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Josef Köttner aus Dießen mit einem Modell der nahe Raisting verunglückten "Dornier Do 217" und einem Bild von Flugkapitätn Christian Kaster. 

Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

Als ein Flugzeug vom Himmel fiel

Raisting/Dießen - Es ist mehr als 70 Jahre her, dass während des Zweiten Weltkriegs bei Raisting eine zweimotorige „Dornier Do 217“ abstürzte. Josef Köttner aus Dießen ist es wichtig, die Erinnerung an dieses Unglück wach zu halten.

14. Oktober 1942. Die zweite Schlacht von El Alamein in Nordafrika steht kurz bevor, als östlich von Raisting aus circa 2500 Metern brennend ein zweimotoriges „Dornier“-Flugzeug abstürzt. Der Unfall passiert gegen 14.40 Uhr. Die beiden Insassen, Flugzeugführer Christian Kaster und Bordwart Walter Rexer, können sich mit dem Fallschirm retten. Rexer kommt unverletzt davon, Kaster (Jahrgang 1904) bricht sich den linken Knöchel. Beide sind bei den „Dornier“-Werken angestellt. Festgehalten ist der Absturz im Polizeibericht des Gendarmeriepostens Pähl. „Nach den Aussagen der beiden Flugzeuginsassen hatte in ca. 2700 Meter Höhe der rechte Motor plötzlich zu brennen begonnen“, heißt es darin. Und weiter: „Obwohl die beiden noch versucht haben, das Feuer zu bewältigen u. eventuell eine Notlandung zu machen, war dies nicht mehr möglich.“ Der Motor des Flugzeugs landet im Bereich Sölb zwei Meter neben dem Garten eines Landwirts. Der Aufprall verursacht im nahe gelegenen Haus Risse. Das Flugzeug selbst stürzt einige hundert Meter von Raisting entfernt in ein Kleefeld, explodiert und brennt vollständig aus. Ein in der Gegend stehender Heustadel geht in Flammen auf. Der Fliegerhorst Landsberg und das Luftamt München werden über den Absturz informiert. Bei dem Flugzeug handelte es sich um eine „Dornier Do 217“, einen zweimotorigen Bomber. „Großes Glück hatten die damaligen Bewohner von Raisting, weil nach Augenzeugen das Flugzeug aus Nordwesten über den Dießener Schatzberg mit einer Rauchfahne Richtung Raisting flog“, sagt der Dießener Hobbyforscher Josef Köttner (86). „Einige Sekunden früher wäre es in die Ortschaft gestürzt.“ Köttner hat mit älteren Raistingern gesprochen, greift aber auch auf die Recherchen der Luftfahrtforscher Ludwig Hauber (Bad Tölz) und Helmut Ziegleder (Neugreifenberg) zurück. Im November 1943 stürzt Pilot Kaster erneut ab, und zwar über dem Murnauer Moos. Das Flugzeug, eine „Messerschmitt Me 410“, versinkt sofort im Moor, wo es samt Insassen noch heute liegt. Bergungsversuche in den 1990er Jahren verliefen erfolglos. Das Pähler Polizeiprotokoll eines weiteren Absturzes weiter östlich von Raisting an der Ammer konnte Ludwig Hauber ausfindig machen. Demnach beobachtet ein Beamter das Unglück am 6. August 1940 während eines Dienstgangs. Drei Flugzeuge fliegen in 1500 bis 2000 Metern Höhe fast senkrecht Richtung Boden. Während die ersten beiden abfangen und weiterfliegen, stürzt das dritte ab. Motor und Rumpf bohren sich in die Erde, der Pilot namens Seeliger aus Neubiberg stirbt. Neben dem Polizisten beobachten noch eine Bauersfrau und deren Tochter das dramatische Geschehen. Halter der Flugzeuge vom Typ „Heinkel He 51“ ist die Zerstörerschule in Schleißheim. Einige Offiziere aus Landsberg und aus Neubiberg dokumentieren das Unglück. „Für Raistinger Bürger und Chronisten soll dieser Bericht in Erinnerung bleiben“, sagt Köttner, der selbst Flugerfahrung hat. Er war beruflich als Geometer im bayerischen Staatsdienst tätig. Als Mitglied des Fliegerclubs Landsberg-Penzing besaß er 36 Jahre lang Pilotenlizenzen.

Roland Lory

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