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Einer vom alten Schlag: Landwirt Martin Riech (85) – mit seiner Urenkelin Kati – pflegt zu seinem Vieh ein familiäres Verhältnis. 

Im Porträt

Schreiner, Landwirt und Philosoph

In Buch betreiben noch drei aktive Bauern ihren Hof. Milchkühe hat unterdessen nur noch Martin Riech: Schreiner und Landwirt – und einer, der immer sagt, was er denkt und tut, was er für richtig hält.

Buch – Martin Riech steht auf seinem Hof. Er ruft: „Biiibibibibiii.“ Gackernd schießen 30 Hühner um die Ecke und scharen sich um den Landwirt. Die beiden Milchkühe und das Fleckvieh auf der Weide reagieren auf „Ohhlalala Ohhlalala“. Bis vor kurzem tummelten sich dort auch noch Schweine, Gänse und Enten. Das Federvieh hätten die Greifvögel auf dem Gewissen, schimpft der 85-Jährige während er melkt.

Täglich bis zu 45 Liter Milch geben die beiden Damen. Die übrig gebliebene Milch „säuft das Fleckvieh“. Dafür hat er sie angeschafft. Denn Wegschütten möchte er nichts und Kunden seien gerade noch eine Handvoll übrig geblieben. Die Mutter etwa, die gerade mit ihren vier Kindern auf den Hof kommt und deren Nachwuchs genüsslich kuhwarme Milch heherunterstürzt.

Den Hof hat das Bucher Urgestein Riech 1965 mit seiner Frau Hermine und den Eltern Johann und Franziska Riech in Eigenleistung errichtet. Fördergelder und Subventionen lehnt er bis heute ab. „Ich halte das für Schmiergeld“, meint der aufmüpfige Schreinermeister. „De hättn damois Eternit nauf do.“ Stattdessen trug er die Baukosten selber und deckte das Haus mit Frankfurter Pfannen ein. Vorausschauend, denn das krebsfördernde Asbest im Eternit wurde 1993 verboten.

Viele Jahre lang baute Riech Getreide an. Einst bekam er 22 Mark pro Zentner. Jetzt seien es noch 8 Euro. „Das lohnt nimmer“, sagt er und pflanzt nur noch Gemüse und Früchte für den Eigenbedarf an.

Hermine Riech starb 2007. Mit eigenen Kindern hat es nicht geklappt, so nahm das Ehepaar 1979 die damals zehnjährige Anita als Pflegekind auf. Unterdessen ist Anita ausgezogen. Ihre Kinder Maximilian (25), Veronika (27), Anna (28) und deren pfiffige Tochter und Riechs Ur-Enkelin Kati (4), wohnen weiterhin bei ihm. Die Familie lebe von 850 Euro Rente, Annas Gehalt aus der Bäckerei und dem, was Enkel Maxi auf dem Bau verdiene. Die Einnahmen aus der Schreinerei, die er mit Schreinermeisterin und Enkelin Veronika betreibt, seien dürftig. Handgemachte Qualitätsware sei den Leuten zu teuer, glaubt er. Außer Fenster, Türen und Einbauküchen fertigen die beiden alles. Auch Schaukelpferde, sagt er und grinst in Erinnerung. Wegen eines Berliners, der einmal ein solches Pferd bei ihm gekauft hat. „Beim Rausholen vom Schaukelpferd dachte ich noch: Das sieht irgendwie komisch aus“ – und bei der Übergabe fiel ihm auf, dass er den Kopf am Hinterteil festgemacht hatte. Der Berliner merkte nichts. „Der wird denken, in Bayern laufen die Pferde im Rückwärtsgang.“ Beim Gedanken daran lacht er laut.

Lachen, das kann er – und schimpfen. Über die Politiker und ihre „Stichelei mit unserm Kreiz“. Wer ihn kennt weiß, dass er ohne Umschweife sagt, was er denkt. Dinge wie: „Wenn Gott die boshaften Menschen geschaffen hat, lass i vo dem nix mehr machn.“ Oder die vielen Milliarden, die „Merkel verschenkt“. Um den Betrag in einen greifbaren Vergleich zu setzen, rechnete er aus, dass man bis Dänemark von Buch aus etwa eine Milliarde Millimeter zurücklegt. Überhaupt rechnet der Bauer gerne. Die Fähigkeiten musste er sich selbst aneignen, denn die acht Volksschuljahre nach dem Krieg und die drei Berufsschuljahre reichten nicht weit. Sein reiches historisches Wissen hat er aus Sachbüchern, denn seine Lieblingslektüre sind Geschichtsbücher. Und was er liest, kombiniert er. Zum Beispiel: „Religionen sind entstanden, als der Mensch noch glaubte, dass die Erde eine Scheibe ist.“ Damit verabschiedet er sich. Der Stall ruft.

Frisch vom Hof

Wer frische Eier oder Milch kaufen möchte, geht direkt in den Hof und am Stall vorbei und klingelt an der Tür (Hauptstraße 30 in Buch). Milch gibt’s morgens ab 8 Uhr und abends ab 19 Uhr, Eier werden rund um die Uhr verkauft. Die Schreinerei fertigt auf Anfrage, z (0 81 43) 84 95.

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