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Aufgewachsen in Dießen: Katja Huber lebt als Radiojournalistin und Autorin in München. „Unterm Nussbaum“ i st erschienen im Secession-Verlag (300 Seiten, 24 Euro).

Neuerscheinung „Unterm Nussbaum“

Von wegen Idylle

Katja Huber besuchte das Gymnasium Weilheim und hat mittlerweile schon mehrere Bücher veröffentlicht. Bei ihrem neuesten Werk „Unterm Nussbaum“ geht Huber in gewisser Weise neue Wege. 

Dießen „Unterm Nussbaum“ ist der Titel des fünften Romans von Katja Huber, die einst Schülerin am Gymnasium Weilheim war und dort 2007 als erste Ehemalige eine Dichterlesung hielt. Das Buch führt ausnahmsweise sogar in die Nähe.

Während sich Hubers frühere Bücher noch an die Fersen von deutlichen Hauptpersonen hefteten und zudem im entfernten Russland oder Amerika spielten, gibt sich „Unterm Nussbaum“ ganz anders: Als Schauplatz gibt es quasi nur das Inland, teilweise das Ammersee-Ufer. Der Text zielt zwar auf ein Familientreffen in einem idyllischen Garten. Zum Kern des Romans aber werden die Vorgeschichten der jeweiligen Personen.

Im Falle von Judith und Anna ist es sogar die Vor-Vorgeschichte, denn beide sind im Handlungsjahr 2013 bereits verstorben. Dennoch sind genau diese Ur-Vorfahren heimliche Hauptdarsteller: Zum einen schildert Huber mit besonderer Einfühlung die Jugendzeit und die erotische Anziehung der beiden. Zweitens erscheinen in den verschiedenen Zeitebenen immer wieder Spuren der beiden. Dadurch werden die jüngeren Nachkommen beeinflusst, teils aus der Bahn geworfen, und dies bis zuletzt, unmittelbar vor dem Gartenfest.

Huber gelingt eine spannende Konstellation

Die Konstellation gelingt der in Dießen aufgewachsenen Autorin grundsätzlich spannend, bisweilen sogar zart detektivisch, doch erfährt man als Leser auch kleine Irritationen. So sind die Zeitsprünge mitunter grandios abrupt, auch sind manche Personen so wenig ausgeführt, dass sie quasi nur die Rolle von Nebengeräuschen einnehmen – da hat wohl Hubers Handwerk als Hörfunkproduzentin den Text mitgeprägt.

Der eigentlich erwartete Hauptgast beim Gartenfest, die Familien-Seniorin Barbara Berger, wird bei ihrer Reise an den Ammersee mit absurden Ausrastern geschildert. Aber meist geht es um ernste Anliegen: um zu Unrecht übersehene Künstler, zu lange verdrängte jüdische Spuren und die Tatsache, dass ein idyllisches Seeufer noch keine Garantie für familiäre Behaglichkeit darstellt.

Lesung am Sonntag, 16. September

Inwieweit die Person des „Fadi“ – im Buch ein Kind von Hippie-Eltern und Schüler am Gymnasium Weilheim – eine Spiegelung der Autorin ist, kann man Katja Huber am kommenden Sonntag, 16. September, selber fragen: Ab 20 Uhr liest sie im „Blauen Haus“ in Dießen (Prinz-Ludwig-Straße 23) aus ihrem neuesten Werk – musikalisch begleitet von Claudia Kaiser (Gitarre) und Martin Lickleder (Geige).

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