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Hoher Besuch im HALO-Cockpit (v.r.): Pilot Stefan Grillenbeck mit der DLR-Vorstandsvorsitzenden Professor Pascale Ehrenfreund und Dr. Gisela Helbig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie vertrat bei der Feier Ministerin Professor Johanna Wanka, die in Berlin festsaß.

DLR-Forschungsflugzeug Halo 

Fünf Jahre „mehr Dampf“ für die Forschung

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Das Forschungsflugzeug HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ist ein Ausnahmetalent. Seit fünf Jahren ist die Maschine für Forschungs-Missionen in alle Himmelsrichtungen unterwegs.

Oberpfaffenhofen – „Die HALO hat mehr Dampf, fliegt höher, schneller, weiter.“ Professor Rolf Henke (DLR) brachte es bei der Auftaktveranstaltung zu einem zweitägigen Symposium gestern im Hangar des DLR auf den Punkt: die HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) hat durch ihre Flugeigenschaften in erheblichem Maß zu neuen Erkenntnissen der Atmosphärenforschung beigetragen. 18-mal schon war sie seit August 2012 rund um den Globus unterwegs. 8000 Kilometer schafft HALO mit einer Tankfüllung, ihre Flughöhe beträgt mehr als 15 Kilometer. In diesen Höhen wird die Atmosphäre für die Wissenschaftler erst richtig interessant. „Sie können die Atmosphärenchemie untersuchen, Wolken und Niederschlagsbildung vermessen sowie die Dynamik und Transportprozesse unserer Atmosphäre studieren“, erklärte Professor Pasquale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR.

Im Winter 2016 beispielsweise untersuchten Forscher von Bord der HALO aus, wie empfindlich sich die Spurengase Ozon und Wasserdampf auf das bodennahe Klima auswirken. Im Herbst 2014 flog HALO über den Regenwald Brasiliens, dabei ging es um die Wolkenbildung. Auch die Eiswolken in acht bis 14 Kilometer Höhe sowie deren Auswirkung auf das Klima waren bereits Bestandteil einer Mission. Und im Herbst 2016 ging es um die Verbesserung der Wettervorhersagen: Über dem Nordostatlantik analysierten die Forscher die Atmosphärendynamik und Transportprozesse. Die nächste Mission ist auch schon ausgemacht: In diesem Frühjahr nehmen Wissenschaftler die wichtigsten Klimagase CO2 und Methan ins Visier – bei Flügen von Europa bis Nordafrika. Wenn das Symposium beendet ist, wird die HALO aus diesem Grund zu ersten Testflügen aufbrechen, die Mission soll zeitnah beginnen.

Zuhause ist HALO seit 2009 in Oberpfaffenhofen, das DLR ist Besitzer der Maschine und für die Wartung verantwortlich. Beteiligt an den Missionen allerdings sind namhafte wissenschaftliche Institute, Universitäten und natürlich die Politik. So wurde HALO aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) und der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beschafft. Den Betrieb tragen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die MPG, das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig.

Jede Menge Einrichtungen also mit jeder Menge Wissenschaftlern, die zum Teil auch ihre eigenen Vorstellungen hatten, was mit HALO machbar ist. Jedenfalls machten die zahlreichen Redner an diesem Vormittag im Hangar kein Geheimnis daraus, dass es bei der Zusammenarbeit auch mal „Holperstrecken“ gab, wie Professor Wolfgang Marquardt vom FZJ es bezeichnete. Diese schreckten das Konsortium jedoch nicht, im Herbst 2016 einen neuen Rahmenvertrag zu unterzeichnen, der die Forschungsarbeit der HALO auch in Zukunft sichert. Bis 2022 ist das Flugzeug sozusagen ausgebucht.

Bundesminister waren gestern, anders als angekündigt, nicht zugegen. Bildungsministerin Professor Johanna Wanka saß in Berlin fest – wegen des Streiks am Flughafen. Ihre Vertreterin aus dem Ministerium, Dr. Gisela Helbig, betonte den Wert der HALO-Missionen: „Wir brauchen die Wissenschaft um einzuschätzen, wo wir stehen und was wir brauchen, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen.“ Es gehe auch darum, wer wo wie viel Emissionen freisetze – nur dann können die Lasten gerecht verteilt werden. Dass die HALO Ministerin Wanka nicht aus Berlin abholen konnte, fiel gestern nicht negativ ins Gewicht.

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