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Happy End für Chico

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Von: Peter Schiebel

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Ein Herz und eine Seele: Polizeiobermeisterin Julia Kunert und Mischling Chico. Der Tierarzt schätzt das Alter des Hundes auf fünf bis sechs Jahre.
Ein Herz und eine Seele: Polizeiobermeisterin Julia Kunert und Mischling Chico. Der Tierarzt schätzt das Alter des Hundes auf fünf bis sechs Jahre. ©  Andrea Jaksch

Der am 7. November in einer S-Bahn gefundene, herrenlose Hund hat ein neues Zuhause. Julia Kunert, Polizeibeamtin bei der Inspektion Dießen, kümmert sich jetzt um Chico. Es ist das glückliche Ende einer tragischen Geschichte.

Dießen/Gauting - Einen eigenen Hund, das konnte sich Julia Kunert schon lange vorstellen. Groß sollte er sein, am besten ein Golden Retriever. „Von kleinen Hunden war ich nie Fan“, sagt die 26 Jahre alte Polizeiobermeisterin von der PI Dießen. Nun hat Julia Kunert einen Hund, früher als gedacht – es ist ein Mix vermutlich aus Zwergpinscher und Chihuahua.

„Er ist kleiner als eine Katze“, sagt sie und lacht. Wie das eben so ist mit der Liebe. Dazu kommt: Chico, wie sie den kleinen Racker genannt hat, hat in den vergangenen Wochen im Fünfseenland eine gewisse Bekanntheit erlangt – wenn auch auf tragische Weise.

Kein Chip, keine Steuermarke, auch sonst kein Hinweis auf Frauchen oder Herrchen: So saß der Hund am 7. November, einem Sonntag, in seiner Stofftasche in einem Zug der S 6. Einem 59 Jahre alten Mann aus Unterbrunn fielen Tasche und Hund sofort auf, als er am Starnberger Bahnhof Nord in die S-Bahn einstieg. Nachdem er auch durch eine Befragung anderer Fahrgäste keine brauchbaren Hinweise erhalten hatte, nahm er Tasche samt Hund kurzerhand mit, als er wenig später in Gauting ausstieg, und brachte sie zur dortigen Polizeiinspektion.

Kurz darauf blinkte auf Julia Kunerts Smartphone eine Whatsapp-Nachricht auf. Absender: der Ehemann einer Kollegin, der in Gauting als Polizist arbeitet. Inhalt: Fotos des Hundes verbunden mit der Frage, ob sie ihn nicht für kurze Zeit aufnehmen könne. So lange eben, bis Frauchen oder Herrchen gefunden sind. Julia Kunert stimmte zu, die Kollegen brachten ihn ihr zu Hause in Eching vorbei.

Gautings Dienststellenleiter Andreas Ruch veröffentlichte einen Tag später einen Aufruf samt Foto: „Wem gehört der Hund, wer kennt ihn oder seinen Besitzer?“ Auch Ruch ging davon aus, dass die Herkunft des Hundes schnell geklärt werden dürfte. Und auch er sollte sich täuschen. Denn erst nach über drei Wochen stellte sich heraus: Der Hund gehörte einer 36 Jahre alten Frau aus München, die im Starnberger See ertrunken ist und deren Leiche am 29. November im Bereich des Hafens in Starnberg gefunden wurde. Ob sie den Hund in der S-Bahn vergessen hatte, wird sich wohl nie klären lassen.

Julia Kunert hatte den Kleinen zu dem Zeitpunkt längst in ihr Herz geschlossen. „Ich habe ihn erst nur Horsti genannt, ein Gaudi-Name, weil ich dachte, er ist bald wieder bei seinem Besitzer“, erzählt sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Sie habe sogar überlegt, ihn ins Tierheim zu geben. Aber dann eroberte der Kleine ihr Herz. „Ich habe mich ganz arg in ihn verliebt. Und irgendwann war ich froh, als sich niemand meldete.“

Mit der Mutter der Verstorbenen hat die 26-Jährige mittlerweile gesprochen. „Sie ist froh, dass es ihm gut geht“, sagt sie. Von ihr erfuhr sie auch, dass „Horsti“ eigentlich Pablo hieß – mittlerweile hat sich Julia Kunert zusammen mit ihrer Nichte Valerie (7) für den Namen Chico entschieden. Ihre Nichte und ihre Eltern kümmern sich um den Kleinen, wenn die Polizistin keine Zeit hat. Auch Freunde springen gerne mal ein. „Es ist für uns alle eine Win-win-Situation“, sagt sie.

Chico ist zwar der erste Hund für Julia Kunert, tierische Einsätze hat sie aber schon erlebt, seit sie 2014 ihre Polizeiausbildung begonnen und 2017 ihren Dienst in Dießen angetreten hat – von entlaufenen Hunden bis zu einem herrenlosen Hasen.

Auch Gautings Polizeichef Andreas Ruch ist glücklich über das Happy End für Chico. Er freue sich, „dass der kleine Hund jetzt einen so guten Platz gefunden hat“, sagt er auf Anfrage.

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