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Bei der Laichfischerei gilt es, mit Fischen und Netzen besonders behutsam umzu gehen. Das ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht immer ganz einfach. 

Fischereigenossenschaft Ammersee

Die Renken, der Laich und die Fischer

Die Ammerseefischer haben in der vergangenen Woche mit der Renkenlaichfischerei begonnen. Die Fischer dürfen die Renken während der Schonzeit nur mit Sondererlaubnis fangen. Und auch nur, wenn sie deren Laich gewinnen und im Bruthaus erbrüten.

Dießen Die Laichfischerei dauert in der Regel ein bis zwei Wochen. Dann ist wieder Schluss. Die so genannte Erbrütung der Eier dauert bis in den Februar. Die Fischereigenossenschaft Ammersee unterhält dafür ein Bruthaus in Utting.

Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und die ersten starken Herbststürme den See ordentlich aufmischen, kommt die Ammerseerenke in Fortpflanzungsstimmung. Die Fische kehren aus den Tiefen des Sees noch einmal an die Wasseroberfläche zurück, wo die Weibchen ihren Laich so ins Wasser abgeben, dass die Eier durch die Spermawolke der Männchen absinken und befruchtet werden. In freier Natur liegen die Renkeneier dann bis etwa zum Februar in den Tiefen des Sees am Gewässergrund, ehe der Renkennachwuchs schlüpft.

Bei Eis und Schnee ist die Renkenlaichfischerei selten ein Vergnügen. Trotz der sonderbaren Herbstwetterkapriolen ist es auch in diesem Jahr im See rasend schnell Winter geworden. „Die Wassertemperatur ist binnen weniger Tage von elf auf sieben Grad gesunken“, sagt Dr. Bernhard Ernst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Ammersee. „Das fühlt sich dann manchmal so an wie bei den berühmten Kollegen in Alaska. Aber hilft ja nix.“

Die Laichfischerei gehört zur Fischhege und ist damit ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Fischerei. Laichfischerei und Renkenerbrütung haben an den bayerischen Seen eine lange Tradition. Durch die starke Nährstoffbelastung der Gewässer und die damit verbundene Sauerstoffarmut am Gewässergrund konnten sich die Renken ab der Mitte des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr natürlich vermehren. Die Eier sind am Gewässergrund infolge Sauerstoffmangel schlichtweg erstickt.

Die Fischer begannen deshalb, die Renken zur Laichzeit zu fangen, den Laich zu gewinnen und die Eier in Bruthäusern zu erbrüten. Inzwischen haben sich die Bedingungen zwar deutlich verbessert und die Renken wachsen wieder auf natürliche Weise heran. Trotzdem hält man an den meisten Seen in reduziertem Umfang noch an einer Laichfischerei fest.

„Der Hintergedanke ist heute, mit der Laichfischerei einen ausreichenden Bestand an Elterntieren im See zu garantieren“, erklärt Genossenschaftschef Ernst, der nicht nur Fischer, sondern auch promovierter Biologe ist. In Ausnahmejahren komme es nämlich immer wieder vor, dass zum Beispiel aufgrund anhaltender Kälteperioden im Frühjahr der natürliche Renkennachwuchs trotz geeigneter Bedingungen am Gewässergrund ausbleibt. Diese Renken fehlen dann nicht nur in den Netzen der Fischer, sondern als Elterntiere der zukünftigen Renkengenerationen.

Damit sich die in der Natur entstehenden Lücken nicht fortsetzen, versuchen die Ammerseefischer in ihrem Bruthaus immer wenigstens so viele Renken zu erbrüten, dass der Fortbestand der Fischart auch in Jahren mit extremer Witterung sichergestellt ist. In Anbetracht des Klimawandels wird die Bedeutung der Renkenlaichfischerei vermutlich zunehmen. Weil man die zur Laichgewinnung gefangenen Fische nicht mehr in den See zurücksetzen kann, hat das für die Verbraucher den Nebeneffekt, dass es vor Weihnachten für kurze Zeit noch einmal fangfrische Ammerseerenken gibt.  mm

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