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Gelbe Karte! Noch werden die Fahrer widerrechtlich geparkter Wagen nur verwarnt. Nach der Eingewöhnungsphase gibt es Knöllchen.

Fußgängerzone

Testphase mit Fehlstart

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Die Einführung der Fußgängerzone im Zentrum von Dießen verlief alles andere als wunschgemäß.

Dießen – Am ersten Wochenende der Testphase der neuen Fußgängerzone in Dießen ging es teilweise drunter und drüber von der Mühlstraße bis zum Untermüllerplatz.

Neuerungen stoßen immer auch auf Kritik. Den Herrschingern geht es mit ihrer Verkehrsberuhigung auf See- und Summerstraße nicht anders. Nun müssen wohl auch die Dießener Entscheidungsträger mit einer aufgeregten Eingewöhnungsphase rechnen. Denn am ersten Wochenende der neuen Regelung auf der Mühlstraße übersahen Autofahrer – oder sie ignorierten es bewusst – die Beschilderung und nahmen ihren gewohnten Weg, Motorradgruppen dröhnten mit überhöhter Geschwindigkeit Richtung See und Radler schlängelten sich waghalsig durch die Fußgänger, obwohl sie in in dieser Zone schieben müssen. Von wegen „autofreie Zone“, das musste auch Dießens Geschäftsstellenleiter Karl Heinz Springer bei seinen Rundgängen feststellen.

Die meisten Fußgänger fanden die neue Zone gut

Wie gehabt waren die Mühlstraße und der Untermüllerplatz zugeparkt. Die von Bürgermeister Herbert Kirsch versprochene Kulanz in der Eingewöhnungsphase wurde gründlich ausgenutzt. Die angekündigten „Gelben Karten“ für verbotenes Durchfahren und Falschparken gab es aber nur sporadisch. Denn der dafür zuständige Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland machte lediglich kurze Stippvisiten ebenso wie die Polizei, die rechtswidrig fahrende Autos anhielt und die Fahrer aufklärte.

Dafür spielten sich Zänkereien und zum Teil heftige Wortgefechte zwischen Anwohnern, Fußgängern und uneinsichtigen Autofahrern ab. Ein Mann fotografierte sogar jeden Durchfahrer und drohte mit Anzeige. Am Untermüllerplatz blockierten Anlieger mit Stühlen die Zufahrt und aus dem Biergarten des „Unterbräu“ verjagte eine erboste Frau aus dem gegenüberliegenden Lokal eine Gruppe Motorradler, die aus Gewohnheit dort geparkt hatten. 

Die verließen flugs und erbost ihren Tisch, und der Wirt blieb auf den Bestellungen sitzen. Dabei hatte gerade Gastronom Martin Brink für Unterhaltung der Gäste und Flaneure gesorgt. Die volkstümliche Musikgruppe „Queteschendatschi“ aus Augsburg unterhielt zünftig, bis auch ihr der Motorenlärm zu viel wurde. Trotzdem fanden die meisten Fußgänger die neue Zone gut, wenn sie auf der Straße flanieren konnten. Bis sie von hupenden Autofahrern auf die Seite gedrängt wurden.

„Der größter Schildbürgerstreich, den es je gegeben hat“

„Ein Herz für Fußgänger ist der größter Schildbürgerstreich, den es je gegeben hat“, schreibt eine Dießen-Besucherin aus Unterhaching. Die Mühlstraße als Fußgängerzone habe dazu geführt, das ältere Bürger, die nicht mehr so gut zu Fuß seien, nicht mehr von ihren Familien in die Gasthäuser gebracht werden konnten. „Von Rücksicht auf Kinder kann bei 83 beantragten Zufahrtsberechtigungen wohl auch keine Rede sein, was deutlich zu sehen war.“ Und Flyer hätten ebenfalls nicht alle Anwohner bekommen, schimpft Ingeborg Deubler.

Nun ist die Marktgemeinde gefragt, wie man die probeweise Wochenend-Fußgängerzone in den Griff bekommt und die Autofahrer draußen hält. Als allerletztes Mittel, wenn gutes Zureden oder Strafzettel nicht helfen, kommen wohl Poller oder Absperrungen zum Einsatz, wie Vize-Bürgermeister Peter Fastl im Frühjahr in der Bürgerversammlung angekündigt hatte.

Von Dieter Roettig und Andrea Gräpel

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