Der Hauptangeklagte im Mordprozess von Starnberg soll seinen mutmaßlichen Komplizen unter Folter belastet haben.
+
Der Hauptangeklagte im Mordprozess von Starnberg soll seinen mutmaßlichen Komplizen unter Folter belastet haben.

„Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung“

Nach Dreifachmord in Starnberg: Heftige Foltervorwürfe gegen Polizei - die wehrt sich

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
    schließen

Im Prozess um den Dreifachmord in Starnberg wirft die Verteidigung der Polizei schwere Vergehen vor. Sie soll den Hauptangeklagten gequält und gefoltert haben.

Starnberg/München - Vor rund zwei Wochen hat der Mordprozess gegen zwei junge Männer am Landgericht München II begonnen. Einem 21-jährigen Deutschen wird vorgeworfen, einen Freund und dessen Eltern in Starnberg ermordet zu haben. Der slowakische Mitangeklagte (20) soll den mutmaßlichen Mörder zum Haus der Familie gefahren und später wieder abgeholt haben. In seinem Geständnis belastet der Hauptangeklagte seinen Komplizen schwer. Die Verteidigung des 20-jährigen Fahrers behauptet aber jetzt, dass dieses Geständnis unter Folter entstanden sein soll.

Prozess um Dreifachmord in Starnberg: Anwälte erheben schwere Vorwürfe

Am Sonntag wurde ein Schreiben der Anwälte des Mitangeklagten an das Landgericht München II öffentlich gemacht, in dem der Polizei Fürstenfeldbruck schwere Vorwürfe gemacht werden. Sie werfen den Beamten „Erniedrigung, Quälerei und Misshandlung“ des Hauptangeklagten vor. Das daraufhin entstandene Geständnis dürfe nicht als Beweismittel zugelassen werden. Damit wäre der 20-Jährige so gut wie aus dem Schneider, da er in eben diesem Geständnis vom Hauptangeklagten explizit genannt wurde.

Die Verteidigung wirft der Polizei vor, dass die „angeblich gewonnenen Informationen auf verbotenen Vernehmungsmethoden“ beruhen. Der Angeklagte, der ihren mitangeklagten Mandanten in seiner Aussage belastete, sei „entweder ganz nackt oder nur mit einer Unterhose bekleidet und darüber hinaus lediglich notdürftig mit einer braunen Decke“ versorgt gewesen. Aufgrund einer schweren Neurodermitis habe der junge Mann „blutige Stellen am gesamten Körper“ gehabt. Rechtsanwalt Alexander Stevens meint, er hätte unter diesen Umständen nicht verhört werden dürfen. Außerdem wurde laut Stevens diese Vernehmung nicht aufgezeichnet. Dadurch habe „die Folter [...] offensichtlich kaschiert werden“ sollen.

Der Prozess um den Starnberger Dreifachmord beginnt (Video)

Prozess um Dreifachmord in Starnberg: Polizei kontert die Vorwürfe

Eigentlich wollte sich die Polizei nicht zu den Vorwürfen äußern. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord sagte am Sonntag: „Es gebietet der Respekt vor der Justiz, dass die Polizei in einem laufenden Gerichtsverfahren zu Vorgängen, die in diesem Verfahren behandelt werden, keine Auskunft erteilt. Sofern die Verteidigung derartige Vorwürfe bei Gericht vorbringt, werden sie Gegenstand der richterlichen Überprüfung sein.“ So ganz konnte sie die Anschuldigungen aber doch nicht auf sich sitzen lassen. „Der Vorwurf der Folter entbehrt jeglicher Grundlage“, fügte der Sprecher noch hinzu. Morgen geht der Prozess in München weiter. Dann wird auch dieser Antrag der Verteidigung behandelt werden. (tel mit dpa)

Auch interessant

Kommentare