Dießens Verleger Baab & Schorn

Sammlerstücke

Dießen - „Die Wallfahrtsmedaillen der Zinngießerei Babette Schweizer“ lautet der Titel einer Ausstellung, die am Donnerstag im Rathaus eröffnet wurde. Lauter Kostbarkeiten der religiösen Volkskunde.

Wallfahrtsmedaillen sind bis heute beliebte Andenken. Früher hat man sie sich gerne an den Rosenkranz gehängt, um damit beim Kirchgang Eindruck zu machen und in Dießen waren sie sogar ein Wirtschaftsfaktor. Wer sich beim Bummel durchs Rathausfoyer Zeit nimmt und die Texte zu den Exponaten genau studiert, kann viel über die Geschichte der Marktgemeinde erfahren, denn die ist eng mit den kleinen Devotionalien verknüpft. Kuratiert wurde die Schau von Gemeindearchivarin Elke Ratz.

Vor über 200 Jahren wurde die heute noch bestehende Zinngießerei Babette Schweizer gegründet. Aus ihren Geschäftsbüchern und erhaltenen Modellen geht hervor, dass sie Medaillen für sehr viele Wallfahrtsorte, vor allem in Süddeutschland und Österreich, gegossen hat. Die Medaillen wurden in riesigen Stückzahlen geliefert. Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, wurden in der Gießerei auch Kinder von armen Kleinbauern mit Hilfsarbeiten beschäftigt. Hier konnten sie nach der Schule ein Zubrot für ihre Familie verdienen.

Für den Vertrieb sorgten bereits im 18. Jahrhundert so genannte „Verleger“. Am erfolgreichsten war die Firma von Johann Baptist Baab. Der Kaufmann aus Wessobrunn ließ sich 1740 in Dießen nieder und gründete ein Handelshaus „für kurze und geistliche Waren“. Sein Wohnhaus, das stattliche „Schwinghammerhaus“ an der Hofmark 28 steht noch heute. Baabs Töchter heirateten zwei Brüder aus Partenkirchen: Johann Baptist (1743-1804) und Matthias Anton Schorn (†1802).

Um das Jahr 1770 wurden die beiden Familien geadelt und betrieben das Handelshaus „von Baab & von Schorn“ mit immer größerem Erfolg. Zeitweise konnten sie 600 Personen als Heimarbeiter oder Kraxenträger beschäftigen, die Waren über das flache Land und auf die großen Märkte nach Nürnberg, Frankfurt Leipzig, oder sogar bis nach Hamburg, Krakau oder St. Petersburg transportierten. Bis heute erinnert der Von-Schorn-Weg ebenso wie das aufwändige Familiengrab am Chor der Kirche von St. Georgen an die erfolgreiche Kaufmannsfamilie.

Weihnachten 1796 schloss der Zinngießer Adam Schweizer (1774-1848) erstmals einen Liefervertrag mit dem Handelshaus „von Baab & von Schorn“ ab. Dieses Datum gilt als das Gründungsdatum der Firma Babette Schweizer. „Von Baab & von Schorn“ ging bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Geschäften nach, dann verlor ihre Firma an Bedeutung. Die Zinngießerei Schweizer fand neue Vertriebswege und liefert bis heute in alle Welt.

In früheren Zeiten gab es Wallfahrtsmedaillen aus verschiedenen Materialien, für jeden Geldbeutel das Passende: Häufig waren sie aus Messing, seltener aus Gold oder Silber. Aber auch das gab es, schließlich gingen auch Adel oder Klerus auf Wallfahrt. Die meisten Wallfahrer waren aber ziemlich arm, für sie gab es die Zinn-Medaillen.

Wie in der Ausstellung zu sehen ist, besitzen die Wallfahrtsmedaillen der Zinngießerei Schweizer vielfältige Grundformen. Meist zeigen sie auf einer Seite das so genannte Gnadenbild, auf der anderen die dazugehörige Kirche. Häufig wird durch ein paar abkürzende Buchstaben auf den Wallfahrtsort verwiesen. So zeigt zum Beispiel eine Marke mit dem Kürzel „S.M.V.H.B.“ die „Santa Maria vom Heiligen Berg“ (Andechs). Und wer genau hinschaut, entdeckt in den Vitrinen im Dießener Rathausfoyer auch viele weitere regionale Motive, zum Beispiel den Heiligen Rasso oder die Heilige Mechthildis aus Dießen.

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