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Einige Ziele will er noch umsetzen: Für Bürgermeister Herbert Kirsch beginnt heuer das letzte Amtsjahr. 

Jahresgespräch

Entspannt ins letzte Amtsjahr

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Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch blickt entspannt auf sein letztes Amtsjahr. 2020 wird er nicht mehr kandidieren. Ziele hat er trotzdem noch. 

Dießen – Was sind Probleme im Wohlstandsdeutschland verglichen mit denen in armen Ländern? In vielen Fällen purer Luxus, findet Herbert Kirsch. „Aber die Menschen zum Beispiel in Jamaika können trotzdem lachen und sich freuen.“ Dießens Bürgermeister wünschte sich diese Leichtigkeit, die er 2018 in einer zehnwöchigen Auszeit auf dem Segelboot in der Karibik kennengelernt hat, auch in seiner Gemeinde. Für sich selbst versucht er dieses Gefühl zu bewahren – bis zur Kommunalwahl 2020 und darüber hinaus. Und es wird ihm vermutlich nicht so schwer fallen. Kirsch wird in diesem Jahr 60 und hat sich entschieden: Er wird nicht mehr kandidieren.

Sozialwohnungen

Bis zu seinem Amtsende hat er gleichwohl Ziele. Ganz oben auf der Liste stehe der Bau von Sozialwohnungen, betont Kirsch. Dieses Projekt nimmt auch im nächsten Haushalt die größte Position ein. In Neudießen entstehen zurzeit 18 Wohnungen. Auch das Gasthaus Drei Rosen hat die Gemeinde zu diesem Zweck Anfang 2018 erworben. „Zwei Jahre Nießbrauch sind noch drauf“, sagt Kirsch.

Er hofft, dass noch in seiner Amtszeit weiterreichende Beschlüsse dazu gefasst werden können. Auf jeden Fall werde es eine der ersten Aufgaben des neuen Gemeinderates sein, damit umzugehen. Der Bedarf sei da. Die Marktgemeinde sei zwar in Besitz von gemeindeeigenen Wohnungen, aber das Thema bezahlbarer Wohnraum wird bei den vorhergesagten Bevölkerungsprognosen ein schwieriges Thema bleiben.

Im September beginne die Bewerbungsfrist für die 18 neuen Ein- bis Dreizimmerwohnungen in Neudießen. Weitere Möglichkeiten zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums seien anvisiert, „aber nicht nur im Sinne klassischer Einheimischenmodelle, sondern eher im Geschosswohnungsbau“.

Druckerei Huber

Auch in den Gebäuden der alten Druckerei Huber kann sich Kirsch Wohnungsbau vorstellen. Seit Jahren sind die ortsbildprägenden Gebäude dem Verfall preisgegeben. Die Graphische Kunstanstalt Jos. C. Huber KG war einmal der größte Arbeitgeber in Dießen. Das Firmengelände gehört heute der Marktgemeinde.

Dr. Herbert Fleissner hatte die Firma Jos. C. Huber in den 1970er Jahren von den Eheleuten Zaller gekauft, der Grundbesitz verblieb bei den Zallers. Fleissner zahlte eine Art Leibrente und führte die Druck- und Verlagsanstalt bis zu deren Insolvenz 2004, außerdem erwarb er den Anspruch, nach dem Tod der Zallers auch Eigentümer der Immobilie im rechtlichen Sinn zu werden – und zwar zu Konditionen, die dem Einheitswert der Liegenschaft entsprechen, der weit unter dem Verkehrswert liegt. Die Zallers bestimmten jedoch die Marktgemeinde als ihre Erbin und die Verhandlungen zwischen dem mittlerweile verstorbenen Fleissner und der Gemeinde scheiterten. Dessen Erben streiten weiter über Höhe der Ausgleichszahlungen.

Das Urteil des Landgerichts Augsburg dazu sei schon im Dezember erwartet worden, sagt Kirsch. Genau darauf wartet er nun, denn „das Fell des Bären kann man erst dann verteilen, wenn man ihn erlegt hat“. Über die Zukunft der Druckereigebäude könne man insofern erst nach der Urteilssprechung etwas sagen. Für Kirsch keine Frage: „Man muss städtebauliche sensibel vorgehen.“ Die Gebäude an der Johannisstraße stehen im Herzen der Gemeinde. „Es ist sicher eines der spannendsten Projekte der nächsten Jahre“, sagt er.

