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Das Seehof-Grundstück unweit des Seeufers in Tutzing steht wohl bald zum Verkauf. 

Trotz Potenzialanalyse

Eigentümer gibt Seehof auf

Er will nur Wohnungen, die Gemeinde nur ein Hotel: So begründet der Eigentümer des Tutzinger Seehof-Grundstücks, weshalb er sich von dem Areal nahe am Ufer des Starnberger Sees trennen will.

Tutzing – Seit acht Jahren ist das Tutzinger Seehof-Grundstück mittelbar in österreichischem Eigentum. Das wird aber wohl nicht mehr lange so bleiben. Die Trennung wird offenkundig eingeleitet. „Verkaufsbereitschaft besteht“: So bestätigt das gegenüber dem Starnberger Merkur Dr. Bertold Wild, Vorsitzender der Geschäftsführung der UBM Development Deutschland GmbH.

Diese Tochtergesellschaft des österreichischen Bauunternehmens UBM Development AG in Wien ist Nachfolgerin der Münchner Grund Immobilien Bauträger AG, die 2012 die Seehof-Besitzgesellschaft gekauft hatte. Der Grund für die „Verkaufsbereitschaft“: UBM will auf dem Grundstück nur Wohnungen bauen, die Gemeinde Tutzing aber nur ein Hotel.

Eigentlich bestand dort seit Jahrzehnten eine baurechtliche Sondernutzung „Hotel“. Viele Tutzinger sagen, die Käufer hätten das wissen müssen. Wild verweist aber auf einen Beschluss des Tutzinger Gemeinderats. Der habe eine Wohnnutzung zum Inhalt gehabt. Gemeint ist eine Gemeinderatssitzung vom 8. November 2011. Zur „Überplanung Areal ‚Seehof‘“ lautete der Beschluss damals unter anderem: „Billigung der Art der baulichen Nutzung in der Gestalt, dass auf der Grundstücksfläche vorwiegend Wohnnutzung erfolgen soll, dies mit einem noch festzulegenden und abzustimmenden Gewerbeflächenanteil.“ Gleichzeitig unterstrich die Gemeinde ihre Absicht, die „Seegrundstücksfläche“ zu erwerben – ein kleines Uferareal, auf dem das Seehof-Hotel einst ein Café betrieb.

Mittlerweile ist Wohnnutzung passé. Im November 2018 hat der Gemeinderat die planungsrechtliche Absicherung der Hotelnutzung bekräftigt. Im April 2019 hat Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller einen Entwurf für vier Gebäude nebeneinander vorgelegt, die nach seiner Einschätzung Platz für 70 Hotelzimmer bieten könnten. Kürzlich hat Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Starnberger Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, im Gemeinderat eine „Potenzialanalyse“ der Beratungsgesellschaft Drees & Sommer präsentiert, in der ein Hotel dort als „wirtschaftlich tragfähig“ bezeichnet wurde – allerdings in zwei Varianten mit 139 und 159 Hotelzimmern. Von einer Variante mit 70 Hotelzimmern war nicht mehr die Rede, sie wurde offenbar noch nicht mal untersucht. Ob und wie die Anzahl von Hotelzimmern zu Burgstallers Entwurf passt, wurde nicht thematisiert.

Für UBM-Deutschlandchef Wild steht aber ohnehin fest: „Eine Hotelnutzung ist nach unseren Kalkulationen, die gutachterlich bestätigt wurden, nicht wirtschaftlich möglich.“ Zu einer ähnlichen Einschätzung war 2009 die Beratungsgesellschaft Treugast im Auftrag des damaligen Seehof-Eigentümers gekommen: Sie riet von einer alleinigen Hotelnutzung ab und empfahl, eine „alternative Mischnutzung“ zu prüfen. Wie es mit dem Seehof weitergeht, ist offen. „Wir sprechen mit Interessenten“, sagt gwt-Chef Winkelkötter auf Nachfrage. Bürgermeisterin Marlene Greinwald gab sich neulich im Gemeinderat in Hinblick auf die untersuchten Varianten optimistisch: „Ich kann mir vorstellen, dass jemand genau dort ein Hotel bauen will.“

Lorenz Goslich

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