Tobias Handelshauser.

„Eine Katastrophe war das“

Mückenplage am Ammersee - 460 Mückenstiche schicken Fußballer in die Klinik

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Die Mückenplage am Ammersee hat einen Fußballer nach einem Spiel ins Krankenhaus gebracht. Hunderte Male stachen die Insekten bei ihm zu.

Update vom 13. Juni 2019: Tobias Handelshauser spielt seit 32 Jahren in Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) Fußball. Doch in so schlechter Verfassung wie am Freitagabend in Dießen hat er noch nie den Platz verlassen. Und das lag nicht an seinen Gegnern. Der 38-Jährige wurde von einem Mückenschwarm attackiert und musste sogar die Nacht im Krankenhaus verbringen. „Dort hörten die Ärzte bei 460 Stichen auf zu zählen.“

Handelshauser wusste vorher nicht, dass er allergisch auf Mückenstiche reagiert. Die Menge war zu viel für seinen Körper. Die Ärzte behielten ihn sicherheitshalber zur Beobachtung eine Nacht in der Klinik. Am nächsten Tag waren die Schwellungen abgeklungen, er durfte die Klinik verlassen – und fuhr direkt zum Relegationsspiel der Eichenauer.  Einen ausführlichen Bericht zur Mücken-Attacke auf den Fußballspieler lesen Sie auf Merkur.de*.

Erstmeldung vom 12. Juni 2019: Mücken-Attacke am Ammersee - Fußballer muss ins Krankenhaus

Dießen - Denkwürdiges Spiel der Altherrenmannschaft gegen Gäste aus Eichenau auf dem Sportplatz des MTV Dießen. 3:1 sollte der Endstand am Freitagabend sein, aber das Spiel bleibt den Mitwirkenden wegen einer anderen Begebenheit in Erinnerung: Einem irren Mückenangriff, dem einer der Spieler zum Opfer fiel. Der Mann musste sogar ins Krankenhaus!

Schwaden von Mücken belagern den Fußballplatz in Dießen am Ammersee

Schwarze Schwaden von Mücken hatten zuvor den Fußballplatz belagert. „Eine Katastrophe war das“, sagt Dießens Abteilungsleiter Christian Winterer (55). Es passte ja auch alles zusammen; alles, was den weiblichen Mücken Freude macht. Sinkende Sonne, schwüle Temperaturen, dazu schwer atmende Sportler, die auch noch verschwitzt waren. Dann die unmittelbare Nähe des Platzes zum Feuchtgebiet am Zufluss der Ammer im Süden. Jeder Fußballer bekam so sein Fett ab, die Generalattacke der Blutsauger fand Winterer „extrem“. Besonders schlimm traf es einen Spieler aus Eichenau. „Der war leichenblass“, erinnert sich Winterer. In der Pause kam die Ambulanz. Möglicherweise, weil der Spieler einen al­lergischen Schock auf die vielen Stiche bekam.

Nach Attacke auf Spieler: Warum gibt’s eine Mückenplage am Ammersee?

Christian Winterer vom MTV Dießen.

Der Ammersee ist zurzeit ein Brennpunkt des Kampfes gegen die Mücken, die aufgrund des nassen Wetters im Mai, mit großen Pfützen überall, prächtig gedeihen. Mediziner berichten von entzündeten Stichen, die ärztlicher Behandlung bedürfen, an abendliche Spaziergänge ist nicht zu denken. Einem Herrschinger Rechtsanwalt Stephan Seiz reicht‘s jetzt Er sieht sich in seinen Grundrechten verletzt, weil staatliche Stellen nichts gegen die Mückenplage am Ammersee unternehmen.

Fußballchef Winterer beispielsweise, „würde gerne im Garten grillen, aber da wird man ja aufgefressen“. Der heimische Verein „Mückenplage? Nein danke!“ bemüht sich um Abhilfe. Ihm geht es aber nicht um die Ausrottung der Plage, sondern um deren Erforschung. Das im Namen erklärte Ziel des Vereins befindet sich aber sozusagen noch im Larvenstadium, zunächst soll eine Kartierung des Stechmückenvorkommens in der Region vorgenommen werden, 30.000 Euro soll das Projekt kosten, Spender werden gesucht. „Solange es keine Kartierung gibt, gibt es keine Basis für mögliche Maßnahmen“, heißt es vom Verein.

Ammersee: Mücken fühlen sich am Südufer wohl

Sicher dürfte dem Südufer des Sees ein Platz in dieser Karte sein, dort erstreckt sich das Überschwemmungsgebiet mit dem Vogelbeobachtungsturm. Von dort blickt man über die Mündung der alten Ammer und die ganze Bucht. Momentan hat dort keiner ein Auge für die Aussicht – man muss sich der Mückenwolken erwehren. Helfen würde ein BTI-Einsatz (siehe unten), dieser ist aber umstritten. Am südlichen Ortsrand von Dießen hat sich Anwohnerin Annette Scholl eine Schutzrüstung zugelegt, um zumindest die wichtigsten Gartenarbeiten erledigen zu können. Rund um die Krempe ihres spanischen Sonnenhuts brachte sie Insektengitter an, wie sie uns erzählte. Werde es schlimmer, werde sie sich um eine Imkerausrüstung bemühen.

Video: Killer-Mücke schon in Europa

BTI-Einsatz: Was bedeutet das eigentlich?

BTI steht als Abkürzug für Bacillus thuringiensis israelensis und ist ein Bakterium. In der Stechmückenbekämpfung wird das für Menschen ungefährliche Bakterium mit dem Heli verteilt. BTI zerstört dann den Darm der Larve, mit tödlichen Folgen.

Seit über 20 Jahren kommt das Bakterium am Chiemsee zum Einsatz. Es gibt dafür Vorgaben, so müssen etwa 50 Larven pro Liter Wasser gezählt werden. Bei einer Plage können dies 500 Larven pro Liter sein.

Viele sehnen die Bekämpfung herbei, wie etwa vor zehn Jahren, als die Biester nicht mehr auszuhalten waren. Allerdings wird beim BTI-Einsatz eine sechsstellige Summe fällig, das Mittel selbst wird von Naturschützern außerdem kritisch hinterfragt. Die Gemeinde Seeon-Seebruck hat deshalb entschieden, 2020 aus der Bekämpfung auszusteigen, Mücken seien Lebewesen und Teil der Nahrungskette.

Vor zwei Jahren wurden die Insekten am Ammersee zur echten Plage, eine Wirtin aus Eching musste wegen der Mückenschwärme zeitweise ihr Lokal schließen. Geschlossen sind nun auch alle Badestege an einem beliebten See in Weilheim - aus Sicherheitsgründen. Die Weilheimer haben dafür bei hochsommerlichen Temperaturen nur wenig Verständnis und machen sich über die Aktion ihres Stadtrats lustig

Markus Christandl/Barbara Wimmer

Dem Herrschinger Rechtsanwalt Stephan Seiz reicht’s. Er sieht sich in seinen Grundrechten verletzt, weil staatliche Stellen nichts gegen die Mückenplage am Ammersee unternehmen. Mit einer Petition will er diese nun zum Handeln auffordern – weitere Schritte schließt der 62-Jährige nicht aus.

Mit einer anderen Plage haben derzeit Hüttenwirte zu kämpfen: Bettwanzen machen sich auf Berghütten in Bayern breit. Der Deutsche Alpenverein will seine Hütten nun besser schützen. Wirte greifen daher zu kreativen Mitteln.

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