Fußgängerzone

Spannender ist zurzeit nur die Mühlstraße, genauer die Verkehrsberuhigung der Mühlstraße. Wie berichtet, war im vergangenen Sommer die Einführung einer temporären Fußgängerzone getestet worden. Das Verwaltungsgericht hat zwar angedeutet, die Testphase sei rechtswidrig. Ein Urteil dazu gab es indes nicht, weil die Probephase zum Zeitpunkt der Verhandlung schon abgeschlossen war. Obwohl aufseiten der Marktgemeinde Unverständnis über die Haltung der Richter herrsche, wo doch unter anderem selbst der örtliche Gewerbeverband für eine testweise Einführung einer Fußgängerzone plädiert habe, „sei die Auffassung des Verwaltungsgerichts für die weiteren Überlegungen sicher von Bedeutung“.

„Mein größter Wunsch wäre es, die Situation zu befrieden“, sagt Kirsch. „Wir sollten konstruktiv an einer Lösung arbeiten. Dießen ist ein Ort, in dem man gut leben kann“, betont er auch in Erinnerung an die anfangs erwähnte Leichtigkeit. Und doch sagt er, werde man es nie jedem recht machen können, es werde immer Einzelne geben, die im Interesse der Allgemeinheit getroffene Entscheidungen nicht akzeptierten und versuchten, „ihre persönlichen Interessen durchzusetzen“.

Die Fußgängerzone hat viele Nerven gekostet, das streitet der Bürgermeister nicht ab. Aber er erinnert daran, dass es vonseiten der Bevölkerung auch sehr viel Zuspruch für diese zeitlich befristete Lösung gebe. Inzwischen hat der Markt eine Verkehrsumfrage auch zur probeweisen temporären Fußgängerzone durchgeführt. „Das Ergebnis der Auswertung erfolgt im ersten Quartal“, verspricht Kirsch. „Der Rücklauf war erfreulich hoch.“

Unabhängig vom Ergebnis müsse sich der Gemeinderat die Entscheidung ob Fußgängerzone oder nicht genau überlegen. „Für dieses Jahr ist es unter Umständen ohnehin zu spät.“ Für die Umsetzungen seien Umwidmungen und einiges mehr notwendig. So etwas braucht Zeit.

Seeanlagen

Zuletzt brennt die Sanierung der Seeanlagen unter den Nägeln. Die Erneuerung der Ufermauer sei dringlich, sagt Kirsch. Immerhin: „Einen Kiosk haben wir schon mal.“ Bekanntlich war der alte Kiosk im Oktober 2014 abgebrannt, ein zunächst vorgesehener Ersatz wurde per Bürgerentscheid abgelehnt. Der Neubau steht vor der Fertigstellung, die Pacht ist vergeben. Wegen der Erneuerung der Ufermauer sei die notwendige wasserrechtliche Erlaubnis bereits beantragt. Kirsch befürchtet allerdings, dass ein Planfeststellungsverfahren gefordert werde, so dass es zur weiteren Verzögerung komme. Ein Jahr, vermutet er. „Es kann 2020 werden, bevor wir anfangen können.“

Kommunalwahl

Der Kommunalwahl sieht Kirsch gelassen entgegen, da ihm aktiv kein Wahlkampf mehr bevorsteht. In diesem Jahr sind es 23 Jahre, die er Bürgermeister der Marktgemeinde ist. Er hat viel auf den Weg gebracht. In seiner Amtszeit wurde zum Beispiel der Töpfermarkt in die Seeanlagen verlegt, das Ammerseegymnasium nach Dießen geholt und ein Kinderhaus in Riederau gebaut. Und der Haushalt fürs laufende Jahr wird mit aller Wahrscheinlichkeit im 16. Jahr ohne Kredit auskommen. Natürlich ist er darauf auch stolz.

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