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Gewitterwetter in Herrsching

Wetter

Die „alpine Pumpe“ am Ammersee

Das Wetter am Ammersee hat seine ganz eigenen Besonderheiten. Der ehemalige Leiter des Observatoriums Peißenbergs kennt sie genau.

Dießen – Carina Eickmann vom Heimatverein Dießen hätte mit Dr. Peter Winkler, einen renommierten Meteorologen, dreimal den Saal im Wirtshaus am Kirchsteig füllen können. So sprach er am Wochenende an zwei Abenden hintereinander vor voll besetzten Stuhlreihen zu den Besonderheiten des Ammersee-Wetters. Winkler, der von 1993 bis 2005 das meteorologische Observatorium auf dem Hohenpeißenberg leitete, mischte allgemeine Wetterkunde in munterer Weise mit lokalen Beobachtungen.

Der Meteorologe hatte als einer der ersten Fachleute von „alpinen Pumpen“ gesprochen. Das sind Luftmassen, die in einem uhrzeitgenauen Wechsel nachts aus den Bergen heraus und tagsüber auf diese zuströmen. „Dazu gehören die regelmäßigen Südwinde, die bei den Seglern auf dem Ammersee so beliebt sind.“ Auslöser des Phänomens seien die engen Täler bei Innsbruck und Garmisch, bei deren geringer „Füllmenge“ mit Luft bereits eine kurze Sonneneinstrahlung genüge, um diese zu erhitzen und nach oben zu treiben. „Dann entsteht dort an sonnigen Tagen ein leichtes Tiefdruckgebiet, und dieses zieht Wind von außerhalb an.“ Spätabends drehe dann die Windrichtung. Insgesamt komme das „alpine Pumpen“ an rund 40 Prozent der Tage zwischen April und August vor, vereinzelt schon ab Februar.

Die Umwelt war Winkler immer wieder einen Einschub wert. So sorge das „alpine Pumpen“ auf der Alpensüdseite dafür, dass die Bergseen stark mit den Pestiziden der spanischen Intensiv-Landwirtschaft angereichert seien. „Und die saubere Luft im Gebirge ist auch eine Illusion. Was man tagsüber in den bayerischen Bergen einatmet, ist die Luft aus Augsburg und aus München.“ Für den Ammersee belegte der 77-Jährige anhand einer Messreihe, dass sich die UV-Strahlung seit Ende der 60er Jahre mindestens verdreifacht hat – parallel zur Ausdünnung der Ozonschicht. Die meisten Diskussionsfragen betrafen aber Unwetter-Phänomene. Etwa die aus den oberen Luftschichten spontan durchbrechende Kaltluft, so genannte Fallböen, die für erhebliche Luftwirbel auf dem See sorgen. Zudem könnten „vorauseilende“ kalte Winde bei Gewittern bis zu 20 Kilometer vor der Unwetterfront zuschlagen. „Und weil so etwas mal ein Unglück auf dem See auslöste, wird die Warnblinkanlage heute lieber zu früh aktiviert – von einem Beamten im Landratsamt, und nicht mehr von einem erfahrenen Wetterbeobachter“, sagte Winkler vernehmlich knurrend.

Ob es sein könne, dass Gewitter öfter über den nördlichen See hinweg zögen, war eine Publikumsfrage. Durchaus, antwortete Winkler, denn über dem Höhenrücken von Rott und Vilgertshofen sei die Luftsäule dünner als über dem Peißenberger Becken. Eine dünnere Luftschicht werde schneller heiß. „Und weil Gewitter Heißluftstaubsauger sind, suchen sie sich immer den Weg zur heißeren Luft.“ Das Wetter über dem Ammersee ist also durch lokale Besonderheiten bedingt – und die Segelwinde seien besser als auf dem Starnberger See, weil die „Fallhöhe“ von den Bergen wegen des höheren Wasserspiegels um 25 Meter geringer sei und weil die Endmoränen bei Leutstetten das Windkanal-Phänomen des Ammersees verhindern.  amb

Ein Naturschauspiel gab es am Starnberger See zu sehen: Eine Windhose hat sich am Sonntagnachmittag gebildet - und war nach zehn Minuten wieder verschwunden.

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