Schwimmende Gärten auf dem See gehören zum Konzept der Stadt Überlingen am Bodensee.
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Schwimmende Gärten auf dem See gehören zum Konzept der Stadt Überlingen am Bodensee, die im nächsten Jahr die Landesgartenschau Baden-Württemberg ausrichtet. Dort war vor kurzem eine Starnberger Delegation.

Bewerbung für 2030

„Eine einmalige Chance“: Stadt Starnberg will die Landesgartenschau - Chance für die Seeanbindung

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die Stadt Starnberg will die Landesgartenschau 2030 ausrichten. Der Stadtrat sieht in dem Projekt eine einmalige Chance – gerade in Verbindung mit der Seeanbindung.

Starnberg – Wenn es überhaupt noch eines Redners mit Überzeugungskraft bedurft hätte, dann hatte Bürgermeister Patrick Janik den richtigen eingeladen. Franz Stahl, Bürgermeister von Tirschenreuth, war am Montagabend in Starnberg zu Gast, um den Stadträten von der Landesgartenschau vorzuschwärmen.

Vor sieben Jahren hat die 9000-Einwohner-Kreisstadt in der Oberpfalz die Schau ausgerichtet – und Stahl ist noch immer begeistert. „Es gibt bei uns seitdem eine neue Zeitrechnung: Und die beginnt 2013 mit der Gartenschau“, sagte er. Starnberg will Tirschenreuth nun nacheifern: Einstimmig bekundete der Stadtrat das Interesse, im Jahr 2030 die Landesgartenschau auszurichten.

Dass es dabei um viel mehr geht als um ein paar Blümchen, Stauden und Bäume, machte Martin Richter-Liebald deutlich, der Geschäftsführer der Landesgartenschau Bayern GmbH. Es gehe vielmehr um „eine nachhaltige, umwelt- und naturfreundliche Stadtentwicklung und ein Korrektiv für städtebauliche Fehlentwicklungen“, sagte er. „Gartenschauen schaffen für die Bevölkerung nutzbare, attraktive Landschaftsräume und Freiflächen, also bleibende Werte.“ In aller Regel werde durch eine Gartenschau ein Sanierungsstau aufgebrochen.

Gastredner Stahl schwärmt: „Eine Gartenschau ist ein Jahrhundertbauwerk“

Tirschenreuth etwa hat als Herzstück seiner Gartenschau einen neuen Stadtteich angelegt, dadurch eine historische Brücke wieder ins Zentrum gerückt und am Ufer ein Hotel und Restaurant mit Seeterrasse gebaut. Dadurch wurde unter anderem eine Industrieruine beseitigt.

Impressionen bayerischer Landesgartenschauen I: Besucher genießen die Sonne 2014 in Deggendorf.

„Eine Gartenschau ist ein Jahrhundertbauwerk“, schwärmte Stahl den Stadträten vor. Allein die neue Seeterrasse werde immer wieder genutzt, etwa für den Christkindlmarkt, für Feste oder kulturelle Veranstaltungen. Das Interesse der Menschen an Tirschenreuth sei zudem ungebrochen. Habe es vor 2013 jährlich nur drei bis vier organisierte Führungen in der Stadt gegeben, seien es mittlerweile 200.

Kosten scheinen vertretbar - Viele Zuschüsse locken

Die Kosten hielt Stahl für absolut vertretbar. 14,75 Millionen Euro habe Tirschenreuth für die Gartenschau und für städtebauliche Begleitmaßnahmen bezahlt, 6,25 Millionen Euro davon als Zuschuss erhalten, rechnete er vor. Es verblieben also 8,5 Millionen Euro bei der Stadt, was auf sechs Haushaltsjahre verteilt jeweils 1,42 Millionen Euro macht. Überhaupt winken dem Ausrichter einer Gartenschau hohe Zuschüsse, wie Geschäftsführer Richter-Liebald erklärte.

Die Stadtverwaltung steht voll hinter dem Projekt. In der Sitzungsvorlage aus der Feder von Amtsleiterin Sarah Buckel heißt es: „Die einzigartige Lage der Stadt, die Bedeutung des Themas Freiraum in der Stadtentwicklung Starnbergs und nicht zuletzt der unbedingte Bedarf, vorhandene Flächen in Wert zu setzen, sind selbstverständliche Argumente für eine Landesgartenschau in Starnberg.“

Impressionen bayerischer Landesgartenschauen II: ein neuer Steg 2019 in Wassertrüdingen.

