Die Bergung im August 2020: Fünf Tage lag die „Sir“ unter Wasser, bevor sie aufwendig gehoben werden konnte.
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Die Bergung im August 2020: Fünf Tage lag die „Sir“ unter Wasser, bevor sie aufwendig gehoben werden konnte.

Zweimaster-Sanierung per Crowdfunding

Projekt „Sir Shackleton“ geht in nächste Runde

Die Zwei-Mast-Ketsch „Sir Shackleton“ hieß früher schlicht „Gertrud“ und fuhr als Sturmlotsenkutter auf der Ostsee vor Travemünde. Zum „Sir“ wurde das 1909 erbaute Schiff erst geadelt, als Klaus Gattinger und Christian Seelos sie 2011 an den Ammersee überführten und als Seminarschiff einsetzten – bis zu ihrem unfreiwilligen Tauchgang im August vergangenen Jahres.

Dießen/Utting - Wie berichtet, war ein Schlauchstutzen am Kühlwasserfilter gebrochen. Lange war ihre Zukunft ungewiss, nun wollen die Eigner das Schiff wieder auf Vordermann bringen. Das kostet viel Geld, das nun über ein Crowdfunding-Projekt in die Kassen gespült werden soll.

Seit ihrer spektakulären Bergung steht das knapp zehn Tonnen schwere Holzschiff in der Uttinger Bootswerft Steinlechner. Vor einigen Wochen ist die Entscheidung gefallen, das Abenteuer Instandsetzung und Wiederaufbau zu wagen, wie es Eigner Gattinger bezeichnet. Da die verfügbaren Mittel inklusive Versicherungssumme nicht ausreichen, habe man ein Finanzierungsprojekt ins Leben gerufen, an dem sich möglichst viele beteiligen können. Mit immer populärer werdenden Methode der Geldbeschaffung lassen sich Geschäftsideen und Projekte leichter realisieren. Die Hoffnung hegen auch die Köpfe hinter dem „Sir Shackleton-Comeback“. Allerdings ohne Christian Seelos, der sich „nach zehn Jahren toller Törns und schöner Momente“ aus persönlichen Gründen zurückgezogen hat.

„Rein rational betrachtet ist die Instandsetzung eines alten Holzschiffes ein Wagnis“, betont Gattinger. Denn nach der Bergung durch Wasserwacht, Feuerwehr und einem Spezialistenteam der österreichischen Wasserrettung Attersee wurde deutlich, welche Schäden fünf Tage unter Wasser angerichtet hatten. Die Inneneinrichtung war fast vollständig zerstört und wurde inzwischen ausgebaut. Ob der alte Mercedes-Benz Dieselmotor OM 636 jemals wieder laufen wird, wird bezweifelt. Auch die Elektrik samt Innenbeleuchtung und Positionslampen wurde unbrauchbar. Die beiden Masten müssen immer noch trocknen, wobei der Großmast bei der Bergung einen Bruch erlitten hat. Sogar der Lack hat Blasen geworfen und blättert ab. Christoph Hagenmeyer, Chef der Steinlechner-Werft, ist trotzdem sehr positiv überrascht. „Die Substanz ist gut. Zum Verschrotten ist das Schiff viel zu schade.“

Wer sich über www.segeln-ammersee.de am Crowdfunding beteiligen möchte, wird auf einer Bordliste verewigt. Ab 500 Euro wird man „Sir Shackleton Navigator“ und erhält auf alle Buchungen zehn Prozent. Ab 1000 Euro ist man „Offizier“, bekommt zehn Prozent Rabatt und einen Segeltag samt Skipper. Ab 2500 Euro ist man Mitglied im „Commander“-Kreis. Mit 15 Prozent Rabatt und zwei Segeltagen.

Circa 60 000 Euro wird die Instandsetzung kosten, die in drei Teilabschnitten erfolgen soll. Gattinger hofft, dass viele Liebhaber traditioneller Holzschiffe „anheuern“ werden. Dann könnten Mitsegel-Törns und Charterfahrten bald wieder anlaufen.

Dieter Roettig

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