Aus dem Gerichtssaal

Radler zahlt Schmerzensgeld

Gilching - Ein Radelunfall hatte ein Nachspiel vor Gericht. Der Angeklagte erlebte juristische Milde.17

Über ihrer Mittagspause stand vergangenen Juli kein guter Stern. Als eine 51-jährige Allingerin mit ihrer Kollegin durch das Gilchinger Gewerbegebiet spazierte, wurde sie von einem entgegenkommenden Radler erfasst und brach sich drei Finger. Dieser Tage musste sich nun der Münchner Radlfahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Für den pensionierten Kriminalbeamten war das kein leichter Gang, denn der 66-Jährige hat sich in seinem bisherigen Leben noch nichts zu schulden kommen lassen. Dem Gericht erklärte er: „Es tut mir leid. Der Zusammenstoß war für mich unvermeidlich. Die beiden Kolleginnen waren so vertieft in ihre Mittagpause, dass sie mich nicht haben kommen sehen. Als ich um die Ecke fuhr, waren unvermittelt zwei Frauen vor mir. Erst sind beide zu je einer Seite ausgewichen, dann zog die eine die andere unvermittelt vor mein Rad und ich stieß mit ihr zusammen.“ 

Laut Schilderung der beiden Frauen war der Schreckmoment nach der Kurve in der Friedrichshafener Straße vollkommen ausweglos. „Wie ein Geist ist auf einmal ein Radfahrer aufgetaucht und in mich reingerauscht“, sagte die geschädigte Allingerin. Ihre Finger mussten operiert werden und bis heute leidet die 51-Jährige unter schmerzhaften Beeinträchtigungen. Während es ihrer 27-jährigen Kollegin gelang, spontan ihn den Graben zu springen, hatte die Geschädigte laut eigener Einschätzung keine Ausweichmöglichkeit: „Das war so schnell. Ich konnte nicht reagieren.“

Ermahnungen zur besonderen Obacht bei gemischten Rad- und Gehwegen gab es seitens des Gerichts. „Hinter einer Kurve kann alles möglich sein. Man sollte deshalb dementsprechend langsam fahren, damit man im Zweifelsfall bremsen kann“, befand Richterin Christine Conrad. Zum Vorteil gerieten dem Angeklagten dennoch sein bisher unbeschriebenes Bundeszentralregister sowie sein vorbildliches Nachtatverhalten. „Er hat auch Blumen geschickt“, berichtete die Allingerin. Das hatte juristische Milde für den einsichtigen Ex-Polizisten zur Folge: Richterin Conrad stellte das Verfahren gegen eine Schmerzensgeldauflage von 1500 Euro ein.

nh

Rubriklistenbild: © dpa

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