Allein das Thema Seeanbindung spiele für die Bewerbung eine wichtige Rolle. „Die überörtliche Bedeutung eines aufgewerteten Seeuferbereichs für die Allgemeinheit wäre ein gutes Argument für den Einsatz der avisierten Fördermittel und würde es der Stadt Starnberg erleichtern, das Projekt mit dem bekanntlich hohen Finanzierungsbedarf umzusetzen“, erklärte Buckel.

Landesgartenschau 2030 in Starnberg? Verwaltung sieht viele Potenziale

Weiteres Potenzial sieht sie in der weiteren naturnahen Ufersanierung des Seebades und der östlich anschließenden Uferbereiche, in der Aufwertung der Uferbereiche südlich von Undosa und Steininger Grundstück, in der Aufwertung des Museumsgartens, der Gestaltung und Aufwertung der Almeidawiese als öffentlicher Park, im Maisingerbachtal als Ausgangspunkt für naturnahe Erholung, in der Aufwertung des Schlossberges als zentraler, innerörtlicher Grünfläche, in der Aufwertung des wohnortnahen Erholungsraums am Normanberg und an der Max-Joseph-Höhe inklusive Sanierung des Mausoleums, in der Umsetzung einzelner Maßnahmen im Rahmen der geplanten Verkehrsberuhigung sowie in einem Sonderprojekt mit örtlicher Identität wie zum Beispiel der Schaffung schwimmender Gärten.

Diese hat sich eine Gruppe von Stadträten zusammen mit Buckel und Stadtbaumeister Stephan Weinl bereits in Überlingen am Bodensee angeschaut. Dort hätte in diesem Jahr ursprünglich die Landesgartenschau Baden-Württemberg stattfinden sollen, die jedoch aufgrund der Corona-Pandemie ins nächste Jahr verschoben ist.

Landesgartenschau „Chance auf eine dauerhafte Belebung der Innenstadt“

„Ich bin total begeistert“, sagte CSU-Stadtrat Rudolf Zirngibl, der als Referent für Handel, Gewerbe und Tourismus ebenso in Überlingen dabei war wie Dritte Bürgermeisterin Christiane Falk (SPD) und der Referent für Bauen und Wohnen, Marc Fiedler (FDP). „Wir sollten uns diese einmalige Chance für Starnberg nicht entgehen lassen“, sagte Zirngibl.

Impressionen bayerischer Landesgartenschauen III: eine Kuppel aus Bambusrohren 2010 in Rosenheim.

Ähnlich äußerten sich auch die anderen Redner, zum Beispiel Tim Weidner, der für die SPD die Gartenschau-Bewerbung beantragt hatte – „sogar schon mal für 2015“, wie er sagte. „Die Landesgartenschau wäre ein großer Aufbruch, um Defizite zu beseitigen und unsere Potenziale besser heben zu können“, sagte er. Das sei „eine Chance auf eine dauerhafte Belebung der Innenstadt“, erklärte Weidner.

Landesgartenschau soll Thema Seeanbindung voranbringen

„Es wird uns Geld kosten, aber wir müssen es tun“, sagte Marc Fiedler. „Für die Stadt und für die Menschen dieser Stadt.“ Ludwig Jägerhuber (CSU) forderte die Verwaltung auf, den möglichen Zeitplan mit der Bahn abzustimmen, um beim Thema Seeanbindung voranzukommen. Professor Otto Gaßner (UWG) plädierte dafür, auch Landschaftsräume wie das Leutstettener Moos oder die Angerweide mit aufzunehmen.

Mit dem einstimmigen Votum hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, die offizielle Bewerbung unter Einbeziehung der Bürger sowie des Stadtrats vorzubereiten und einzureichen. Die Beratungsgespräche sollten bis 31. Juli 2021 abgeschlossen sein, die Bewerbungsunterlagen müssen bis 8. April 2022 abgegeben sein. Die Kosten für die Bewerbung schätzte Richter-Liebald auf 50 000 bis 100 000 Euro.

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