hönig, Projektleiter und Landschaftsbauer. So darf keine Teichfolie verwendet werden, denn der Entenweiher ist Bestandteil des historischen Parks und muss nun, Stück für Stück, mit Tongranulat abgedichtet werden.

„Beim Ausbaggern sind wir auf eine Überraschung gestoßen. Nämlich auf eine dicke Schicht humosen, organischen Materials, das sich nicht verdichten lässt und damit nicht wieder verwendet werden kann“, berichtet Hönig. Ziel sei es, so Hönig, nur natürliche Materialien zu verwenden und den geschwungenen Teich möglichst so aussehen zu lassen, wie er vom Baron angelegt wurde.

Bei einer Länge von rund 20 Metern und einer Breite von sieben Metern hat der Teich eine Wasseroberfläche von rund 140 Quadratmetern. Zu Schackys Zeiten war er maximal 50 Zentimeter tief. „Nachdem wir so viel Material entnehmen mussten, haben wir gesagt, wir machen den Teich in der Mitte etwas tiefer. Maximal 1,20 Meter“, erklärt Hönig. Denn die tieferen Schichten wirkten sich günstig auf die Wasserökologie aus und beugten einer allzu schnellen Erwärmung und Verdunstung vor. Nach seiner Fertigstellung soll der Teich aus den nächstliegenden Hydranten mit rund 100 Kubikmeter Wasser geflutet werden. Außerdem wird Dachwasser vom nahe liegenden Entenhauses und von einer Scheune auf dem benachbarten Gelände des Reitvereins eingeleitet.

Vor mehr als 110 Jahren sei der Schacky-Park, anders als heute, ein „vor Wasser sprühender Garten“ gewesen, berichtet Vereinsvorsitzende Christine Reichert. Sämtliche Brunnen, Fontänen und auch die Gewässer seien damals von den Bächen und vom abfließendem Moränenwasser gespeist worden. Doch mit zunehmendem Strombedarf wurden zahlreiche Bäche in den Mühlbach eingespeist und zur Stromerzeugung genutzt. Auch die wasserführenden Gesteinsschichten würden aufgrund des geringen Niederschlags trockener, bedauert Hönig. Daran sei auch in Dießen der Klimawandel klar erkennbar. Trotzdem ist der sanierte Teich mit einem kleinen Wehr an der Nordseite ausgestattet, damit das Wasser bei möglichen Starkregenereignissen nicht unkontrolliert abfließt. Zu diesem Zweck plant die Gemeinde derzeit den Bau eines neuen Abwasserkanals unter dem Nonnenweg.

Nun soll alles schnell gehen, denn bereits Mitte August – also bald – könnte der neue Entenweiher geflutet werden. „Dann gibt es eine Einweihungsparty“, verspricht die Vereinsvorsitzende. Und auch die romantische Tuffsteingrotte soll beizeiten wieder aufgebaut werden. Reichert: „Das macht dann unser fleißiges Team vom Förderverein.“

Ursula Nagl

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