Mit Stechmücken zu kämpfen hatte im Sommer unter anderem Wirtin Miriam Pavic in ihrem Echinger Strandlokal am Ammersee.

Bürgermeister sind skeptisch

Nach Bürgerentscheid in Eching: Insektenschutz sticht Mückenbekämpfung

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  • Sandra Sedlmaier
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Mit großer Mehrheit stimmen die Bürger Echings am Ammersee für eine gezielte Mückenbekämpung. Bürgermeister anderer Gemeinden reagieren skeptisch. Sie argumentieren: Wer Bienen rettet, sollte auch keine Mücken töten.

Landkreis – Knapp 80 Prozent stimmten beim Bürgerentscheid in Eching dafür, die nächste Mückenplage gezielt zu bekämpfen – und zwar mit dem Eiweißkristall BTI. Es handelt sich dabei nicht um chemisches Gift, sondern um biologisch-bakterielle Präparate. Die Gemeinde am Ammersee-Nordufer reagiert damit auf die dramatischen Verhältnisse im vergangenen Sommer. An anderen Orten in Seelage sieht man aber keinen Handlungsbedarf.

„Das Ergebnis des Bürgerentscheids zeigt die Zwiespältigkeit unserer Gesellschaft“, sagt Bergs Bürgermeister Rupert Monn. „Erst retten wir die Bienen, dann vernichten wir Insekten, die durchaus auch für das gesamte Ökosystem von Bedeutung sind.“

Ähnlich sieht es Walter Bleimaier aus Inning. „Ich halte nichts davon, schließlich hatten wir gerade das Volksbegehren für die Bienen.“ Zwar hat er Verständnis, dass die Echinger schwerer unter den Mücken zu leiden haben als die Inninger. „Das ist über die Amper drüber, dort gibt es Überschwemmungsgebiete.“ Doch zweifelt er, dass der BTI-Einsatz im Naturschutzgebiet überhaupt genehmigt würde. Er selbst setzt in seinem Garten auf die mechanische Bekämpfung. „Ich fange die Mückenlarven aus den Regentonnen mit einem alten Teesieb ein und gebe sie ins Aquarium.“

Das Bekämpfungsmittel BTI wird teilweise mit Hubschraubern ausgebracht.

Dem Beispiel Eching folgen wird vorerst auch die Gemeinde Dießen nicht – obwohlein Fußballer dort im vergangenen Sommer gleich 460 Mückenstiche abbekam und ins Krankenhaus musste. Das Rathaus habe speziell 2017 und auch heuer vereinzelte Mails und Briefe von Bürgern bekommen, die sich Maßnahmen wünschten, sagt Geschäftsleiter Karl Heinz Springer. Im Gemeinderat herrsche aber der Konsens, „dass wir nicht zwingend etwas unternehmen müssen. Wir sollten lieber dafür sorgen, dass es mehr Fledermäuse oder Schwalben gibt, die die Mücken fressen“, sagt Springer.

In Herrsching setzte sich der Gemeinderat vor mehr als zwei Jahren intensiv mit dem Thema auseinander. Bürgermeister Christian Schiller erinnert sich: „Experten haben uns damals gesagt, dass Maßnahmen einer Kommune alleine nichts bringen. Eine Mücke hält sich nicht an Gemeindegrenzen.“ Aus Pöcking schreibt Geschäftsleiter Sven Neumann: „Eine Mückenplagebekämpfung ist weder notwendig noch geplant.“

Kritik am Argument „Wer Bienen rettet, sollte keine Mücken töten“

Freude über das Echinger Votum herrscht beim Verein „Mückenplage? Nein, danke“. Der Vorsitzende Rainer Jünger ist froh, dass es nun – zumindest in Eching – eine Kartierung der Brutgebiete der Überschwemmungsmücken geben wird. Das ist die Basis für die BTI-Genehmigung durch die Regierung von Oberbayern. Jünger kritisiert die Aussagen der Bürgermeister: „Das kategorisch abzulehnen, finde ich bedenklich.“ Zumindest eine Erforschung der und damit Wissen über die Brutgebiete müsse im Interesse der Gemeinden sein. Und zum Argument „Wer Bienen rettet, sollte keine Mücken töten“, sagt Jünger: „Das ist falsch verstandener Artenschutz.“ Es gehe darum, gezielt gegen eine Art vorzugehen, deren Population manchmal komplett aus dem Ruder laufe. Auf Schäden durch Ratten, Borkenkäfer und Buchsbaumzünsler werde auch direkt reagiert. Außerdem könne BTI, das in Naturschutzgebieten per Hubschrauber oder Drohne ausgebracht werden muss, den Einsatz aggressiver Anti-Mücken-Sprays oder von Pestiziden zurückdrängen.

Ganz unproblematisch ist das Eiweißkristall aber nicht, räumt auch Jünger ein. Zuckmücken, die Nahrung für Frösche und Vögel sind, können bei einem Einsatz auch getötet werden.

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