Seltenes Jubiläum: Norbert Ernst ist 50 Jahre bei der Feuerwehr aktiv. In der Hand hält das Jubiläumbuch seiner HeimatWehr.
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Seltenes Jubiläum: Norbert Ernst ist 50 Jahre bei der Feuerwehr aktiv. In der Hand hält das Jubiläumbuch seiner HeimatWehr.

50 Jahren aktiver Dienst

Ein Leben für die Feuerwehr

50 Jahre aktiv in der freiwilligen Feuerwehr – das schaffen nicht viele. Norbert Ernst aus Dießen schon. Seit frühester Jugend ist er bei den Brandschützern aktiv. Das runde Jubiläum feierte er bereits zur Jahresversammlung im vergangenen Jahr. Im März scheidet er nun im Alter von 65 Jahren aus dem aktiven Dienst. Er selbst sieht das mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Dießen - „Unser Vater ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele“, sagt Tochter Elke Hackl. „Egal ob gerade eine Familienfeier stattfand oder er eine anstrengende Nachtschicht hinter sich hatte, sobald der Funkwecker ertönte, eilte er pflichtbewusst zum Einsatz.“ Heute ist Elke Hackl selbst mit einem Feuerwehrmann verheiratet, dem Gemeinderat und Gewerbereferent Thomas Hackl.

Norbert Ernsts Vater Emil war bereits von 1968 bis 1983 Feuerwehrkommandant in Dießen, alle fünf Buben aus der siebenköpfigen Kinderschar eiferten dem Vater nach. Norbert Ernst trat 1970, mit 14 Jahren, der Jugendfeuerwehr bei. „Vor 50 Jahren war die Feuerwehr ein wunderbares Hobby für uns Buben. Deshalb haben wir gleich noch Freunde und Klassenkameraden mitgenommen. Das Wichtigste waren Kameradschaft und Zusammenhalt“, erinnert er sich.

Bis heute lässt ihn allerdings sein erster großer Einsatz als 16-Jähriger nicht los. Eine junge Mutter und ihre beiden kleinen Töchter kamen zwischen Fischen und Dießen mit dem Auto von der Straße ab. Das Fahrzeug stürzte in die Alte Ammer und musste, mit den Toten, aus vier Meter Tiefe geborgen werden. „Ich habe ein totes Kind in die Arme gelegt bekommen, um es wegzutragen. Das beschäftigt mich noch heute“, sagt er. Aufhören war für ihn trotzdem keine Option. „Ich wollte helfen.“ Er sei aber froh, dass Jugendliche heute nicht mehr in die erste Reihe dürfen. Unvergessen bleibt ihm auch der Großbrand 1976 im Dießener Segelclub. „Alles brannte lichterloh nieder“, bis heute sei die Ursache ungeklärt.

Natürlich gab es aber auch viele schöne Erlebnisse. Etwa die Rettung einer verwirrten älteren Dame, die er mit Kameraden in einer kalten Januarnacht am Waldrand entdeckte. Die Nacht hätte sie wohl nicht überlebt. Überhaupt: „Es ist am schönsten, wenn nichts passiert ist, wenn wir einfach nur das verbrannte Essen entsorgen und die Herdplatte ausschalten müssen“, sagt Ernst.

„Der Norbert ist ein alter Haudegen, der einer Feuerwehrdynastie entstammt – mit viel Einsatzerfahrung. Er war immer da, wenn er gebraucht wurde. Wenn der Nori hinten im Fahrzeug sitzt, weiß ich, dass ich ihm blind vertrauen kann“, sagt Gruppenführer Dominic Wimmer. „Ich hoffe“, so Kommandant Florian König, „dass wir bald wieder Versammlungen machen dürfen.“ Denn dann wird auch die Ehrung nachgeholt. Ursula Nagl

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