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Mine Gruber alias Mario Milchbrandweinstätter bei seinem Auftritt im Maurerhansl in Dießen.

Kabarett

Gruber fordert den Loser in dir

Dießen – In Herrsching kennt man Mine Gruber als Kioskbetreiber, doch der Uttinger kann auch anders: Neuerdings steht er als Demotivationstrainer auf der Bühne.

Flipcharts und bunte Kärtchen. Um seine Botschaft mitzuteilen, schöpft Demotivationstrainer Mario Milchbrandweinstätter alias Mine Gruber auch aus dem Fundus seiner Gegner, dem wachsenden Lager der Motivationstrainer. Im knallbunten Hippie-Outfit begrüßt der schlaksige, bestlaunige Guru aus Utting mit Kisok in Herrsching die vielen Fans und Freunde. Eine große Werbekampagne war nicht nötig, um den Theatersaal im vor kurzem neu eröffneten Gasthof Maurerhansl bis zum letzten Stehplatz zu füllen, schließlich kennt man den Zeichner, Musiker, Songschreiber und Wirt Mine Gruber auf beiden Seiten des Ammersees gleichermaßen. Und der Wirt hat Freunden und Gästen auf den Mund geschaut und gut zugehört. Da gibt es viel zu erzählen.

Milchbrandweinstätter weiß deshalb, dass es besser ist, seine Schwächen zu kennen und auch mal Nein zu sagen. Das fängt in der Schule an, wenn der Sportlehrer die Kinder über Hürden jagt, die keiner nehmen kann und sieim Krankenhaus landen. Und er hört im Berufsleben nicht auf. „Die Leute, die das Beste aus euch rausholen wollen, wollen meist nur mehr Umsatz. Sollte also ein Motivationstraining anberaumt werden“, so der Tipp des Gurus, „meldet euch krank, geht mal wieder in den Wald, an den See, in die Kneipe“, frei nach dem Motto „Liebe und Zerstreuung statt Rendite“.

Lektion 2: Während im Hintergrund Videos laufen, die geniales Scheitern zeigen, zum Beispiel bei Sportveranstaltungen, dürfen die Damen im Publikum Archetypen der testosterongesteuerten Leistungsgesellschaft definieren, die Milchbrandweinstätter, ohne den Stift abzusetzen, als Einlinienzeichnungen auf die Flipcharts zaubert: Den „Supermann“, den „Scheißemann“ und deren Antityp, den „Cunctator“. Und da Supermann, so Milchbrandweinstätter, lediglich eine Fantasiefigur ist, ist es klar, dass Scheißemann, der stets versuche sich an diesem zu orientieren, zum Scheitern verurteilt sei. Bleibt also der Cunctator, der Zögerer, zu dessen Eigenschaften Gelassenheit gehört, der in der Gegenwart lebt, sich einen Mittagsschlaf gönnt und weiß, dass Geld allein nicht glücklich macht und das Leben endlich ist. Mit den Worten „ich sehe den Loser in dir“ liegt sich das Publikum schließlich in den Armen.

Ursula Nagl

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