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Martin Brink investiert gerne in den Erhalt des Unterbräu, der als Traditionsgasthof seit 1856 in der Ortsmitte besteht. Derzeit wird die Lüftlmalerei an der Ostfassade saniert.

Sonderparkausweise

Willkür-Vorwurf: Unterbräu-Wirt hört als Gemeinderat auf

Martin Brink sieht die Gleichbehandlung in Dießen als gestört an. Chef der Freien Wählern in Dießen will er aber bleiben.

Dießen – „Maria beschütz’ uns und unser Heim vor Pest und Krieg und anderer Pein“ – so steht es auf dem Spruchband, das als Lüftlmalerei die Ostfassade des Gasthofs Unterbräu in Dießen ziert. Eine „Pein“ – oder zeitgemäßer ausgedrückt – ein Ärgernis waren für Unterbräu-Wirt Martin Brink in der Vergangenheit die seiner Ansicht nach holprige Kommunikation mit der Gemeindeverwaltung und Anfeindungen von Gemeinderatskollegen. Jetzt hat Brink die Konsequenzen gezogen und nach drei Jahren seinen Rücktritt als Gemeinderat der Freien Wähler angekündigt.

In einem Pressegespräch erläuterte Brink die Gründe, die der Gemeinde bereits seit dem 13. September schriftlich vorliegen. In den vergangenen Monaten habe sich insbesondere wegen seiner Tätigkeit als Markgemeinderat ein „sehr nachteiliges und ungutes Klima“ seinem Unternehmen, seiner Frau, seiner Familie und auch ihm selbst gegenüber entwickelt, sagt Brink. Anfangs habe er dies noch „als normal oder vielleicht ortsüblich“ eingestuft – mittlerweile erreiche diese Stimmung aber eine Qualität, die man als „Impertinenz“ mit dem Ziel bezeichnen könne, „unserem Unternehmen zu schaden und Nachteile zuzufügen“.

Er spricht von „zielgerichtetem Übelwollen und Willkür“ und führt einen aktuellen Beschluss des Marktgemeinderates an, der die seit mehr als 20 Jahren gültige Praxis der Sonderparkausweise für Übernachtungsgäste in Dießen ausschließlich zum Nachteil der Unterbräu-Gäste verändert habe – trotz anderslautender Vorschläge und Versprechungen.

Dem Gasthof Unterbräu stehen pro Saison bis zu 100 Sonderparkausweise zu. Damit ausgestattet, dürfen Autos von Übernachtungsgästen seit Kurzem allerdings nur noch am An- und Abreisetag maximal drei Stunden auf den insgesamt elf Kurzzeitparkplätzen des benachbarten Untermüllerplatzes stehen. Brink hatte sich drei Stunden pro Tag gewünscht. Bei anderen Übernachtungsbetrieben im Ort dürften Gäste mit Sonderparkausweis während ihrer gesamten Aufenthaltszeit auf Kurzzeitparkplätzen parken.

Brink wünscht sich Gleichbehandlung durch die Gemeindeverwaltung. So wundert er sich zum Beispiel auch darüber, warum ein ortsansässiger Fuhrunternehmer Anhänger kostenlos auf dem Kiesplatz am Bahnhof abstellen dürfe, während ein ortsansässiger Bootsbauer seine Hänger entfernen und ein ortsansässiger Busunternehmer fürs Parken bezahlen müsse.

Grundsätzlich, so Brink, wolle er sich auch nicht mehr mit Befürchtungen von Mitbürgern konfrontieren, wonach er als Gemeinderatsmitglied irgendwelche Privilegien genieße. So sei zum Bespiel der genehmigte Anbau seiner Westterrasse am Wirtshaus wenige Tage nach Fertigstellung und Abnahme vom Vermessungsamt nochmals nachgemessen worden, weil Nachbarn befürchtet hatten, sie sei zu groß geraten.

Aus der Dießener Kommunalpolitik möchte sich der Unterbräu-Wirt allerdings nicht ganz verabschieden. Er will Ortsvorsitzender der Freien Wähler bleiben, sich für seine einstigen Wähler einsetzen und seiner Fraktion im Gemeinderat den Rücken stärken.       una

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