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Papierkrieg zusätzlich zum Kampf gegen den Krebs: Dass ein Jahr nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Kostenübernahme so gut wie nichts passiert ist, findet Cornelia Geyer schwer nachvollziehbar.

Kampf mit der Krankenkasse

Zähes Ringen um Kostenübernahme: Wenn nach der Krebsdiagnose der nächste Schock kommt

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Eines Tages eigene Kinder bekommen: Das ist Cornelia Geyers Wunsch. Doch dann kam die Krebsdiagnose und mit ihr die Gefahr, durch die Behandlung unfruchtbar zu werden. Was Geyers Leid erschwert: eine Krankenkasse, die sich querstellt.

Dießen – Als sie die Diagnose bekam, saßen ihre Eltern gerade im Flugzeug nach Lissabon, um mit der Reise ihren 30. Hochzeitstag zu feiern. Doch Cornelia Geyer musste es ihnen gleich mitteilen, wenn auch nur per Kurznachricht. Ihr Arzt hatte bei der damals 25-Jährigen ein Sarkom, einen malignen Weichteiltumor, gefunden. Das war kurz nach Ostern 2019.

Zunächst war die Dießenerin davon ausgegangen, dass die schon länger anhaltenden Schmerzen im linken Unterarm das Resultat einer Sehnenscheidenentzündung waren. Als diese nach drei Jahren nicht besser werden wollten, ging sie erneut zum Arzt. Der Besuch förderte den wahren Grund zutage: Krebs.

Glück im Unglück: Tumor hatte noch nicht gestreut

Wie durch ein Wunder hatte der Tumor noch nicht gestreut. Doch klar war: Cornelia Geyer musste so schnell wie möglich in Behandlung. Chemotherapie, Bestrahlung, Operation und abschließend noch eine Chemotherapie. „Ich kannte mich ja überhaupt nicht aus mit Krebs“, erzählt die heute 26-Jährige, die damals in den letzten Zügen ihres Elektrotechnik-Studiums steckte. Alles, was sie über Krebs wusste, war, dass einem durch die Therapie die Haare ausfallen.

Als wären die Diagnose und der Termin beim Onkologen nicht schon aufwühlend genug gewesen, offenbarte der Arzt ihr auch, dass sie durch die Therapie unfruchtbar werden könne. Also ging sie gleich am nächsten Tag zu ihrer Frauenärztin. Die klärte die Studentin über die Möglichkeit der Kryokonservierung auf, dem Einfrieren von Eizellen, um später Kinder kriegen zu können.

Wegen der Krebs-Therapie musste es schnell gehen

Das Gespräch bei der Frauenärztin war an einem Freitag. Noch am selben Tag besorgte sich Cornelia Geyer in der Apotheke die Spritzen, um mit der Hormonbehandlung vor der Eizellenentnahme zu beginnen, schließlich musste sie das alles schnell über die Bühne bringen, vor der Krebstherapie. Am Montag darauf nahm sie Kontakt mit ihrer Krankenkasse auf, der AOK Bayern Süd. Wenige Tage zuvor war ein Gesetz verabschiedet worden, das die Kassen dazu verpflichtet, die Kosten für die Kryokonservierung bei Patientinnen ihres Alters zu übernehmen.

Also stellte die Studentin den Antrag auf Kostenübernahme. Aber: „Es kam relativ schnell der Ablehnungsbescheid“, erinnert sich Geyer. Die schlechte Nachricht nach der schlechten Nachricht. Zu dem „emotionalen Chaos im Kopf“, das damals angesichts der Schreckens-Diagnose bei ihr herrschte, kamen nun finanzielle Sorgen. Denn die Kosten für die Entnahme belaufen sich auf mehr als 4000 Euro, Hormonbehandlung und Lagerungskosten nicht eingerechnet. Weil der Studentin beim ersten Versuch nicht genug Eizellen entnommen werden konnten, musste sich die junge Frau das Prozedere gleich zweimal über sich ergehen lassen.

Krankenkasse beruft sich auf fehlende Richtlinie zu verabschiedetem Gesetz

Ihre Verweigerung, die Kosten zu übernehmen, begründet die Krankenkasse damit, dass es noch keine Richtlinie zur Umsetzung des Gesetzes gibt. Die lässt auch weiter auf sich warten. Cornelia Geyer legte mehrfach Widerspruch gegen die Ablehnung ein, vergebens. Letztlich zog sie vor das Sozialgericht. Das bestätigte im Mai dieses Jahres die Sicht der Krankenkasse, dass derzeit keine rechtliche Grundlage für eine Kostenübernahme besteht, da diese Leistung noch nicht zu deren Leistungskatalog gehört.

„Man hat ja während der Therapie schon genug zu kämpfen.“

Das Geld für die Kryokonservierung konnte sich Geyer von ihren Eltern und Geschwistern leihen. Nun, da sie nach ihrem Studium eine Stelle bei den Stadtwerken München bekommen hat, möchte sie es ihnen zurückzahlen. Die Krebs-Behandlung hat die 26-Jährige hinter sich. „Die Reha steht noch aus.“ Cornelia Geyer konzentriert sich nun ganz auf das Gesundwerden. Ihren eigenen Kampf gegen ihre Krankenkasse hat sie aufgegeben. Mit ihrem Fall geht sie jedoch weiterhin an die Öffentlichkeit, damit sich etwas bewegt, damit andere nicht das Gleiche durchmachen müssen wie sie. „Man hat ja während der Therapie schon genug zu kämpfen.“

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