Martin Hebner
+
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hebner ist gestorben.

Partei würdigt Verstorbenen

AfD-Politiker gestorben - zuvor wurden er und seine Familie bedroht

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
    schließen
  • Marcus Mäckler
    Marcus Mäckler
    schließen

Der AfD-Politiker Martin Hebner aus Dießen am Ammersee ist gestorben. Zuvor waren er und seine Familie bedroht worden, obwohl er schon schwer krank war.

Update vom 07. Juni, 22.31 Uhr: Martin Hebner ist am Mittwoch im Alter von 61 Jahren verstorben. Er war an einem Hirntumor erkrankt. Seine Krankheit war erst vor Kurzem öffentlich gemacht worden.

Auf Twitter würdigte die AfD Hebner als „außergewöhnlich liebenswerten, zugleich bescheidenen und hoch engagierten Kollegen“. Er trat 2017 als bayerischer Spitzenkandidat für die AfD an. Bei der Listenaufstellung setzte er sich überraschend gegen den damaligen AfD-Landeschef Petr Bystron durch. Zwischenzeitlich saß Hebner, der in Dießen am Ammersee lebte, auch im bayerischen Landesvorstand. Seine Familie erregte erst am Sonntag durch einen Facebook-Eintrag Aufsehen, in dem sie angesichts von Schmierereien am Haus darum öffentlich bat, in Ruhe Abschied nehmen zu können.

Erstmeldung vom 07. Juni 2021, 06.17 Uhr:

München/Dießen – Der vorletzte Facebook-Eintrag von Martin Hebner ist etwas älter als ein Jahr. Darin lobt der bayerische Bundestagsabgeordnete die Afghanistan-Politik des damaligen US-Präsidenten Donald Trump und prophezeit ihm eine zweite Amtszeit. Dann herrscht monatelang Stille, bis zum vergangenen Sonntag. Am Nachmittag geht ein langer, emotionaler und anklagender Text online. Der erste Satz lautet: „Unser Vater und Ehemann Martin Hebner wird sterben.“

AfD-Politiker Martin Hebner: Familie macht Krebserkrankung öffentlich - und klagt an

Der AfD-Politiker aus Dießen (Kreis Landsberg), bei der Bundestagswahl 2017 noch bayerischer Spitzenkandidat seiner Partei, ist an einem Hirntumor erkrankt und wird sich davon nicht mehr erholen. Ihm blieben nurmehr Tage, heißt es in dem Text, den offenbar die Familie des 61-Jährigen verfasst hat. In der Partei ist Hebners Erkrankung seit Langem bekannt, öffentlich gemacht wurde sie bis dato aber nicht. Ausgerechnet jetzt wird sein Sterben zum Politikum.             

In ihrem Text klagt die Familie darüber, dass sich in die Trauer derzeit auch Angst mische. Grund seien Attacken auf das Haus in Dießen. In der Nacht auf Sonntag sei die Hauswand mit dem Text „warm anziehen“ und dem „Konterfei einer dem schwarzen Block wahrscheinlich nahe stehenden Person“ beklebt worden. Die Familie macht die Antifa verantwortlich und schreibt: „Drohungen dieser Art verbreiten Angst in einer Zeit, wo es möglich sein sollte, sich von einem Vater zu verabschieden.“

Schwerkranker Martin Hebner (AfD) mit Knüppel angegriffen?

Die Vorwürfe gehen noch weiter, sie betreffen auch die Polizei. Kurz nach seiner ersten Operation sei Hebner auf offener Straße attackiert worden, ein Mann habe mit einem Knüppel auf den Schwerkranken eingeschlagen. Die Beamten hätten aber dazu geraten, keine Anzeige zu erstatten, „da dies zum einen wenig bringe und zum anderen im Zweifel zu noch mehr Aggression führen würde“.           

Der AfD-Politiker Martin Hebner ist unheilbar erkrankt.

So steht es im Text und so macht es seither auch im Netz die Runde. Rechte Blogs greifen die Geschichte begierig auf. „Antifa schlägt auf todkranken AfD-Politiker ein“, heißt es etwa bei „Philosophia Perennis“, das Portal „Jouwatch“ titelt fast wortgleich. Katrin Ebner-Steiner, AfD-Fraktionschefin im bayerischen Landtag, stellte am Montag sogar eine Anfrage an die Staatsregierung, in der sie mehr über den „Anschlag der linksextremistischen Antifa“ wissen will – und über den angeblichen Rat der Polizei.

AfD-Politiker Martin Hebner liegt im Sterben: Polizei weist rechte Aussagen als falsch zurück

Hebners Familie wollte sich am Dienstag nicht zu all dem äußern. Die Polizei wehrt sich allerdings entschieden gegen den Vorwurf, von einer Anzeige abgeraten zu haben. „Es ist nichts vertuscht und nichts abgewimmelt worden“, sagte ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Nord.

Zwar gab es demnach eine Prügel-Attacke, im Juni 2020. Sie habe aber „keinerlei politischen Hintergrund“ gehabt, sondern sei eine „Auseinandersetzung im privaten Bereich“ gewesen. Dem Vernehmen nach bat Hebner den Mann, seinen Hund an die Leine zu nehmen, woraufhin dieser einen Stock vom Boden aufhob und den Politiker attackierte. Die Sache wurde wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung aufgenommen und lag bei der Staatsanwaltschaft Augsburg. Die stellte die Ermittlungen aber ein. Wegen der Wand-Aufkleber laufen Ermittlungen gegen Unbekannt.

Hebner kann sich gegen die Instrumentalisierung seiner Person nicht mehr wehren. Seine Familie wendet sich nach dem Vorfall von Sonntag an „die Antifa“: „Lasst unseren Vater und Ehemann in Frieden sterben und streut in diesem Haus nicht noch mehr Angst“, heißt es bei Facebook. Die Polizei Dießen will nun verstärkt Streife fahren.          

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Starnberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Starnberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion