Der Ehrenpräsident feiert 80. Geburtstag

Starnberg - Manfred Meyer, Ehrenpräsident des Bayerischen Yacht-Clubs in Starnberg feiert am 1. Weihnachtfeiertag seinen 80. Geburtstag.

Der Applaus von damals hallt noch heute über den Starnberger See nach. Als Manfred Meyer 2007 sein Amt als Präsident des Bayerischen Yacht-Clubs niederlegte, wollten die Ovationen der Mitglieder kein Ende nehmen. „Wenn sie so weiterklatschen, dann mache ich weiter“, ermahnte er die Versammlung, die sich tief vor ihm verneigte. Irgendwann stellten die Anwesenden zwar ihre Huldigung vor lauter Respekt vor ihrem Vorsitzenden ein, aber Meyer hörte deshalb nicht auf, d e r Präsident des ältesten bayerischen Segelclubs zu sein. Und das ist auch heute noch so, wenn er am 26. Dezember seinen 80. Geburtstag feiert.

Manchmal fragt man sich, ob der Jubilar nicht schon als Präsident des BYC auf die Welt gekommen ist, so sehr ist ihm dieses Amt auf den Leib geschneidert. Wenn ein deutsches Nachrichtenmagazin Helmut Schmidt als den letzten deutschen Kanzler bezeichnet, dann ist Meyer wohl, ohne seine Nachfolger jetzt herabzuwürdigen, so jemand wie der wahre und letzte Präsident eines an Charakterköpfen wahrlich nicht armen Clubs. Die Bayern verdanken ihm vieles, was sie wurden und heute sind.

Als er 2007 unter tosendem Beifall von der Kommandobrücke des Clubs abtrat, hatte er eine Ära mit 40 Jahren Ehrenamt als Schatzmeister und Vorsitzender geprägt. Ein halbes Menschenleben, was er so nie vorgesehen hatte. „Ich heiße Meyer, aber ich bin kein Vereinsmeier“, charakterisierte er sich einmal selbst. Und so meyerte er vier Jahrzehnte mehr, als dass er vereinsmeierte, was seiner Vorstellung von sich selbst auch entsprach. Aus Anerkennung für seine Dienste kürte ihn der Club zu seinem Ehrenpräsidenten und förderte damit seine Verehrung. Da war es nur konsequent, dass ihm die eigene Vereinschronik vor zwei Jahren zum „Grandseigneur“ vom Starnberger Nepomukweg ausrief, eine Bezeichnung, die seiner Persönlichkeit recht nahe kommt.

Meyer war und ist das einladende und freundliche Gesicht des Bayerischen Yacht-Clubs. Er ist einer, der huld- und kraftvoll repräsentieren kann, ohne dabei autoritär oder absolutistisch zu erscheinen. Einer, der weiß, was er will, aber seinen Weg nicht verbissen, sondern immer mit einem charmanten und einnehmenden Lächeln gemeinsam mit den anderen geht, was bisweilen eine gewisse Selbstironie nicht ausschließt.

Im Club ist er längt zu einer von allen geschätzten Vaterfigur, einer Legende geworden. Zu seinem 80. Geburtstag durchstöberten die Bayern sämtliche Archive und Fotoalben, befragten aufwendig die Mitglieder und forschten nach Anekdoten und den vielen kleinen anderen Geschichten, die sein Wesen näher beschreiben als die großen Abhandlungen und verstaubten Clubakten, die er hinterlassen hat. Die rastlose Recherche des Clubs geht über die gebührende Anerkennung weit hinaus. Hinter ihr verbirgt sich so etwas wie Zuneigung, ja Liebe.

Dass sich einmal eine so innige und herzliche Beziehung zwischen Meyer und dem Club entwickeln würde, war nicht abzusehen, als er als 17-Jähriger auf Drängen seiner strengen Eltern zum Segeln in den BYC geschickt wurde. Die Altvorderen sahen darin eine reine Erziehungsmaßnahme für ihren lebenslustigen Lausbuben, der mit seinen Freunden ganz München unsicher machte. „Eigentlich war es eine Strafe“, erinnerte sich Meyer an seine Aufnahme, denn der Club atmete damals noch die muffige Luft der Kommerzienräte. Diese angestaubte Atmosphäre war nichts für einen jungen Burschen, der im München der Nachkriegszeit eine tüchtige Brise Freiheit in die Nase bekommen hatte. Der Lauser fand jedoch sehr schnell seinen Platz. Nicht nur im Starboot, dem er bis heute treu geblieben ist. „Star 8062“ ist eine große Nummer auf dem Starnberger See und dem gesamten Globus und wie sein Skipper in gewisser Weise selbst schon ein kleiner Mythos.

Auch in der Führungsetage des BYC etablierte sich Meyer schnell. Auf das Wissen des tüchtigen Bankkaufmanns, der später an der Börse in Düsseldorf und München handelte und 1967 in die Filiale der Deutschen Bank in Starnberg einstieg, die er dann bis 1996 leitete, wollte und konnte niemand verzichten. Schließlich hatte der Banker mit der Fremdfinanzierung seines ersten Bootes mächtig Eindruck unter den Seglern geschunden. Der schlug schließlich in allgemeine Bewunderung um, als er Anfang der Siebziger Jahre Schuldscheindarlehen an die Mitglieder ausstellen ließ, um so die Renovierung des Clubhauses und den im Etat nicht eingeplanten Kauf des Nachbargrundstückes gleichzeitig zu finanzieren.

Meyer war zwar immer ein seriöser Souverän von Volkes Gnaden, aber der kecke, jugendlich frische Drang, seine Welt mit einer leichten Prise Humor in Frage zu stellen, steckte wohl auch später noch ein wenig in ihm. Als er 1973 die Präsidentschaft im BYC übernahm, verdoppelte er als erste Amtshandlung gleich die Beiträge. Als er vor 25 Jahren gegen den Willen seiner Vorstandskollegen Ilja Wolf als Manager engagierte, hielten das viele nur für einen schlechten Witz.

Heute lacht darüber keiner mehr. Mit Weitblick und sicherem Gespür für die Stimmen der Zeit hat Meyer den BYC zu einem der profiliertesten Segelclubs in Europa moderiert und modelliert. Die 127-jährige Geschichte des Vereins ist deshalb auch ein Stück weit seine eigene geworden. Wer kann so etwas an seinem 80. Geburtstag schon von sich behaupten? (Christian Heinrich)

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