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Tanken nur noch elektrisch: Erik Berthold und seine Frau Jeannette. In Zukunft will der Musiker sogar bei seinen Auftritten den Saft aus seinem Auto ziehen, kündigt er an.

Energiewende

Elektrosprit für alle

Oberpfaffenhofen - Erik Berthold investiert Geld für Bürgerpreis in öffentliche Ladestation und möchte mit seinem Auto Musik machen.

„Alleine autark, gemeinsam mobil.“ So klingt der Ohrwurm, den Erik Berthold gerade für die E-Mobilität textet. Erik Berthold: Unikum, Lebenskünstler, sympathischer Inhaber der Musikschule in Oberpfaffenhofen ist überzeugter Elektroautofahrer, Kämpfer für die Idee der elektrischen, umweltverträglicheren Fortbewegung und neuerdings stolzer Besitzer einer Elektro-Tankstelle. E-Mobilität und Kultur nämlich passen zusammen, behauptet er. Der Grund: „Kultur ist kein Geschäft, und Elektro-Mobilität ist auch kein Geschäft.“ 

Der Idealist erhielt bekanntlich jüngst in Berlin den Bürgerpreis (wir berichteten) und investierte die 5000 Euro Preisgeld kurzerhand in die Schnell-Ladestation vor seinem Laden: für die 15 Musiklehrer, die mit dem Firmen-Peugeot zum Unterricht fahren und für die Gäste vom „Il Plonner“. Und einfach für jeden, der elektrisch auf der Durchreise ist. 

Seit Pfingsten ist die Ladestation in Betrieb. Zwischen Idee und Umsetzung lag für den Musiker eine Odyssee. Alleine die Frage, was es für ein Typ Ladestation sein woll, warf viele Fragen auf. Welchen Stecker nehme ich? Typ I, II oder doch III? Oder vielleich doch ein „CHAdeMO“-Stecker? Da scheiden sich schon bei europäischen Autoherstellern die Geister, ganz geschweige von japanischen oder amerikanischen. „Wir sind in diesem Bereich alle Analphabeten“, stellte Berthold schnell fest. Dann griff ihm Georg Reik vom gleichnamigen Elektrogeschäft in Weßling unter die Arme, und jetzt steht sie da: die Ladestation mit der Typ II-Dose. Hier kriegen jetzt alle Automarken außer BMW Elektrosprit. 

„Elektromobilität funktioniert nur, wenn ich jederzeit, überall, schnell und unkompliziert tanken kann“, weiß der Kulturschaffende. Und an dieser Stelle hapert es gewaltig. Etwa beim Abrechnungsmodus, denn noch verbieten die Stromkonzerne den Verkauf von Strom an Dritte. Manche lösen das mit Chipkarten für Mitglieder, andere mit einer Parkgebühr. Noch steht auf Bertholds Ladestation „Park & Charge 5 Euro die Stunde“. Doch eigentlich möchte er den Strom kostenlos abgeben. „Das ist ein Geben und Nehmen: Wenn ich nach München oder Starnberg fahre, lade ich dort mein Auto kostenlos auf und biete im Gegenzug meine Tankstelle an.“ 

Die Ladestation ist die einzige öffentliche zwischen Starnberg und Herrsching. Doch wer sie bedient, braucht einen Schlüssel. Und ein Musiker ist freilich nicht Tag und Nacht vor Ort. Eine halbe Lösung hat Berthold gefunden, indem im gegenüberliegenden Restaurant ein Exemplar liegt. Und noch ein neues Projekt beschäftigt den Tausendsassa: „Ich will in Zukunft bei Auftritten den Saft aus meinem Auto ziehen.“ Bei vollem Akku könnte seine Band damit 40 Stunden spielen. Das würde ja auch Handwerkern oder Ausstellern entgegenkommen – und wäre ein weiterer Schritt in Richtung „Alleine autark, gemeinsam mobil“.

Michèle Kirner

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