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Die Fischer waren früher die einzigen, die sich auf das Eis im Ammersee trauten - zum Eisfischen.

Winter am Ammersee, wie es früher war

Aufs Eis ging keiner zum Vergnügen

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Ammersee - Er war der Fischer von Mühlfeld, Augustin Bäck. Im Jahr 1809 fror der Ammersee komplett zu und er machte sich auf den Weg nach Dießen - im guten Glaube, das Eis hält. Auf dem Rückweg brach er ins Eis ein und ertrank.

Dass Menschen im Eis einbrechen, ist kein modernes Phänomen. Dass der Ammersee komplett zufriert, dagegen schon. Während sich hunderte Menschen wagemutig und nur zum Vergnügen auf den zurzeit zumindest teilweise zugefrorenen See trauen, waren es früher nur die Fischer, die auch bei geschlossener Eisdecke ihrem täglich Brot nachgingen. Im Januar 1809 brach einer der Fischer auf dem Weg von Mühlfeld nach Dießen ins Eis ein und ertrank.

Der See und besonders das Eis galten zu dieser Zeit generell als gefährlich und bedrohlich. Man begab sich nur auf die Wasserfläche, wenn man unbedingt musste. Vor allem den Fischern am Ammersee blieb oft keine andere Wahl. Die Ortshistorikerin Barbara Blankenburg vom Verein für Archäologie und Geschichte Herrsching fand in alten Aufzeichnungen Berichte über einen historischen Unglücksfall. Der Dießener Fischer Paul Gastl (76), dessen Familie seit 669 im Ammersee fischt, ist selbst passionierter Ahnen- und Zunftforscher und hat den Eintrag der Fischer zu diesem Unglück gleich zur Hand.

Laut des Eintrags im Ober-altinger Totenbuch, auf den die Herrschinger Ortshistorikerin Blankenburg stieß, war der Ammersee im Winter 1808/1809 „durch eine unmäßige Kälte zugefroren, sodass man ihn bequem zu Fuß überqueren konnte“. Am 25. Januar 1809 jedoch erlitt der Mühlfelder Fischer Augustin Bäck einen tragischen Unfall. Das Oberaltinger Totenbuch berichtet weiter: „Augustin, der die Gefahr missachtete oder nicht bemerkte, ging zu Fuß von Mühlfeld nach Dießen. Auf dem Rückweg ertrank er, weil das Eis geschmolzen war. Der Begleiter, den er bei sich hatte, entkam unversehrt.“

Von einem warmen Wind ist die Rede, der das Eis plötzlich zum Schmelzen brachte – vermutlich ein Föhneinbruch. „Cadaver submersi Augustini“, wie es im Original heißt, also die Leiche des ertrunkenen Augustin wurde erst drei Wochen später am 16. Februar gefunden. Acht Dießener Fischer hatten den ganzen Tag nach ihm gesucht und brachten ihn anschließend nach Mühlfeld. In den Büchern der Fischerzunft findet sich ein Brief, in dem der „Königlich bajerische bann Markts Magistrat Diessen“ beim Landgericht Landsberg eine Entschädigung für den Erwerbsausfall der Fischer beantragte.

Augustin Bäck war der Vater des 10-jährigen Joseph. Dessen Mutter war ein Jahr nach seiner Geburt gestorben. Zwar hatte Augustin gleich wieder geheiratet, doch die Stiefmutter starb 1810 nur ein Jahr nach seinem Vater. Der kleine Bub war nun Vollwaise, und er muss unter den schweren Schicksalsschlägen gelitten haben. Er wurde später bekannt als der Fischer Joseph Bäck (oder Böck), der sich 1819 in Wartaweil als erster ein Haus baute. Damals hieß die Stelle noch „Zur weißen Säule“.

Nach dem Bericht seines ehemaligen Kaplans war Joseph ein Säufer, Wilderer und unzuverlässiger Mensch, auf dessen Lebenswandel der heutige Name „Wartaweil“ wie „wart a weil“ zurückgehen könnte. Dazu gibt es mehrere Theorien. Die eine könnte durchaus sein, dass ihn das Eisunglück als Kind traumatisiert und so dazu beigetragen hat, dass Wartaweil seinen heutigen Namen erhielt.

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