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Glücklich über ihre olympische Bronzemedaille waren Thea Einöder und Edith Eckbauer (v.l.) dann doch. Die beiden waren als Topfavoriten ins Finale von Montreal gegangen, mussten aber Bulgarien und der DDR knapp den Vortritt lassen.

Rudern

So schrieben wir Olympia-Geschichte

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Tutzing - 1976 hat die Tutzingerin Edith Eckbauer die erste bundesdeutsche Olympia-Medaille im Frauenrudern gewonnen. Mit ihrer Partnerin Thea Einöder, die damals noch in Maising wohnte, holte sie Bronze.

Eigentlich war die Goldmedaille fest gebucht. Bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal/Kanada galten Edith Eckbauer, damals 26 Jahre alt, und ihre Partnerin Thea Einöder (24) als unbesiegbar. „Wir waren ja ein Jahr lang vor den Spielen ungeschlagen“, erzählt Eckbauer. Die heute 67-jährige gebürtige Tutzingerin war mit Thea Einöder im Zweier ohne Steuerfrau auf der Ruderstrecke in Montreal die Topfavoritin.

Und zunächst sah es auch so aus, als würden die beiden Oberbayerinnen dieser Rolle gerecht. „Aber 250 Meter vor dem Ziel habe ich einen Krebs gefangen“ – was in der Rudersprache bedeutet: Sie führte den Riemen im anstatt über dem Wasser zurück und bremste so das Boot kurz ab. „Wir hatten einfach Pech mit dem Wind auf unserer Bahn, und ich habe eine Welle erwischt“, erklärt Eckbauer. Die Führung war dahin, Bulgarien und das Boot der DDR zogen noch an den Deutschen vorbei. „Wenn das Rennen 100 Meter länger gewesen wäre, dann hätten wir trotzdem gewonnen.“ Nach kurzer Enttäuschung haben sich die beiden Bayerinnen aber „riesig über Bronze gefreut“.

Und die Medaille wurde ausgiebigst gefeiert. Zuerst in Montreal, wo Eckbauer und Einöder mit den anderen Sportlern Dauerparty machten. „Wir waren ganz am Anfang dran und hatten nach unserem Wettkampf viel Zeit zum Feiern“, erzählt Eckbauer. Nach der Rückkehr nach Deutschland erwartete das Duo ein wahrer Empfangsmarathon. Zuerst ging es nach großem Hallo am Münchener Flughafen nach Maising, in den Wohnort von Thea Einöder. Die Zwillingsbrüder Willi und Rudi Nirschl hatten eine Willkommensfete mit allem Pipapo organisiert. Zu Blasmusik wurden die Ruderinnen in einer Pferdekutsche durchs Dorf gefahren, hunderte Schaulustige standen Spalier. Dann ging es weiter nach Tutzing aufs Volksfest. „Ich habe damals 36 Stunden am Stück nicht geschlafen“, erinnert sich Eckbauer.

Zum Rudern kam die heute noch mit ihrem Ehemann Robert in Tutzing lebende Mutter einer Tochter eher zufällig. „Ein Starnberger Arzt hat mich entdeckt.“ Weil sie mit ihren 1,82 Metern nicht auf den OP-Tisch passte, brachte der ruderbegeisterte Doktor die damals 16-Jährige, die eigentlich Schwimmerin werden wollte, zum Münchener Ruder- und Segelverein. 1973 traf sie bei der EM in Moskau Thea Einöder, die in München Tiermedizin studierte. Mit ihr verfolgte Eckbauer das große Ziel: Olympische Spiele in Montreal. „Wir haben täglich auf der Olympia-Regattastrecke in Oberschleißheim sehr intensiv trainiert, am Wochenende zweimal täglich.“ Ihr Trainer war ihr Mann Robert, ebenfalls ein sehr erfolgreicher Ruderer. Die Trainingspläne schrieb sie selbst mit dem Wissen, das sie sich nach dem Abitur auf dem Tutzinger Gymnasium während ihres Diplomsport-Studiums an der TU München angeeignet hatte. Und obwohl sie und Einöder absolute Spitze in Deutschland waren, hätte es fast nicht geklappt mit der Olympia-Nominierung. „Als Bayerin hatte man es sehr schwer, es gab da so einen norddeutschen Klüngel“, schimpft Eckbauer noch heute auf die damaligen Funktionäre.

Die trugen auch eine Mitschuld, warum sie nach den Spielen in Montreal mit dem Rudern aufgehört hat. „Ich war total sauer auf die Funktionäre, außerdem wollte ich nach zehn Jahren Leistungssport etwas anderes machen.“ Vorzeitig in Ruhestand zu gehen, wäre auch gar nicht drin gewesen. „Wir haben für unsere Leistung keinerlei finanzielle Zuwendungen bekommen. Wir waren absolute Amateure, das war reiner Idealismus“, sagt Eckbauer. Nach ihrer Karriere arbeitete sie im Ingenieurbüro ihres Mannes mit. Heute engagiert sich die 67-Jährige in ihrem Heimtort Tutzing auch ehrenamtlich. „Einmal die Woche fahre ich den Bürgerbus.“

In ein Ruderboot steigt Edith Eckbauer „nur noch sporadisch bei Treffen mit ehemaligen Aktiven“. Aber dem Sport ist sie stets verbunden geblieben. „Ich spiele Golf oder fahren Mountainbike.“ Und sie arbeitet als Fitnesstrainerin, unter anderem seit 34 Jahren an der Volkshochschule Weilheim.

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