Treffpunkt der Freitags-Aktionen ist am Feuerwehrhaus in Pähl. Diesmal wurde der „Ausflug“ von der Polizei begleitet. Foto: Seifert

Massenausflug oder Versammlung?

Dießen/Pähl - Die Initiative Birkenallee freut sich weitere Mitstreiter. Was am ersten Freitag im August begann, wurde am ersten Freitag im September mit 50 Prozent mehr Beteiligung fortgesetzt: Etwa 120 Radler traten für einen Radweg an der Birkenallee in die Pedale. Die Straße wurde diesmal gesperrt.

Ein Radweg entlang der Birkenallee war 2010 aus naturschutzrechtlichen Gründen aus dem laufenden Planfestellungsverfahren herausgenommen worden. „Lebensraumplanung Gemeinde Pähl“ und die „Initiative Birkenallee“ setzen sich nun dafür ein, dass dieses Planfeststellungsverfahren aufgrund neuer Erkenntnisse zum Brutverhalten bestimmter Vögel, zum modernen Radwegebau in Naturschutzgebieten und zu den Auswirkungen eines Radweges auf das angrenzende Naturschutzgebiet wieder aufgenommen wird (wir berichteten). In einer so genannten Critical-Mass-Aktion wollen sie jeden ersten Freitag im Monat darauf aufmerksam amchen. Sprecher Ernst Roeckl begrüßte am vergangenen Freitag zum zweiten Mal Mitstreiter, deren Zahl im Vergleich zum Vormonat um 50 Prozent gewachsen war. Darunter viele Gäste aus Herrsching, Dießen, Weilheim und der ganzen Region.

Schon in den 1990er Jahren hatten die Radler mit Demos auf den fehlenden Radweg aufmerksam gemacht und auf die Gefahr, die dadurch heraufbeschworen wird, wenn sich Radfahrer und Autoverkehr die schmale Straße teilen. Auf der Suche nach Alternativen haben sich die Gemeinden redlich bemüht. Der ausgeschilderte Umweg führt allerdings durch das Ammermoos und wird von vielen Radlern nicht angenommen. „Er ist für den Alltag sowie für Frauen und Kinder bei Nacht ungeeignet“, findet Thomas Allner-Kiehling, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Herrsching und Umgebung, mit Radlfreunden aus Herrsching, Inning, Seefeld und Andechs. Er selbst wohnt im Inninger Ortsteil Buch.

Die Polizei hatte die gesamte Birkenallee diesmal abgesperrt. Das war das erste Mal nicht der Fall. „Wir wollen eigentlich auch keine Polizei“, sagt Roeckl. Eigentlich hätte es ja eine Critical-Mass-Aktion sein sollen. „Ein ganz normaler Fahrradausflug“, erklärt er. Ein solcher müsste nicht angemeldet werden. Auf Hinweis von Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer habe er sich jedoch sicherheitshalber mit der Polizei in Verbindung gesetzt - und landete beim Landratsamt und bei der Regierung von Oberbayern. Die Frage ist: Handelt es sich tatsächlich um einen Fahrradausflug oder bei so vielen Menschen um eine „sich bewegende Versammlung unter freiem Himmel“? Diese Frage ist noch nicht geklärt, darum sperrte die Polizei die Birkenallee für den Autoverkehr. „Sicherer war es auf jeden Fall und auch ein ganz anderes Erlebnis“, sagt Roeckl. Gleichwohl wurde das Tragen von Warnwesten empfohlen und an die Disziplin appelliert. Beim ersten Mal, sagt Roeckl, „sind zwei von uns vorn weg und zwei hinten dran gefahren“, zwischendurch waren Lücken gelassen worden, damit die Autos überholen konnten. „Eigentlich sind wir als solch große Gruppe nämlich Teil des Verkehrs“, meint Allner-Kiehling. Er und Roeckl verweisen auf den Paragrafen 27 der Straßenverkehrsordnung. Demnach gilt eine Gruppe ab 16 Fahrradfahrer wie ein Auto, „wenn der erste bei Grün die Kreuzung überquert, darf der letzte auch bei Rot noch rüber“. Außerdem ist das Radln in Zweierreihen erlaubt. Aber kennt jeder Autofahrer diesen Paragrafen? Die Kreuzungen in Raisting und Fischen wurden von der Polizei jedenfalls am vergangenen Freitag für die Dauer der „Critical-Mass-Aktion“ vorsorglich gesperrt. Vermutlich wird dies auch beim nächsten Mal so sein, am Freitag, 3. Oktober. Wieder um 17 Uhr, aber diesmal nicht im Feierabendverkehr, sondern an einem Feiertag.

Aus Sicht Allner-Kiehlings ist die Aktion der Pähler unbedingt zu unterstützen. „Wir müssen den Leuten helfen, es ist ja auch unser Ammersee-Rundweg.“ Ziel des ADFC Herrsching sei nach erfolgreicher Aktion auf der Birkenallee, eine Fortsetzung der „Critical-Mass“ für das gesamte Ammersee-Ostufer bis nach Schlagenhofen am Wörthsee.

Erfreut über die große Teilnehmerzahl schon beim zweiten Mal, machen sich die Organisatoren freilich Gedanken wie es weiter geht - vor allem im Winter. „Es soll ja kein Krampf sein“, meint Allner-Kiehling. Darum werde überlegt, eine Winterpause zu machen. Aber nicht schon ab Oktober, denn die Fahrt am 3. Oktober ist fest geplant. (grä)

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