Dreifachmord von Starnberg Prozess
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Gut eineinhalb Jahre nach dem Dreifachmord in Starnberg beginnt der Prozess gegen zwei Freunde des jüngsten Opfers.

„Hätte ihm das nie zugetraut“

Dreifachmord von Starnberg: Rätsel um Patronenfund gelöst?

  • Franziska Konrad
    VonFranziska Konrad
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Beim Dreifachmord-Prozess von Starnberg geht es weiter turbulent zu. Das Geständnis des Hauptangeklagten ist möglicherweise nicht verwertbar.

Starnberg/München – Bei ihm hatte die Polizei ein Projektil aus der Tatwaffe gefunden: Am Montag wurde im Prozess um den Dreifachmord von Starnberg ein 19-Jähriger vor dem Münchner Landgericht befragt – als Zeuge. Aber hat er vielleicht doch mehr mit der Sache zu tun? Wie mehrfach berichtet, sind im Januar 2020 die Leichen eines 21-Jährigen und seiner Eltern (60 und 64 Jahre) in deren Starnberger Haus gefunden worden.

Prozess um Dreifachmord in Starnberg: Freunde des Toten müssen sich vor Gericht verantworten

Seit zwei Wochen müssen sich zwei heute 21 und 20 Jahre alte Männer aus Olching und Starnberg vor der Jugendkammer des Landgerichts wegen heimtückischen Raubmordes und weiterer Delikte verantworten. Sie waren Freunde des tot aufgefundenen Sohnes und sollen es auf dessen Waffen, darunter Kriegswaffen, abgesehen haben, die später bei dem 21- jährigen Hauptangeklagten gefunden wurden.

Dem 20-Jährigen wird Mittäterschaft vorgeworfen: Er soll den Haupttäter zum Haus der Familie gefahren und von dort abgeholt haben. Er sei mit den Angeklagten, aber auch mit dem tot aufgefundenen Sohn der Familie befreundet gewesen, berichtete der Zeuge. Zunächst gab er an, sich nicht für Waffen zu interessieren. Im Laufe der mehrstündigen Befragung stellte sich aber heraus, dass er einzelne Waffen benennen konnte. Diese habe er sogar fotografiert – wegen des „interessanten Designs“.

Dreifachmord in Starnberg: Munition aus Tatwaffe war ein Geschenk

Auch berichtete er von Schießübungen seiner Freunde im Wald sowie im Keller der getöteten Familie und davon, dass vor der Tat „ein großer Teil“ der Waffen vom Haus der Familie zur Wohnung des Hauptangeklagten gebracht worden seien. Am Tag vor der Tat habe ihm der Hauptangeklagte gesagt, dass die Waffen verkauft werden sollten. Und auch am Tag nach der Tat hatte er mit diesem Kontakt: In der Chatgruppe „Die Idioten vom Starnberger See“ hat er angefragt, was denn mit „den ganzen Sachen“ des toten Freundes sei. Auf mehrmaliges Nachfragen des Gerichts räumte er ein, dass damit dessen Waffen gemeint waren.

Dass der Hauptangeklagte geantwortet habe, man müsse „die Scheiße loswerden“ und ihn aufgefordert hatte, Bilder von seinem Handy zu löschen, habe er nicht weiter hinterfragt, erklärte der arbeitslose Starnberger. Mit „Bilder“ seien die früher gemachten Fotos der Waffen gemeint gewesen. Zu dem Zeitpunkt will er noch gar nicht gewusst haben, dass sein Freund nicht mehr lebte: Das habe er erst zwei Wochen später erfahren – aus dem Radio. Und das Projektil aus der Tatwaffe, das man bei ihm gefunden hatte? Das habe ihm sein nun toter Freund „Monate vor der Tat“ nach Schussübungen geschenkt.

Hauptangeklagter beim Dreifachmord von Starnberg: „Hätte ihm das nie zugetraut“

Über den Hauptangeklagten sagte der Zeuge: „Ich hätte ihm das nie zugetraut.“ Er selbst sei „nicht der Hellste“. Einer der Verteidiger, Gerhard Bink, sagte, dass er mit der Aussage des 19-Jährigen „überhaupt nichts anfangen“ könne. Im Ermittlungsverfahren hat der Hauptangeklagte bei der Polizei wohl ein Geständnis abgelegt. Einer Befragung der Polizeibeamtin, die die Vernehmung durchgeführt hatte, haben die Verteidiger des Mitangeklagten am Montag widersprochen: wegen „verbotener Vernehmungsmethoden“.

Der Hauptangeklagte, der ihren Mandanten in dem Verhör belastet habe, habe sich entblößen müssen. Zudem leide der 21-Jährige an einer Hautkrankheit. Dass über blutige Stellen eine Decke geworfen worden sei, habe zusätzliche Schmerzen verursacht. Dies stelle eine „unmenschliche und erniedrigende Behandlung“ dar „mit sadistischen Zügen“. Anschließend sei der Angeklagte „mit einer Butterbreze gefügig gemacht“ worden.

Dreifachmord von Starnberg: Schwere Foltervorwürfe gegen Polizei

Außerdem hätte die Vernehmung durch Bild- und Tonaufzeichnungen dokumentiert werden müssen. „Der Fall liegt klar“, fasste Verteidiger Alexander Betz zusammen: Einer Verwertung der Aussage stehe das Folterverbot entgegen. Wie das Gericht mit dem Widerspruch umgeht, ist offen. Das Gericht hat weitere zehn Verhandlungstage angesetzt. Mit dem Urteil ist nun Ende Februar zu rechnen. Von Andreas Müller

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