Einen Ausschnitt aus dem Musiktheater „Der Traumzauberbaum“ zeigten die Kinder unter anderen (hinten v. l.) dem Vize-Vorsitzenden und Geschäftsführer Dr. Kay Vorwerk, der Vize-Landrätin Ruth Sobotta, Bürgermeister Herbert Kirsch und dem Vorsitzenden Professor Dr. Johannes Münder. Foto: SOS-Kinderdorf

Mit Hirn und Herz

Dießen - Nach jahrelangem Ausweichen in die Weilheimer Turnhalle ist die Mitgliederversammlung des SOS-Kinderdorf-Vereins wieder nach Dießen zurückgekehrt. Besonders gefreut hat dies Bürgermeister Herbert Kirsch.

Die Idee von Hermann Gmeiner sei immer noch ein „moderner reformpädagogischer Ansatz“ - und ein „großes Glück“ für die Kinder. Landsbergs stellvertretende Landrätin Ruth Sobotta maß dem SOS-Kinderdorf-Verein und seinem vielfältigen Angebot bei der diesjährigen Versammlung die gleiche Bedeutung zu wie der Gründung des Roten Kreuzes. Das SOS-Kinderdorf stellt jedoch nicht nur Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Der Verein geht auch so verantwortungsbewusst mit Zuwendungen um, dass er die strengen Kriterien erfüllt, um das anerkannte dzi-Spendensiegel zu erhalten. Mehr als 82 Prozent der Gelder, erläuterte Geschäftsführer und neuer stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Kay Vorwerk den rund 50 Anwesenden, kommen direkt den Kindern zugute. Für die Verwaltung werden 3,75 Prozent, für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit rund 8,34 Prozent ausgegeben. Letztere, betonte Vorwerk, sei notwendig, um Spender zu gewinnen. Ohne sie wären viele Leistungen nicht möglich.

So haben Förderer nicht nur das neue Dorfgemeinschaftshaus „Mosaik“ ermöglicht, sondern auch ein neues SOS-Zentrum in Bremen, das der Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Johannes Münder in seinem Jahresbericht vorstellte. Münder berichtete außerdem von einem neuen Jugendhilfeprojekt im Düsseldorfer Stadtteil Garath, den Mütterzentren in München und Zwickau, die pro Jahr rund 130 000 Besucher verzeichnen, und dem interkulturellen Ansatz, der SOS-Kinderdorf so wichtig ist. Im Mittelpunkt der Arbeit stünden stets die Kinder und Jugendlichen, betonte Münder. Deshalb werde Mitbestimmung über Kinderkommissionen und -parlamente ganz groß geschrieben. Die damit verbundene Akzeptanz und Wertschätzung wirke sich sehr positiv aus, berichtete er unter anderem aus den Berufsausbildungszentren für junge Menschen mit Förderbedarf. Hier habe das pädagogische Konzept mit „49 Prozent Hirn und 51 Prozent Herz“ schon manchen Jugendlichen von der kriminellen Laufbahn ohne Schulabschluss hin zur abgeschlossenen Berufsausbildung gebracht.

Beteiligung und Kinderrechte waren heuer auch Themen des traditionellen Jahresempfangs des Vereins, so Münder. Er freute sich über die vielen kleinen und großen Förderer und SOS-Botschafter, die die Arbeit in den 44 Einrichtungen in Deutschland sowie den 121 Einrichtungen auf der ganzen Welt ermöglichen. Zu ihnen gehören 2 076 fördernde Mitglieder, die nach einem Hinweis bei einer früheren Mitgliederversammlung geworben werden konnten.

Auch diesmal gab es keine Kritik, sondern lediglich Anregungen aus den Reihen der Zuhörer: Unter anderem die, Werbekärtchen für fördernde Mitglieder mit den Weihnachtskarten zu versenden.

Der Satz „Wir sind Familie“, erklärte Verwaltungsratsvorsitzender Professor Dr. Hanjo Sauer in seinem Bericht, sei für SOS-Kinderdorf nicht nur Werbeslogan, sondern auch normativer Wert.

In der Marktgemeinde Dießen, wo die Mitgliederversammlung zur Freude von Bürgermeister Herbert Kirsch nun wieder stattfand, spiegelte sich das gleich doppelt: Zum einen im Beitrag von Roger Kretschmann und Lucia Hobelsberger, die zusammen mit ihren Musikern und Tänzern drei Lieder aus dem Musiktheater „Der Traumzauberbaum“ präsentierten. Zum anderen auch in den Kindern, die die anschließenden Führungen durch das Dorf mit ihren Martinslaternen begleiteten.

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